SWR will seine Werkstätten 2023 schließen

Stuttgart/Baden-Baden (BNN) – Der Südwestrundfunk (SWR) fährt künftig Sparkurs: Der Sender will ab Mitte 2023 eine seiner „Tatort“-Reihen fremdvergeben und alle seine Werkstätten schließen.

Sparmaßnahmen: Der SWR will eine seiner „Tatort“-Reihen fremdvergeben und alle seine Werkstätten schließen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Sparmaßnahmen: Der SWR will eine seiner „Tatort“-Reihen fremdvergeben und alle seine Werkstätten schließen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Pläne gab der Sender bei der Rundfunkratssitzung am Freitag bekannt. So will das Unternehmen 100 Stellen im Bereich Produktion und Technik einsparen. Im Gegenzug hat der SWR 100 neue Stellen geschaffen, um die digitalen Angebote auszubauen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es laut SWR nicht geben. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert die Sparmaßnahmen. Auch innerhalb der Belegschaft sorgen die Pläne für Verunsicherung.

„Tatort“ soll abspecken

Ab Mitte 2023 will der SWR die Produktion einer der drei „Tatort“-Reihen auslagern. Das bedeutet zwei von sechs Produktionen pro Jahr. Der SWR ist verantwortlich für die Krimi-Reihen in Ludwigshafen, Stuttgart und den Schwarzwald-Tatort. Welcher Tatort abgegeben werden soll, sei noch nicht entschieden.

Sparen will der SWR auch am Aufwand der Krimi-Reihen, die er weiter in Eigenregie produziert. Zum Beispiel sollen weniger aufwendige Requisiten und Dekorationen zum Einsatz kommen. Außerdem will der Sender alle seine Werkstätten ab Mitte 2023 schließen. Dazu gehört zum Beispiel die Werkstatt der Fernsehserie „Die Fallers“ in Baden-Baden. Seinen Fundus an Kostümen und Requisiten will er anschließend in externe Hände geben. Dabei will der SWR auch Kooperationsverträge mit externen Partnern wie dem Theater Baden-Baden kündigen. Wann genau das passiert, ist laut SWR-Sprecherin Hannah Basten noch unklar.

LED-Flächen statt feste Kulissen

Der SWR will außerdem Multifunktions-Fernsehstudios, so genannte Main Stages mit LED-Flächen statt fester Kulissen, aufbauen. In Stuttgart und Mainz gibt es bereits solche Studios. Auch in Baden-Baden könnte eine solche Main Stage entstehen, sagt Basten. Produktionen, die bisher in externen Spielstätten produziert wurden, will der Sender so wieder eingliedern, um Miete zu sparen. Zum Beispiel soll das Nachtcafé in Stuttgart künftig auf dem SWR-Gelände produziert werden. Außerdem will der Sender seine Studiofläche reduzieren.

Kritik am Vorgehen des Senders

„Die Schließung aller Werkstätten und die Fremdvergabe von Tatort-Produktionen ist ein schlechter Einstieg in den Ausbau digitaler Programmangebote“, sagt der Leiter des Verdi-Landesfachbereichs Medien und Kunst, Siegfried Heim.

Außerdem bemängelt er, dass die Belegschaft von der Entscheidung der SWR-Leitung in einer nur 90 Minuten dauernden Videokonferenz am vorigen Mittwoch informiert wurde. Wenige Wochen zuvor habe das Thema auf den jährlichen Personalversammlungen keine Rolle gespielt.

Er kritisiert weiter, dass der SWR die konkreten Maßnahmen zum Stellenumbau deutlich zu spät angekündigt habe. Der Sender habe bereits 2020 verkündet, Stellen abbauen zu wollen, um im Gegenzug neue Stellen für die digitalen Angebote zu schaffen, sagt Heim.

Der SWR wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Es ist nicht so, dass wochenlang ein fertiges Konzept in der Schublade lag“, sagt SWR-Sprecherin Basten auf Anfrage. Vorige Woche Montag und Dienstag habe die Geschäftsleitung die Beschlüsse zu den Sparmaßnahmen gefasst. Am Mittwoch habe der Sender die Belegschaft per Videoschalte informiert. Einen Tag später habe man die Pläne im Intranet des Unternehmens veröffentlicht.

„Es wird niemand entlassen“

Sorgen um seinen Arbeitsplatz muss sich laut Basten niemand machen. „Es wird niemand entlassen.“ Es handele sich nicht um einen Stellenabbau, sondern -umbau. Das betroffene Personal soll entweder in den Ruhestand gehen oder umgeschult werden und in anderen Bereichen des Unternehmens zum Einsatz kommen.

„Uns fehlen viele Informationen“

„Die Leute sind zutiefst verunsichert“, sagt Melanie Wolber, Vorsitzende des Gesamtpersonalrats. Welche Konsequenzen haben die Sparmaßnahmen für das Personal? Wo sollen die betroffenen Mitarbeiter genau unterkommen? „Uns fehlen viele Informationen“, kritisiert Wolber. Sie hält die Pläne für nicht ausreichend durchdacht. Auch die zeitliche Planung sieht Wolber kritisch: Dass der Sender die Veränderungen wie geplant bis Mitte 2023 umsetze, sei „sehr unwahrscheinlich“.

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Ihr Autor

BNN-Volontärin Marie Orphal

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Erstellt:
13. Dezember 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 59sec

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