SV Bühlertal will Serie ausbauen

Bühlertal (rap) – Der SV Bühlertal befindet sich in der Fußball-Verbandsliga weiter auf einem Höhenflug. Nach dem Sieg gegen Radolfzell will der SVB auch in Endingen die Ungeschlagen-Serie fortsetzen.

Wollen auch den SV Endingen in die Knie zwingen: Nico Westermann (links) und der SV Bühlertal. Foto: Frank Seiter

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Wollen auch den SV Endingen in die Knie zwingen: Nico Westermann (links) und der SV Bühlertal. Foto: Frank Seiter

Die Vergnügungssteuer ist eine örtliche Aufwandssteuer, die unter anderem als Form von Eintrittsgeldern für Veranstaltungen zur Anwendung kommt. Hätte der Fußball-Verbandsligist SV Bühlertal für die bisherigen Auftritte der Mittelberg-Meute in der Saison eine solche Abgabe verlangt, die Fans des SVB wären bislang ganz schön geschröpft worden – und die Geldbörsen der Anhänger ziemlich schmal. Die letzte Zahlung wäre freilich am vergangenen Samstag fällig gewesen, nachdem die Hurle-Elf auch den FC Radolfzell 3:1 abgefidelt und die Gäste ohne Punkte zurück an den Bodensee geschickt hatte.

Damit blieb der SVB auch im fünften Spiel in Serie ungeschlagen, sammelte die Zähler elf, zwölf und 13 ein, verbunden mit dem Sprung auf Tabellenplatz fünf. So weit, so gut. Doch es kommt noch besser, schließlich haben die Schützlinge des 30-jährigen Mathelehrers noch zwei Spiele in der Hinterhand. Wirft man nun den virtuellen Rechenschieber an, addiert sechs Zähler auf das ohnehin schon gut gefüllte Bühlertäler Konto, erhält man als Summe: eine Spitzenposition. Zumindest punktgleich mit dem derzeitigen Ligaprimus SC Pfullendorf (acht Spiele, 19 Zähler) wären Kapitän Moritz Keller und Co. dann. Oberliga, ick hör dir trapsen?

Konfrontiert man Johannes Hurle mit derlei Rechnungen, kann dieser nur müde lächeln. „Wir haben gerade einen Lauf und wollen so viele Punkte sammeln wie möglich“, sagt der SVB-Trainer, „wir präsentieren uns extrem gereift, wir wollen uns mit dem Selbstvertrauen im Rücken durch die nächsten Wochen tragen lassen, vielleicht wird es dann ja ein goldener Oktober.“

„Mit einem blauen Auge davongekommen“

Die Hurleschen Hoffnungen sind durchaus berechtigt, zeigt sich die Mittelberg-Truppe momentan derart stabil. Hinten rührt die Abwehrkette um Stabilisator Moritz Keller Beton an – sieben Gegentore sind Ligabestwert –, vorne geht mit den wieselflinken Jonas Knobelspies und Philip Keller die Post ab, Routinier Nico Westermann und Ballverteiler Joanthan Steinmann bringen Struktur und Ruhe ins SVB-Spiel rein.

Eine erfolgversprechende Kombination, die selbst dann funktioniert, wenn die Leistungsgrenze nicht erreicht wird. Wie etwa gegen den FC Radolfzell, als die Gäste, eine etablierte Verbandsligamannschaft, durchaus ebenbürtig waren. „Ein Remis wäre sicherlich verdient gewesen“, gibt Hurle zu, zählt aber auch die Erfolgsfaktoren für den erneuten Heimsieg auf: „Wir sind auch nach dem 1:1 ruhig geblieben, haben die Naivität des Gegners ausgenutzt, der uns zwei weitere Punkte geschenkt hat. Optisch hatte der FCR mehr Spielanteile, wir waren in der zweiten Halbzeit zu passiv, haben zu wenig gemacht. Wir sind nochmal mit einem blauen Auge davongekommen.“

Ein Warnschuss zur richtigen Zeit, der zeigt, dass es nur mit voller Konzentration und totalem Willen möglich ist, die Serie auszubauen. Ein weiteres Veilchen will sich der SVB morgen beim SV Endingen jedenfalls nicht holen. Auf dem (geduldigen) Papier ist die Partie eine klare Angelegenheit für die Hurle-Elf, steckt das Team vom Kaiserstuhl doch mittendrin im Abstiegskampf: Platz 14, fünf Punkte, 8:19 Tore. Statistiken, die nach tiefstem Tabellenkeller schreien.

Vorsicht vor den Endinger Standards

Vergnügungssteuerpflichtig, so viel steht fest, wird die Fahrt in die Weinregion für die Rot-Weißen mitnichten, das weiß auch der Bühlertäler Übungsleiter. „Der SVE verfügt über jahrelange Verbandsligaerfahrung, ist mit allen Wassern gewaschen. Sie haben eine sehr physische Spielweise, nutzen gerne alle Mittel aus, bringen auch ordentlich Emotionen ins Spiel“, analysiert der 30-Jährige den morgigen Gegner. Die Losung, um dem Team von Trainer Manuel Gleichauf Paroli bieten zu können, liefert er gleich mit: „Wir dürfen uns von den Emotionen nicht verleiten lassen, müssen einen kühlen Kopf bewahren, dürfen keine Lethargie zeigen und sachlich spielen. Dann können wir etwas Zählbares mitnehmen. Wenn wir eine gute Leistung zeigen, auch drei Punkte“, sagt Hurle selbstbewusst, dem aber auch klar ist, dass „wir mit einer Leistung wie in der zweiten Halbzeit gegen Radolfzell nicht bestehen werden“.

Eine Stärke im Endinger Spiel hebt er besonders hervor: die Standards. Darum gilt: Den SVE vom eigenen Strafraum fernhalten und unnötige Foulspiele vermeiden. „Florian Metzinger schlägt starke Standards, Fabian Gutmann ist sehr gefährlich“, weiß Hurle.

Dennoch spricht Vieles dafür, dass die Serie ausgebaut wird, so kann der SVB-Trainer personell nahezu aus dem Vollen schöpfen. Lediglich die Langzeitverletzten fehlen, dafür kehrt Urlauber Maximilian Keller als zusätzliche Option in der Offensive zurück in den Kader. „Wir sind extrem zufrieden mit den Jungs. Sie sind fit, fokussiert und ziehen im Training total mit. Der Herbst ist noch lang, je mehr Punkte wir mitnehmen bis zur ungemütlichen Jahreszeit, desto besser. Bis Ende Oktober zum Pokalspiel gegen Rielasingen-Arlen wollen wir weiter Vollgas geben und das Momentum weiter nutzen“, sagt Hurle.

Hört sich nach einer Drohung an. An den Rest der Liga – aber auch an die eigenen Fans. Nicht, dass manch einer von ihnen noch einen Kredit aufnehmen muss.

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Erstellt:
16. Oktober 2020, 08:15 Uhr
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