SWR-Fernsehen verstärkt im Netz

Baden-Baden/Stuttgart (sr) – Junge Leute holen sich ihre Informationen jederzeit aus den verschiedensten Kanälen: Dementsprechend ändern sich die Programmstrukturen auch beim Südwestrundfunk.

Sophie Scholl als interaktive Frau in heutiger  Zeit: Eine Instagram-Serie will  die Widerstandskämpferin einer jungen Zielgruppe näher bringen. Foto: Edith Carrons/SWR

© SWR/Edith Carrons

Sophie Scholl als interaktive Frau in heutiger Zeit: Eine Instagram-Serie will die Widerstandskämpferin einer jungen Zielgruppe näher bringen. Foto: Edith Carrons/SWR

Das klassische Fernsehen ist nur noch für die Ü-40-Generation relevant, die anderen suchen sich ihre Informations- und Unterhaltungsprogramme im Netz. Das ist die Haupterkenntnis aus der Jahrespressekonferenz des SWR, die am Freitag stattfand – natürlich digital. Neue Formate, neue Ausspielungswege, dazu junge, netzerfahrene Moderatoren – Intendant Kai Gniffke und die Programmdirektoren stellen vor allem Pläne für innovative Plattformen vor. Die Corona-Krise hat auch dem Sender einen enormen Digitalisierungsschub verpasst, wie Gniffke sagte.

Er sieht den SWR als Innovationstreiber, hat der Erneuerung ein eigenes Entwicklungslabor zugeordnet und hält das Tempo in diesen Fragen hoch. Das X-Lab unterstützt Redaktionen bei neuen Formaten, die über bekannte Plattformen wie Youtube oder Instagram ausgespielt werden.

Zu den zukunftsgängigen Formaten zählt die Dokureihe „Friederike klopft an“ mit der aus dem Münsteraner „Tatort“ bekannten Schauspielerin Friederike Kempter. Sie stammt aus Stuttgart und will in dieser Reihe besondere Frauen vorstellen, die in ihrer Heimatregion geblieben sind und sich dort etwas aufgebaut haben. Die einzelnen Folgen kann man sich aus der Mediathek holen oder auf Instagram anschauen.

Migration und Klimaschutz rücken in den Fokus

Die Reportagereihe „Naber? Was geht!“ rückt Frauen mit türkischen oder kurdischen Wurzeln in den Mittelpunkt und kann auf Youtube verfolgt werden. Ausschließlich für Instagram wird eine Serie über die Widerstandskämpferin Sophie Scholl produziert, deren 100. Geburtstag im Mai ansteht. Dabei will man, wie Clemens Bratzler (Hauptabteilung Multimediale Aktualität) erläuterte, neue Wege gehen: In „Ich bin Sophie Scholl“ wird die junge Frau in die Neuzeit gebeamt und organisiert den Widerstand über einen eigenen Kanal. Das Projekt lässt die Nutzer ihres Instagram-Kanals an ihrem Alltag im Kriegsjahr 1942 teilhaben. Basis sind die Briefe und Aufzeichnungen, die Sophie Scholl von Ende 1937 bis zu ihrer Hinrichtung schrieb und die einen intimen Einblick in ihr Leben gewähren. Man hoffe, so Bratzler, Sophie Scholl und den NS-Widerstand der jungen Generation so näherzubringen.

Multimediales Thema: „Besser radfahren“

Auf allen Kanälen inklusive SWR-Fernsehen und Hörfunk soll die Aktion „Besser radfahren“ ausgespielt werden, die die Radfahrer im Ländle zum Mitmachen auffordert: Überall da, wo der Radweg plötzlich aufhört oder wo Kreuzungen Gefahren bergen, wollen Reporter und Radler die Probleme gemeinsam lösen.

„Sich wiederfinden“ im SWR-Programm, das ist eines der Zauberworte, mit denen man junge Zuhörer und Zuschauer neu gewinnen und die älteren weiter an sich binden will. Dazu werden verstärkt Themen wir Migration, kulturelle Vielfalt und Umweltfragen behandelt.

Für das Erste produziert der SWR die Serie „Little America“, die das Lebensgefühl und den „Cultur Clash“ Anfang der 1950er Jahre in einem Pfälzer Dorf einfängt, in dem US-amerikanische Soldaten den Alltag verändern.

Spannendes aus der Wissenschaft

Einen Schwerpunkt im SWR-Programm nimmt der Bereich Wissen ein. Schon jetzt habe man während der Schulschließungen die Familien mit Bildungsfernsehen nach Möglichkeit unterstützt, so Intendant Gniffke. Künftig setzt man auf den Physik-Doktoranden, „Sciencefluencer“ und Youtuber Jacob Beautemps, der auf einer „Wissensreise“ für Youtube und die ARD-Mediathek spannende Themen aus der Wissenschaft aufbereiten will.

Zum Radioprogramm von SWR2 äußerten sich Gniffke und die Programmverantwortlichen durchweg positiv: Das Programm sei zwar teuer, zuletzt aber auch in seiner Akzeptanz deutlich gestiegen. Was daran gemessen wird, dass SWR2 jetzt auch digital verstärkt abgerufen würde. Einsparungen, wie sie zuletzt beim WDR-Literaturprogramm für Aufregung sorgten, sind in diesem Bereich demnach nicht geplant, Veränderungen „im Sinne von Optimierungen“ aber gleichwohl.

„In dieser Zeit, wo Kultur unter die Räder zu kommen droht, wären wir doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir da sparen wollten“, so Kai Gniffke.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sabine Rahner

Zum Artikel

Erstellt:
5. Februar 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.