SWR dreht beim FV Plittersdorf

Rastatt (kb) – Breitensport in der Pandemie: Am Beispiel des FV Plittersdorf beleuchtet die SWR-Sportredaktion das Thema in einem Fernsehbeitrag.

Training mit Engagement: Sabine und Tobias Groß; vor dem Tor dreht ein SWR-Team.Foto: Kerstin Bausch

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Training mit Engagement: Sabine und Tobias Groß; vor dem Tor dreht ein SWR-Team.Foto: Kerstin Bausch

Endlich kehrt wieder etwas Alltag ein bei den Sportvereinen. Vorfreude auch beim Fußballverein Plittersdorf: Nach rund zehnmonatiger Zwangspause wegen Corona beginnt im Oktober endlich wieder eine neue Runde. Und wie ist es „der Jugend“ so ergangen in der Pandemie?
Eine Frage, die auch ein Team der SWR-Sportredaktion beschäftigte, das sich beim FVP angemeldet hat, um Spieler und Spielerinnen, Trainer und Macher sowie Eltern zu befragen.

Erstmal die 3G überprüfen

Sabine Groß, Trainerin und Schriftführerin im Vorstand der Jugend, empfängt die Kommenden gleich am Parkplatz, um 3G und Kontaktdaten zu prüfen: „Normalerweise machen das die Trainer hier jetzt alles noch mit.“ Breitensport in der Pandemie. Dienstags kämen schon immer fast alle Mannschaften zusammen: G, E, D und C, nur die F fehle.

Erster Ansprechpartner ist Tobias Groß, seit 2016 Jugendleiter beim Kreisligisten FV Plittersdorf. Der lobt erst mal „sein“ Trainerteam, das auch in dieser schwierigen Zeit mit ihm am Ball blieb. Rund 20 Betreuer leiten die gut 100 Jugendlichen von vier bis 14 Jahren in fünf Gruppen an, mit Spielen, Übungen, Ausdauer- und Techniktraining, Motivation, Tore schießen...

Regelmäßig und zuverlässig, zweimal die Woche seien sie am Start – plus Spiele abends oder an den Wochenenden. Corona brachte auch ihnen zusätzliche Bürokratie und neue Vorgaben. „Trotzdem war es toll, wieder zu starten!“, versichert seine Frau Sabine und erinnert sich an den unbändigen Bewegungsdrang: „Wir mussten die Kinder anfangs erst mal eine halbe Stunde rennen lassen.“ Seit vielen Jahren dabei, trainiert sie aktuell die F-Jugend. Rundherum strahlende Gesichter. Bei 19 Grad und Sonne, trainieren die Fußball-Kids an diesem Tag auch das erste Mal wieder im Binsenfeld, nachdem die Anlage ab Februar dieses Jahres für Wochen großflächig überflutet gewesen war und erst jetzt mühsam, maschinell, mit Schaufeln und Besen vollständig vom Schlamm befreit werden konnte. Und auch Christine Jung, die das Clubhaus betreibt, ist zurück – samt Kaltgetränken und Lyoner-Baguettes.

Schulkinder gelten als getestet

„Die neue Corona-Verordnung (vom 16. September, Anm. d. Red.) ist eine Erleichterung, weil wir nicht mehr vor jedem Training testen und kontrollieren müssen“, versichert Groß. Schulkinder gelten damit automatisch als getestet, dürfen spielen ohne Abstand und Maske. Davor musste jeder einen Nachweis vorlegen oder nachgetestet werden; aufwendig für Schulen und Verein. „Da mussten wir unsere Trainer schon auch abholen“, viel erklären, schulen. „Die zogen zum Glück mit“, als das Konzept stand. Groß erinnert sich an viele Stunden am Schreibtisch: „Das Ministerium, das Gesundheitsamt, der Fußballverband, alle schickten Infos.“ Manches blieb trotzdem unsicher, musste geklärt werden – oder war auch erst mal ganz verboten, wie etwa Spiel oder der Zweikampf. Trainiert wurde in Fünfer-Gruppen, fünf Spieler pro Betreuer ohne Austausch.

Dennis Cotten, der die Mädchen-C-Jugend betreut, die seit dem Neustart auf 18 Spielerinnen gewachsen ist, hat das noch vor Augen. Das Online-Training habe sich totgelaufen gehabt. Alle wollten raus, spielen, kämpfen. Per Zoom und Whatsapp habe man Kontakt gehalten. Stippvisiten, kleine Geschenke, aber auch Witziges wie die vier riesigen Bubble-Balls, die der Verein für künftige Events, aber auch zum Verleih angeschafft habe, hätten den Teamgeist bewahrt. „Trotzdem waren wir nicht sicher, ob auch alle wiederkommen“, räumt er ein. Die Sorge war unbegründet.

„Keine Kinder verloren“

Zum Beginn der neuen Runde lautet die Bilanz bei den „Mädchen“ nun: zwei raus, sechs rein; für Sabine Groß sinnbildlich für die ganze „Jugend“: „Wir haben über Corona eigentlich keine Kinder verloren“, lautet ihr Fazit, auch wenn ein paar gezögert hätten. Die Mädchenmannschaft aber hatte nach gelungenem Neustart dann sogar drei Wochen quasi durchtrainiert an jedem Wochentag – außer bei Starkregen. Weil sie es wollte. „Das war schon auch anstrengend“, erinnert sich die elfjährige Freya, die seit 2016 beim FVP spielt, an den Extra-Muskelkater. Doch alle hätten auch Lust gehabt, endlich wieder richtig Gas zu geben. „Es gab ja nichts außer Fußball“, fügt ihre Mutter hinzu. Selbst viele Schulen boten kaum noch Sportunterricht an. Tobias Groß, selbst Vater zweier Söhne, bestätigt dies. Fehle der Sport, seien die Kinder weniger ausgeglichen: „Wir hatten im Lockdown irgendwann daheim im Innenhof alle Blumen zusammengeschossen“, doch „das hier ist eben auch eine Gemeinschaft, hier zieht jeder auch noch andere mit.“

Und das sei weit mehr als nur „weg von der Straße“. Themen wie Teamfähigkeit, Disziplin, Fairplay spielten von Anfang an eine Rolle – mit Wirkung auf den Umgang, den Jugendliche miteinander pflegten, unterstreicht Tobias Groß noch einmal die Bedeutung des regionalen Mannschaftssports auch für die gesamte Gesellschaft.

Der SWR hat seinen Bericht dazu am 23. September ausgestrahlt. Er ist aktuell noch in der Mediathek zu finden.

www.swr.de/sport/media/

so-setzt-der-fv-plittersdorf-die-corona-regeln-durch-100.html

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Erstellt:
26. September 2021, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 25sec

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