Salz und Wasser nagen am Beton

Rastatt (sl) – Die Schäden in der Tiefgarage der Badner Halle nehmen ein besorgniserregendes Ausmaß an. Jetzt empfiehlt ein Gutachten die Sanierung. Dafür sind weitere Untersuchungen nötig.

Nicht nur hässlich, sondern auch gefährlich: Ein Gutachten lässt sogar befürchten, dass die Korrosion zu plötzlichem Versagen von Bauteilen führen könnte. Foto: F. Vetter

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Nicht nur hässlich, sondern auch gefährlich: Ein Gutachten lässt sogar befürchten, dass die Korrosion zu plötzlichem Versagen von Bauteilen führen könnte. Foto: F. Vetter

Von parkenden Autos rinnendes Wasser in Kombination mit Streusalz, aber auch eine aus heutiger Sicht unzulängliche Bauausführung sind wohl der Grund für die deutlich sichtbaren Schäden an Wänden und Pfeilern in der Tiefgarage der Badner Halle in Rastatt.
Ein vom städtischen Eigenbetrieb für Kultur und Veranstaltungen beauftragter Gutachter empfiehlt jetzt die Instandsetzung. Was das kosten wird, konnte Bürgermeister Arne Pfirrmann in der Sitzung des Kulturausschusses am Donnerstagabend noch nicht abschätzen. „Es wird aber sicher nicht aus der Portokasse zu bezahlen sein“, warnte er vor.

Das mit der Prüfung beauftragte Architekturbüro Huxhold führt die sichtbaren Schäden auf mehrere Faktoren zurück: Die Betondeckung sei unzureichend, eine Abdichtung unter dem Gussasphaltbelag fehle, es gebe keine gezielte Wasserabführung, dafür aber eine hohe Chloridbelastung von Bohrproben, die Experten des KIT untersucht haben.

Stahl korrodiert im Verborgenen

Das Chlorid stamme von Tausalzen auf den Straßen. Einfahrende Autos transportieren es im Winter in die Garage, dort tropft es ab. Durch Risse im Asphalt gelangen Wasser und Salz in den Beton bis auf den Bewehrungsstahl. Im Verborgenen könne es zu einer Lochfraßkorrosion kommen, so das Architekturbüro, die unbemerkt zu einem plötzlichen Versagen der Bauteile führen könne. Ein „großes Problem“, wie es in der Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung heißt.

Die Chloridbelastung sei im Vergleich mit anderen Garagen außergewöhnlich hoch und beunruhigend. Aufgrund der zuletzt milden Winter müsste die Belastung eigentlich deutlich geringer sein.

Abdichtung ist ungenügend

Das Architekturbüro Huxhold hat weiter festgestellt, dass die Betonabdeckung über dem Bewehrungsstahl nur wenige Millimeter dick ist, sie müsse aber mindestens vier Zentimeter betragen. Ferner wurde unter der Gussasphaltschicht keine Bitumenabdeckung eingebaut. Auch am Übergang zu Wänden und Pfeilern sei die Abdichtung unzureichend. Beides sei die Hauptursache der Schäden. Da es ferner kein planmäßiges Gefälle der Oberfläche zur gezielten Wasserabführung gibt, könne stehendes Wasser über Risse leicht in den Asphalt eindringen.

Tiefgarage im Grundwasser

Als weniger problematisch bewertet das Gutachten, dass sich die Ende der 1980er Jahre gebaute Tiefgarage im Grundwasser befindet. Sie sei als sogenannte „weiße Wanne“ – als wasserundurchlässige Stahlbetonkonstruktion – ausgeführt worden. Die Badner Halle wurde 1990 als Rastatts Kultur- und Veranstaltungszentrum eingeweiht. Um das Ausmaß der erforderlichen Sanierung abzuschätzen, seien nun weitere Untersuchungen notwendig. Ein Büro für Tragwerksplanung wurde bereits damit beauftragt.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
17. April 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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