Saisonabhängige Branchen besonders stark von Corona-Krise betroffen

Baden-Baden (mb) – Dass die meisten Geschäfte wegen der Corona-Pandemie derzeit geschlossen sein müssen, ist für alle betroffenen Einzelhändler eine „schlimme Situation“, sagt Franz Bernhard Wagener. Besonders dramatisch sei die Lage aber für jene, „die mit Mode zu tun haben und somit saisonabhängig sind“ – wie er selbst.

Menschenleere Fußgängerzone in Baden-Baden: Um die Innenstädte als Orte der Begegnung zu erhalten, sollten die Bürger den lokalen Einzelhandel unterstützen, sagt Franz Bernhard Wagener. Foto: Brenner

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Menschenleere Fußgängerzone in Baden-Baden: Um die Innenstädte als Orte der Begegnung zu erhalten, sollten die Bürger den lokalen Einzelhandel unterstützen, sagt Franz Bernhard Wagener. Foto: Brenner

Wagener betreibt in Baden-Baden das gleichnamige Modehaus sowie die Wagener Galerie, wo ebenfalls großflächig Textilien angeboten werden. Jeder Tag, an dem die Frühjahrsmode nicht verkauft werden könne, sei ein Verlust und nicht mehr aufzuholen, so Wagener, „weil uns die Zeit davonläuft“ – denn wenn die Geschäfte wieder öffnen dürfen, seien die Kunden vermutlich nicht mehr bereit, die Frühjahrskollektion zum regulären Preis zu kaufen. Deswegen bedeute die Zwangspause einen stetigen Verfall des Warenwerts. Andere Branchen hätten dieses Problem nicht: „Eine Rolex-Uhr ist im August genauso viel wert wie im März.“

Während die Markthalle in der Galerie weiter geöffnet ist und auch in der Verwaltung gearbeitet wird, sind 160 bis 170 der insgesamt rund 250 Mitarbeiter seit Anfang April in Kurzarbeit. Wagener stockt das Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent auf. Einige Mitarbeiter hätten so kaum oder keine finanziellen Verluste, weil etwa die Fahrtkosten wegfielen. Bis jetzt könne er die Situation „noch abfedern“ – wie lange, sei schwer einzuschätzen, zumal „laufend neue Ware ankommt“, etwa die Kollektionen für Sommer und Herbst. Obwohl die Rechnungen teilweise gestundet würden, „sind Kosten da“.

Verbraucher sind sparsamer geworden

Der intensive Einstieg in den Online-Handel war für Wagener keine Option, da es erst mal Geld koste, wenn man sich „in ein neues Abenteuer“ wagt. Außerdem habe der Konsum in der Corona-Krise insgesamt stark nachgelassen, was auch die großen Versandhändler wie Amazon oder Zalando deutlich zu spüren bekämen. Die Menschen seien allgemein sparsamer geworden, viele hätten Angst vor Kurzarbeit oder Jobverlust.

Wagener hofft, „dass wir spätestens Anfang Mai wieder schrittweise verkaufen dürfen“. Es werde aber auch dann einige Zeit dauern, bis sich die Situation normalisiert: „Ich gehe nicht davon aus, dass wir überrannt werden“, wenn die Geschäfte wieder offen sind. Das betreffe auch die Lebensmittelbranche, da die Menschen vermutlich von den Vorräten zehrten, die sie wegen der Krise angelegt hätten.

Appell: Örtlichen Einzelhandel unterstützen

Bei allen Problemen, die er durch die aktuellen Beschränkungen zu bewältigen hat, hegt der Baden-Badener Unternehmer keinen Groll auf die Politik, „die insgesamt sehr bedacht und richtig gehandelt hat“. Einzig den „Heckmeck zwischen den Ländern“ auf der Suche nach einheitlichen Regelungen habe er als albern und stellenweise auch peinlich empfunden.

Wagener appelliert an die Verbraucher, Lehren aus der Krise zu ziehen. Baden-Baden, Rastatt, Bühl oder Gaggenau wirkten derzeit wie Geisterstädte: „Jeder muss sich klar sein, dass das in Zukunft immer so sein könnte, wenn man nur noch online kauft.“ Wer seine Stadt als Ort der Begegnung erhalten wolle, müsse dafür sorgen, dass der lokale Handel überleben kann.

Es sei grundsätzlich nicht so, dass sich der Einzelhandel „dumm und dämlich“ verdiene. Nach der Zwangspause müssten die Händler nun aber in die Lage versetzt werden, Rücklagen zu bilden, um die Hilfskredite zu bedienen. Dabei sei nicht nur der Bund in der Pflicht, auch die Kommunen müssten helfen. Von der Stadt Baden-Baden wünscht sich Wagener finanzielle Entlastungen, etwa bei Gewerbesteuer oder Fremdenverkehrsabgabe, und auch einen weiteren verkaufsoffenen Sonntag sieht er als Möglichkeit, dem Einzelhandel unter die Arme zu greifen.

Franz Bernhard Wagener. Foto: Privat

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Franz Bernhard Wagener. Foto: Privat

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Erstellt:
13. April 2020, 22:20 Uhr
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