Samtiger Soul mit Retro-Charme

Baden-Baden (km) – Vergänglichkeit ohne Verbitterung: Katie Melua veröffentlicht „Album No. 8“.

Teilt mit „Album No. 8“ einen neuen Blick auf das Leben und die Liebe: Katie Melua. Foto: Bmg Rights Management/Warner

© picture alliance/dpa

Teilt mit „Album No. 8“ einen neuen Blick auf das Leben und die Liebe: Katie Melua. Foto: Bmg Rights Management/Warner

Niemals zuvor klang das Ende einer großen Liebe wohl sanfter, verträumter und friedvoller als in Katie Meluas „Album No. 8“. Kaum zu glauben, dass die 36-jährige Britin mit georgischen Wurzeln darin ihre langjährige, kürzlich zerbrochene Ehe mit dem Motorradrennfahrer James Toseland besingt.

Voller Neugier in die Zukunft

Vielmehr versprühen ihre Songs wie „A Love like that“ – in dem sie die zeitlose Frage stellt, wie ein Bauchkribbeln für immer bestehen bleiben könne – oder „Airtime“ – das sich dem Vorurteil widmet, man müsse immer bereuen, wenn etwas scheitere – Botschaften der Versöhnung und gleichzeitig eine große Neugier auf alles, was nun folgen wird.

Piano und Gitarre prägen die Folk-Pop- und Soul-Stücke, die zeitweise Retro klingen und stark an die 70er Jahre erinnern, aber stets durchbrochen werden von hauchzarten Streich-Arrangements.

Mit diesem Herbstalbum löst sich die Sängerin nicht nur privat von Gewohntem, auch musikalisch – und vor allem inhaltlich – zeigt sie sich deutlich gereift. Weg vom idealisierten Liebeskitsch à la „The closest Thing to crazy“ oder „Nine Million Bicycles“ hin zum Beschreiten neuer Pfade. In „Leaving the Mountain“ erinnert sie an eine Reise mit ihrem Vater in die kaukasischen Berge, die Melua offenbarte, dass besondere, gemeinsame Augenblicke wie ein Wimpernschlag vergehen – ohne Wiederkehr und ohne zu viel Wehmut. In „Heading Home“ nimmt die Londoner Künstlerin, die eigentlich Ketevan Melua heißt, ihre Hörer mit in die Straßen ihrer georgischen Heimat, in welchen sie ihre Kindheitstage verbrachte.

Ihre Entscheidung, jeden Song des Albums selbst zu verfassen – dafür belegte die Sängerin kurzerhand einen Kurs für Belletristik – hat sich ausgezahlt. Denn nur dadurch entstand jene Authentizität der Stücke, die, gepaart mit Meluas samtiger Stimme, den Raum erfüllt.

Wer ein schnell eingängiges Pop-Album erwartet, wird enttäuscht werden. Nicht aber jener, der Lust hat, in eine leichtfüßige Soulwelt mit Retro-Charme einzutauchen und Gewohntes loszulassen – ganz ohne Verbitterung.

Zum Artikel

Erstellt:
24. Oktober 2020, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 59sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.