SV Oberachern: Fritz im BT-Interview

Achern (rap) – Luca Fritz steht mit dem Oberligisten SV Oberachern vor dem größten Erfolg seiner Karriere – dem Gewinn des südbadischen Pokalwettbewerbs samt Einzug in den DFB-Pokal.

Will am Samstag mit seinen Oberacherner Teamkollegen den Pokalsieg feiern: Luca Fritz (Mitte). Foto: Frank Seiter

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Will am Samstag mit seinen Oberacherner Teamkollegen den Pokalsieg feiern: Luca Fritz (Mitte). Foto: Frank Seiter

Der 26-Jährige, der das Fußball-ABC beim FC Neuweier und SV Bühlertal erlernt hat, ehe er in der U 13 zum Karlsruher SC wechselte und nach der U 17 von der Fächerstadt wieder an den Bühlertäler Mittelberg zurückkehrte, ist beim SVO, für den er seit 2016 kickt, als Führungsspieler und torgefährlicher Außenverteidiger nicht mehr wegzudenken. Mit BT-Redakteur Christian Rapp hat sich Fritz über seine bisher bitterste Niederlage, den kommenden Finalgegner DJK Donaueschingen sowie SVO-Trainer Fabian Himmel unterhalten.

BT: Herr Fritz, wie präsent ist in diesen Tagen jener 22. August 2020, das verlorene Pokalfinale gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen (0:3) im Freiburger Schwarzwaldstadion?
Luca Fritz: Wir haben das komplett abgehakt. Es ist zum Glück überhaupt nicht mehr präsent in meinem Kopf. Natürlich wissen wir, dass wir in der Vergangenheit oftmals knapp gescheitert sind, im vergangenen Jahr etwa im Halbfinale in Villingen nach Elfmeterschießen. Deswegen wollen wir unbedingt den Pokal holen. Wir sind jetzt an der Reihe!

BT: War das bisher die bitterste Niederlage Ihrer Karriere?
Fritz: Das war mit Sicherheit die bitterste Niederlage. Ein Finale will jeder gewinnen. Wir hatten uns damals viel vorgenommen und wurden dann ziemlich kalt erwischt. Dass wir es so deutlich verlieren, war absolut bitter.

„Jeder ist heiß auf das Spiel“

BT: Am heutigen Samstag wartet auf Sie und den SV Oberachern aber die nächste Chance. Mit einem Sieg gegen den Verbandsligisten DJK Donaueschingen winkt der lang ersehnte Pokaltriumph und der Einzug in den DFB-Pokal. Was überwiegt: Die Vorfreude oder die Nervosität?
Fritz: Da kann ich für die ganze Mannschaft sprechen: Wir freuen uns ungemein auf das Spiel. Wir haben uns das über die ganze Saison hinweg verdient und erarbeitet. Uns hat vor der Runde mit Sicherheit keiner zugetraut, dass wir ins Finale einziehen. Die Vorfreude ist groß, nicht nur innerhalb der Mannschaft, sondern auch im Umfeld. Jeder ist heiß auf das Spiel.

BT: Die DJK ist in der Verbandsliga so gut wie abgestiegen, der SVO kann dagegen für eine weitere Saison in der Oberliga planen. Klingt nach einem Pflichterfolg ...
Fritz: Das ist das Gefährliche. Auf dem Blatt Papier wird man uns die Favoritenrolle zuschreiben, weil wir eine Liga höher spielen. Und genau das ist die Gefahr, der wir uns aber bewusst sind. Keiner wird Donaueschingen unterschätzen. Wir werden dem Gegner mit Respekt gegenübertreten. Es wird ein ziemlich schwieriges Spiel, Donaueschingen ist nicht durch Zufall ins Finale eingezogen. Die werden alles dafür tun, das Endspiel zu gewinnen. Genau wie wir.

BT: Die DJK geht als Underdog ins Spiel und wird wohl Beton anrühren. Es könnte ein Geduldsspiel werden ...
Fritz: Einen kühlen Kopf zu bewahren und geduldig zu spielen wird das Wichtigste sein. Wir müssen einfach unser Ding durchziehen. Im Halbfinale gegen den Verbandsligisten FC Radolfzell hat ein ähnlicher Gegner auf uns gewartet, da hat es super funktioniert. Ich hoffe, dass es im Finale genauso sein wird.

BT: Sie fehlten zuletzt mehrere Wochen verletzt. Am vergangenen Samstag feierten sie bei der 2:4-Heimniederlage gegen Nöttingen Ihr Comeback samt Tor. Steht einem Einsatz im SBFV-Endspiel also nichts mehr im Weg?
Fritz: Meine Bänderdehnung im Sprunggelenk habe ich schon noch etwas gemerkt, deshalb wurde ich auch nach einer Stunde ausgewechselt. Aber klar, so ein Finale will man sich nicht entgehen lassen. Da denkt man auch kleinere Schmerzen weg und beißt auf die Zähne.

„Er hat ein gutes Näschen bewiesen“

BT: Vor der Saison galt der SVO als Abstiegskandidat Nummer eins. Nun fehlt nur noch ein Punkt zum Klassenerhalt, außerdem winkt der Pokalsieg. Hört sich ganz nach einer Traumsaison an ...
Fritz: Absolut. Vor der Runde haben es uns die wenigsten Fußballexperten zugetraut, die Liga zu halten. Daher ist es umso schöner, es denen zu zeigen. Es ist Wahnsinn, was wir für eine Saison spielen. Die Bereitschaft von jedem einzelnen ist bemerkenswert. Wir haben einen dünnen Kader, aber fällt der eine oder andere aus, rücken andere nach und hauen sich rein. Wir sind ein richtiges Team, in dem jeder für jeden kämpft. Jetzt wollen wir es bis zum Schluss durchziehen, um es auch denjenigen zu zeigen, die vor der Saison keinen Cent auf uns gesetzt haben.

BT: Auch für Sie persönlich lief die Saison – abgesehen von der kleinen Verletzungspause – ziemlich erfolgreich. Führungsspieler, Stabilisator in der Abwehr und äußerst torgefährlich (neun Saisontreffer). Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Fritz: Am Anfang der Saison wurde ich von der Innen- auf die Rechtsverteidigerposition rausgezogen. Dadurch habe ich viel mehr offensive Möglichkeiten und bin bei gefährlichen Situationen öfter im Strafraum. Diese Saison ist es mir auch einfach reingelaufen. Im Endeffekt ist es aber egal, wer die Tore schießt. Dass es bei mir persönlich so gut läuft, ist schön. Umso mehr aber freut es mich, dass ich meinen Beitrag dazu leisten kann, dass wir am Saisonende über dem Strich stehen.

BT: Wie würden Sie ihren Spielstil beschreiben?
Fritz: Früher war ich immer in der Offensive zu finden, auch beim KSC in der Jugend. Von Saison zu Saison ging es dann aber immer weiter nach hinten, bis ich schließlich in der Innenverteidigung angekommen bin (lacht). Die Außenverteidigerposition liegt mir echt, da hat der Trainer ein gutes Näschen bewiesen.

BT: Eng verbunden ist die starke SVO-Saison auch mit Cheftrainer Fabian Himmel. Was zeichnet Ihn aus?
Fritz: Er ist ein überragender Trainer, was er für ein Fachwissen hat und wie er uns die taktischen Sachen beibringt, ist einmalig. Die fußballerische Idee, die er hat, vertreten wir auf dem Platz zu 100 Prozent. Vor allem passt es aber auf der zwischenmenschlichen Ebene. Wenn man Probleme hat, kann man immer zu ihm kommen. Er hat ein unheimlich gutes Gespür für die Spieler. Ihm ist der Erfolg zuzuschreiben.

Lieber FC Bayern statt KSC

BT: Herr Fritz, welcher ist eigentlich ihr Lieblingsverein in der Bundesliga?
Fritz (lacht): Der Karlsruher SC, aber der spielt ja in der zweiten Liga. Wieso?

BT: Wäre der KSC also Ihr Traumlos für die erste Runde im DFB-Pokal?
Fritz: Na dann doch eher einer der Großen, also der FC Bayern, BVB oder RB Leipzig. Aber damit beschäftige ich mich überhaupt nicht. Was zählt, sind die 90 harten Minuten gegen Donaueschingen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
21. Mai 2022, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 14sec

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