SWR kündigt Kooperation mit Theater

Baden-Baden (BNN) – Die angekündigte Schließung der Werkstätten des SWR trifft die städtische Bühne in Baden-Baden hart. Auch die Zukunft des Fundus ist derzeit noch ungewiss.

Attraktives Bühnenbild: Das Theater hat für die Inszenierung von „Harold und Maude“ eine aufwändig gefertigte Kulisse produzieren lassen. Bislang übernehmen die Werkstätten des SWR den Deko-Bau.  Foto: Jochen Klenk

Attraktives Bühnenbild: Das Theater hat für die Inszenierung von „Harold und Maude“ eine aufwändig gefertigte Kulisse produzieren lassen. Bislang übernehmen die Werkstätten des SWR den Deko-Bau. Foto: Jochen Klenk

Wie es künftig mit dem Kulissenbau für das Theater Baden-Baden weitergehen wird, ist derzeit noch unklar. Grund ist die Ankündigung des Südwestrundfunks (SWR), alle Werkstätten, darunter auch den Deko-Bau, ab Mitte 2023 zu schließen. Die städtische Bühne am Goetheplatz arbeitet seit rund 30 Jahren mit dem SWR zusammen, in dessen Werkstätten die Bühnenbilder für die Theater-Produktionen entstehen.

„Für uns ist das eine einschneidende Veränderung“, betont Nicola May. Nach Auskunft der Theater-Intendantin geht die Kooperation mit dem Sender auf einen Vertrag aus den 1990er-Jahren zurück. Beide Seiten hatten die Zusammenarbeit vereinbart, als das Theater seine eigenen Werkstätten auf dem Gelände des heutigen Hotels Maison Messner abgewickelt hatte. „Es hat danach einige Jahre gedauert, bis das alles eingespielt war“, berichtet May auf Nachfrage unserer Redaktion. „Seither hat im Grunde alles sehr gut funktioniert.“

Die Intendantin bedauert, dass der SWR den Kooperationsvertrag gekündigt hat. „Juristisch ist das alles wasserdicht“, bekräftigt sie. Allerdings habe das Theater damals seine eigenen Werkstätten geschlossen, weil der SWR zugesagt habe, die Arbeiten zu übernehmen.

Es wird auf jeden Fall teurer als bisher

Für May sind die Vorteile dieser Zusammenarbeit offenkundig: Das Theater bekommt alles aus einer Hand. Das sei wichtig, weil die Bühne oft spezielle Anfertigungen und eben keine Normteile benötige. Ihr Haus müsse künftig wahrscheinlich verschiedene externe Handwerksbetriebe beauftragen, was mit einem enormen Aufwand verbunden sei, um die Einzelteile dann zusammenzusetzen.

Ein weiteres Problem: Das Theater hat einen wechselnden Betrieb mit mehreren unterschiedlichen Produktionen pro Jahr, was häufig ein schnelles Reagieren erfordere. May bezweifelt, ob das mit einer externen Auftragsvergabe klappen wird. Die Bühne werde sich jetzt auf die Suche nach einem Dienstleister machen, der möglichst alles aus einer Hand bietet. „Doch wo ist dieser jemand?“, fragt die Intendantin. Egal, welche Lösung greift, eines steht für die Intendantin schon jetzt fest: Die Anfertigung der Bühnenbilder durch private Unternehmen werde auf jeden Fall teurer als bisher.

Neben den Werkstätten treibt May ein weiteres Problem um: Der SWR wird im Zuge der geplanten Umstrukturierung seinen Fundus für Kostüme und Requisiten in das Lager in der Saarstraße integrieren und voraussichtlich in externe Hände abgeben. „Das trifft uns sehr, weil das Theater gar keinen eigenen Fundus mehr hat“, erläutert May. „Der ist damals im Fundus des SWR aufgegangen.“ Für die städtische Bühne sei das praktisch gewesen, weil sie etwa keine eigenen Möbel vorhalten musste. „Im Übrigen hätten wir dafür gar nicht die Lagerflächen“, erklärt die Intendantin.

„Das macht mir schon Sorgen“

In der vor einigen Jahren bezogenen neuen Probebühne in der Güterbahnhofstraße gebe es dafür keine Kapazität. Dort sei lediglich Platz für einen kleinen Kostüm-Fundus der Theater-Schneiderei. Die Situation verschärfe sich zusätzlich, weil das Theater das Gebäude im Heitzenacker, das als kleines Lager diene, räumen müsse. Die Stadt habe für diese Immobilie andere Pläne.

Wenn der SWR-Fundus an ein privates Unternehmen gehe, das kommerziell arbeitet, werde die Nutzung künftig voraussichtlich mehr Geld kosten. „Das macht mir schon Sorgen“, gesteht die Intendantin, die auf Unterstützung durch die Stadt hofft. „Wir haben jetzt eineinhalb Jahre Zeit, eine Lösung zu finden“, erklärt May und fügt hinzu: „Das ist nicht lang.“

Neben dem Theater sind auch freie Filmschaffende von den SWR-Plänen für den Fundus betroffen. „Für uns ist das ein Riesen-Desaster“, sagt Christoph Holthof von der Firma Kurhaus Productions. „Der Fundus ist groß und einmalig in Baden-Württemberg.“ Sein Unternehmen müsse die für die Filme benötigten Requisiten auf anderem Weg beschaffen.

Das sei bereits bei der jüngsten Produktion „Mein Vogel“ ein erheblicher zusätzlicher Aufwand gewesen. Das Team habe durch ganz Deutschland fahren müssen, um die Requisiten für die Dreharbeiten zu organisieren. Das sei personell fast nicht zu stemmen und zudem in ökologischer Hinsicht kaum zu verantworten. Der Film-Produzent hofft, dass der Fundus zumindest erhalten bleibt, auch wenn er in private Hände gehen sollte.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Michael Rudolphi

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Erstellt:
18. Dezember 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 12sec

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