SV Waldprechtsweier stellt keine Mannschaft

Malsch (rap) – Trotz aller Bemühungen wird der SV Waldprechtsweier auch in der Saison 2021/22 nicht am Spielbetrieb in der Fußball-Kreisliga B teilnehmen: 16 Spieler im Kader waren schlicht zu wenig.

Bleibt auch in der kommenden Runde verwaist: Der Tennenplatz des SV Waldprechtsweier. Foto: Ralf Schmellick/Archiv

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Bleibt auch in der kommenden Runde verwaist: Der Tennenplatz des SV Waldprechtsweier. Foto: Ralf Schmellick/Archiv

Es war ein Wettlauf gegen die Zeit. Bis Mitte Juni. Dann aber ertönte der imaginäre Schlusspfiff – mit einem bitteren Ausgang für den SV Waldprechtsweier. Trotz größter Bemühungen, trotz Aufrufen in den sozialen Medien, trotz etlicher Spielergespräche steht nun fest: Der SV Waldprechtsweier wird auch in der Saison 2021/22 keine Männermannschaft für den Spielbetrieb in der Fußball-Kreisliga B stellen.

„Wir haben alles versucht, aber am Ende war es einfach zu unsicher, dass wir mit dem vorhandenen Spielerpersonal eine komplette Saison durchziehen können“, sagt Alexander Axtmann. Der vorläufige Kader hätte 16 Spieler umfasst, berichtet der SVW-Schriftführer, der zusammen mit anderen Vereinsverantwortlichen händeringend versuchte, wieder eine Mannschaft für den Spielbetrieb auf die Beine zu stellen. Letztlich vergebens.

Die magische Marke, die sich der Verein zum Ziel setzte, lautete 22. „Darunter macht es keinen Sinn. Man muss Verletzungen einplanen, Urlauber und Arbeiter. Unter den 16 Akteuren waren zudem viele Fragezeichen, auch einige ältere Spieler, die nicht jedes Wochenende zur Verfügung gestanden hätten. Außerdem auch ein paar Schichtarbeiter“, sagt Axtmann. Denn, so der Schriftführer weiter, es sei von vornerein klar kommuniziert gewesen: „Wir stellen nur eine Mannschaft, wenn wir in der B-Klasse auch wettbewerbsfähig sein können.“

Aufruf in den sozialen Medien ohne Erfolg

Und daran haperte es bereits in den vergangenen Spielzeiten, in der Runde 2019/20, die später vom Südbadischen Fußballverband vorzeitig beendet wurde, belegte der SVW in der B 5 den neunten und letzten Platz: Sechs Spiele, ein Punkt, 8:18 Tore lautete die ausbaufähige Bilanz – bis im März 2020 das Coronavirus dazwischen grätschte, alte SVW-Haudegen in der Fußball-Zwangspause ihre Laufbahn beendeten und einige Youngster bei anderen Clubs neue Herausforderungen suchten. Dadurch sah sich der Verein gezwungen, für die Saison 2020/21, die letztlich aufgrund der Pandemie annulliert wurde, die Mannschaft aus der B-Klasse abzumelden.

Anfang des Jahres keimte bei Axtmann und Co. die zarte Hoffnung auf, wieder in den Spielbetrieb zurückzukehren. Und zwar auf Initiative der eigenen jungen Spieler hin. Erste Gespräche mit potenziellen Verstärkungen wurden geführt, erste Zusagen trudelten tatsächlich ein. Anfang April hatte Axtmann, der bei dem Unterfangen vor allem vom zweiten Vorsitzenden Niklas Zygan unterstützt wurde, bereits zwölf Spieler samt Trainer erfolgreich akquiriert, wie er damals gegenüber dem Badischen Tagblatt verriet. Doch weitere Kicker mussten natürlich her, also entschloss sich der Verein, einen Aufruf in den sozialen Medien zu starten – letztlich ohne Erfolg, wie Axtmann berichtet: „Darauf hat sich keiner gemeldet.“

Verein bietet wöchentliches Training an

Doch der SVW wollte den Kopf noch nicht in den eigenen Tennenplatz stecken, setzte alle Hebel in Bewegung. „Wir haben auch den Austausch mit dem Malscher Flüchtlingsheim gesucht“, sagt der Schriftführer. Aber auch da blieb dem Traditionsverein, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag begeht, Verstärkung verwehrt. „Da war der Tenor eher, dass sie Fitnesssport machen wollen“, sagt Axtmann.

Also musste eine Entscheidung her: Mit einem auf Kante genähten Kader in die Saison starten oder doch – schweren Herzens – die Rückkehr in den Spielbetrieb weiter verschieben? Die SVW-Verantwortlichen entschieden sich für Letzteres, wohl wissend, dass, je länger sich die Pause hinzieht, eine Wiederaufnahme immer unwahrscheinlicher wird. Beispiele gibt es genug in der Region – den FC Illingen, SV Selbach oder Croatia Gaggenau.

„Einfacher wird es natürlich nicht“, sagt Axtmann, „aber wir bleiben am Ball, halten die Augen und Ohren offen. Vielleicht klappt es dann für die Saison 2022/23.“ Untätig ist man bis dahin auf dem alten Aschenplatz in Waldprechtsweier aber nicht. „Wir bieten einmal in der Woche Training an, am Donnerstag waren 16 Spieler da“, erklärt Axtmann. „Das Ziel muss sein, weiter Leben im Verein zu haben.“ Nur so lässt sich die Chance, in absehbarer Zeit wieder eine Mannschaft für die B-Klasse zu stellen, am Leben erhalten.

Bis dahin werden sich 16 tapfere Waldprechtsweierer weiter wöchentlich treffen, die Kickschuhe schnüren und lockere Einheiten absolvieren. Denn das Bierchen schmeckt nicht nur nach einem Kreisligakick mit packenden Zweikämpfen, sondern natürlich auch nach 90 Minuten Training.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
28. Juni 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
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