Sängervereinigung beschließt Auflösung

Gernsbach (vgk) – Die Sängervereinigung Freundschaft Scheuern hat nach 132 Jahren Geschichte ihre Auflösung beschlossen. Viel Wehmut herrschte bei der letzten Jahreshauptversammlung.

Zum letzten Mal ehrt der Gesangverein Scheuern verdiente Mitglieder: (von links) Norbert Geißer (60 Jahre), Uwe Fieg (50 Jahre), Armin Böck (50 Jahre) und Bernhard Teichert (40 Jahre). Foto: Gareus-Kugel

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Zum letzten Mal ehrt der Gesangverein Scheuern verdiente Mitglieder: (von links) Norbert Geißer (60 Jahre), Uwe Fieg (50 Jahre), Armin Böck (50 Jahre) und Bernhard Teichert (40 Jahre). Foto: Gareus-Kugel

Eine große Anzahl an Mitgliedern hatte sich am Freitagabend in der Aula der Grundschule Scheuern versammelt, um die Auflösung der Sängervereinigung Freundschaft Scheuern als eingetragenen Verein zu beschließen. Gleichwohl brauchte es zwei Anläufe, bis der Beschluss gefasst wurde. Die Meinungen der Mitglieder prallten stellenweise heftig aufeinander.

Der Vorsitzende Josef Kern begründete den Schritt der Auflösung mit der langen Zeit seines Vorsitzes und der weiterer Vorstandsmitglieder, gesundheitlichen Einschränkungen und Überalterung der Sänger sowie deren Anzahl von nur noch 13 Aktiven. Hinzu komme noch Covid-19. Das Virus erlaube aktuell keine Singstunden, so Kern. Der Vorsitzende betonte auch, dass die Mitglieder stolz auf den Verein sein können. Er sei derjenige, der von allen Gernsbacher Gesangvereinen am längsten durchgehalten habe.

Gleichwohl konnten sich nicht alle Versammelten mit dem Vorhaben abfinden und machten ihrer Enttäuschung darüber mit Nachdruck Luft, einen „funktionierenden“ Verein aufzulösen. Einer derjenigen fragte sich, warum man das Ganze nicht einfach laufen ließe. Dass man nicht mehr singfähig sei, sei einfach nicht wahr, so dessen Meinung. Auch Dirigent Konrad Samuelis sah keine echte Notwendigkeit für die Auflösung des Vereins. Kern betonte wiederholt, dass ihm der Schritt der Vereinsauflösung sehr schwerfalle. „Doch es kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden, wie es weitergeht.“ „Corona hat seine eigenen Spielregeln“, fügte Hans Habich, stellvertretender Vorsitzender, ergänzend hinzu. „Derweil laufen die Kosten weiter. Man müsse der Realität ins Auge sehen“, betonte Kassierer Bernhard Burgert. Im Kern ging es den Gesangvereinsmitgliedern um die Sängerkameradschaft und das gemeinsame Singen in trauter Runde. Dies wolle man auch niemandem verbieten. Es soll nur das Korsett eines eingetragenen Vereins abgestreift werden, war zu hören. „Singen ist das eine, die Struktur eines Vereins das andere“, führte Mitglied Erich Mahler aus. Von den 25 Anwesenden votierten anschließend 24 für die Vereinsauflösung, eine Person stimmte dagegen.

Einstimmig wählte die Versammlung Kassierer Burgert und den stellvertretenden Vorsitzenden Habich zu Vereinsliquidatoren. Mit der endgültigen Löschung des Gesangvereins aus dem Vereinsregister ist in einem Jahr zu rechnen. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung ließ Kern nochmals das abgelaufene Vereinsjahr Revue passieren. Die Einnahmen und Ausgaben legte Burgert offen. Außerdem standen zum letzten Mal Ehrungen auf der Tagesordnung.

Samuelis schwingt 44 Jahre den Taktstock

Für 40 Jahre Mitgliedschaft konnte der Vorsitzende Bernhard Teichert ehren. Auf insgesamt 50 Jahre passive und aktive Mitgliedschaft können Uwe Fieg und Armin Böck blicken. Seit 60 Jahren dem Gesang verpflichtet ist Norbert Geißer. Alle bekamen für ihre langjährige Vereinstreue die entsprechende Urkunde überreicht.

Erich Mahler dankte im Namen der Sänger Dirigent Konrad Samuelis. Dieser schwingt seit 44 Jahren den Taktstock bei den Scheuerner Sängern. Mit stehendem Applaus bedankte sich die Versammlung bei Samuelis für seine Arbeit. Danke für dessen jahrzehntelanges Engagement sagte dem Vorsitzenden Josef Kern Stellvertreter Hans Habich.

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Erstellt:
16. August 2020, 14:00 Uhr
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