Sanierung von Iffezheimer Sandbahn verzögert sich

Iffezheim (fk) – Die von Baden-Racing angekündigte Maßnahme zur Sanierung der Sandbahn in diesem Jahr ist vom Tisch. Trainer und Rennverein sind derzeit auf Lösungssuche.

Eine Sandbahn ist für das Ausdauertraining der Galopper unabdingbar. Symbolfoto: F.Vetter/Archiv

© fuv

Eine Sandbahn ist für das Ausdauertraining der Galopper unabdingbar. Symbolfoto: F.Vetter/Archiv

Wenn in Politik oder Wirtschaft die Floskel vom „Ziehen an einem Strang fällt“, dann ist das meistens mehr eine Aufforderung oder gar eine Ermahnung an die Beteiligten, weniger eine Information. Wie sich das im Falle des Iffezheimer Galopprennvereins Baden-Racing und den dort angesiedelten Trainern verhält, ist immer auch Interpretationssache, aber dennoch kann besagter Satz aus dem Munde von Trainersprecherin Carmen Bocskai als gutes Signal gelten. Gesprochen wurde er im Bezug auf das Thema Sandtrainingsbahn.

Nachricht mutet wie Rückschlag an

Ein Objekt, das seit Jahren für Unmut und Entzweiung gesorgt hatte. Und auch jetzt mutet die vordergründige Nachricht zunächst einmal wie ein Rückschlag an. Denn noch im Oktober hatte Kaffeeerbe und Baden-Racing-Boss Andreas Jacobs verkünden lassen, die für das Training der Galopper unabdingbare Bahn werde zu Beginn des Jahres 2020 nach zahlreichen Beschwerden der Trainer vollauf saniert. Doch das ist jetzt vom Tisch: Es fehlt das Geld. Baden-Racing schreibt ohnehin rote Zahlen, und der milliardenschwere Kaffeeerbe selbst ist dem Vernehmen nach zwar darauf bedacht, den Rennverein zu erhalten, will aber wohl nicht auch noch privates Kapital in die Sandtrainingsbahn investieren.

Von Trainersprecherin Bocskai gibt es dafür durchaus Verständnis. Schließlich sei Baden-Racing in der in Deutschland einzigartigen Situation, dass dem Rennverein das angeschlossene Boxendorf nicht gehöre, sondern in den Händen von Privatleuten aufgeteilt ist. Einnahmen wie bei anderen Galoppveranstaltern aus diesem Segment fallen also weg.

Bocskai sieht daher wie viele andere die Lösung nur in einem gemeinsamen Invest von Stallbesitzern und Baden-Racing. Wie genau das aussehen könnte, werde von allen Beteiligten in knapp zehn Tagen beraten, wie Bocskai im BT-Gespräch erzählt.

Sanierungkosten in Höhe von 700000 bis 800000 Euro erwartet

Was die Parteien dabei schultern müssen, ist kein leichtes Paket. Experten rechnen mit Sanierungskosten in Höhe von 700000 bis 800000 Euro, Kenner der Szene kalkulieren sogar mit knapp einer Million. Doch Bocskai sieht alle Beteiligten auf einem guten Weg, betont den Konsens zwischen Baden-Racing, Trainern und Besitzern. Das jetzige Konzept stamme sogar aus der Feder von Stallbesitzern und Andreas Jacobs.

Diese Einmütigkeit gab es längst nicht immer. Noch letztes Jahr hatte es viel Unmut über eine Hauruckaktion von Baden-Racing auf der für die Trainer so wichtigen Sandbahn gegeben. Trainer und Besitzer sorgten sich ernsthaft um die Gesundheit der Pferde. Baden-Racing hatte den Untergrund der Trainingsbahn mit Mineralbeton – schotterartigen Steinen – verfestigt, die aber durch die Belastung der Galopper – und das regnerische Wetter, wie sich Baden-Racing verteidigt – an die Oberfläche kamen. Bocskai hatte das dokumentiert und in Videos festgehalten. Als sich die Aufnahmen verbreiteten, übten die Besitzer wohl Druck auf Jacobs aus, der prompt die nun ad acta gelegte Sanierung für den Beginn des Jahres 2020 versprach. Die gefährlichen Steine hatten Besitzer und Baden-Racing noch im November 2019 beseitigen lassen, sodass aktuell ein Trainingsbetrieb möglich ist.

Planungen in der Schublade

Schon seit Monaten hatten Trainer und Besitzer damals zudem Planungen in der Schublade, die eine eigene Trainingsbahn hinter dem Rastatter Bogen vorsahen. Das Gelände gehört teils der Stadt Baden-Baden (sie signalisierte Bocskai zufolge Zustimmung) und teils der Gemeinde Iffezheim (diese blieb bis zuletzt skeptisch).

Eine Lösung, die nun vorerst auch vom Tisch scheint. Vielmehr wolle man, so Bocskai, gemeinsam sanieren. Das sei aber erst nach dem Ende der kommenden Galoppsaison möglich. Finanziert werden könnte das durch Investitionen der Besitzer, die dafür ein geringeres Trainingsentgelt zu leisten hätten und durch eine höhere Benutzungsgebühr der dann bestens hergestellten Bahn für Nutzer, die kein Invest getätigt haben.

Mit mehr als 200 Pferden ist Iffezheim nach Köln-Weidenpesch die zweitgrößte Trainingszentrale für Vollblüter in Deutschland. Konzipiert wurde die hiesige Bahn allerdings einst nur für den Trainingsbetrieb von etwa 60 Pferden.

Zum Artikel

Erstellt:
8. Februar 2020, 12:26 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.