Sabotage und Missbrauch des Unterrichts

Rastatt (ema) – Für Missbrauch und Sabotage des Homeschoolings hat sich schon der Begriff „Unterrichts-Crushing“ gebildet. In den Schulen findet man das gar nicht lustig.

Fernunterricht von zu Hause: Wer da Missbrauch betreibt, kann juristischen Ärger bekommen. Foto: dpa

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Fernunterricht von zu Hause: Wer da Missbrauch betreibt, kann juristischen Ärger bekommen. Foto: dpa

Die meisten Schulen stellen sich immer besser auf den Fernunterricht ein. Da tauchen Widrigkeiten auf, die mit der Technik und dem Willen der Lehrkräfte zum Homeschooling gar nichts zu tun haben. „Unterrichts-Crushing“ ist mittlerweile eine illegale Kehrseite der neuen Schulwelt.
Der Leiter des staatlichen Schulamts Rastatt, Wolfgang Held, wertet die Entwicklung durchaus als „Problem“. Und auch das Polizeipräsidium Offenburg hat in Einzelfällen schon ermittelt.

Hinter dem „Crushing“ (Deutsch: Zerschmettern) verbirgt sich eine Mischung aus Sabotage und Missbrauch des Unterrichts. Zwei Fälle, mit denen sich das für Mittelbaden zuständige Polizeipräsidium Offenburg befasst hat: Im Januar wurden die Beamten auf eine Bildschirmkopie (Screenshot) des Online-Unterrichts auf Instagram aufmerksam. Und Anfang Februar hatte sich ein Unbekannter wiederholt in den Online-Unterricht einer neunten Klasse eingeloggt und diesen durch Geräusche gestört. In beiden Fällen haben die Schulen zunächst von einer strafrechtlichen Verfolgung abgesehen.

Nichtöffentliche Angelegenheit

Schulamtsleiter Held sind einige Beschwerden von Lehrkräften über den Missbrauch bekannt. Er betont, dass Schulunterricht eine „nicht öffentliche Angelegenheit“ ist. Schon in normalen Präsenzzeiten dürften lediglich Schulleitung oder Aufsichtspersonal ins Klassenzimmer „marschieren“. Beim Online-Unterricht dürfen somit nicht mal Eltern den Unterricht mitverfolgen.

Held weiß, dass man in Einzelfällen ein Auge zudrückt – gerade in der Grundschule. „Da kann die Anwesenheit der Mutter schon mal hilfreich sein.“

Fälle wie jener, als eine Videoaufnahme vom Unterricht mit Kommentaren über die Lehrkraft auf Youtube veröffentlicht wurde, müssen die Pädagogen nicht hinnehmen. Die Lehrer seien zum Fernunterricht nicht verpflichtet, wenn derartiger Missbrauch betrieben werde, so Held. Bei Verstößen drohen nicht nur Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen nach dem Schulgesetz. Held spricht gar von einer Straftat.

Die Polizei sieht die Verstöße von Fall zu Fall unterschiedlich. Werden etwa Teile des Unterrichts auf sozialen Medien unerlaubterweise verbreitet, kann dies eine Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes oder ein Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz (Recht am eigenen Bild) sein. Dann kann es natürlich im Online-Unterricht auch zur Erfüllung diverser anderer Straftatbestände wie beispielsweise Beleidigungen kommen – auch durch unbefugte Dritte.

So ist es an einer Rastatter Schule passiert, als ein Unbekannter den Zugangscode erhalten hatte und den Unterricht mit sexistischen Bemerkungen sabotierte.

Soweit die Verantwortlichen aus den Reihen der eigenen Schüler kommen, haben die Schulen durch den Paragrafen 90 Schulgesetz selbst die Möglichkeit der Maßregelung, weshalb eine strafrechtliche Verfolgung oft nicht eingeleitet wird.

Bei Störungen durch Dritte sind laut Polizei die Schulen angehalten, ihren Online-Unterricht selbstständig so gut wie möglich zu sichern und beispielsweise auch mithilfe der Eltern eine Weitergabe von Zugangsdaten zu verhindern. So hat man auch im Fall der Rastatter Schule reagiert. Denn so wie im richtigen Leben kann man ein Online-Klassenzimmer auch digital abschließen.

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Erstellt:
26. März 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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