Sanktionen: MiRO spürt keine Auswirkungen

Karlsruhe (BNN) – Rosneft ist ein russischer Staatskonzern – und mit 24 Prozent an der Karlsruher MiRO, beteiligt. Doch bislang gebe es wegen der Sanktionen keine Auswirkungen.

Rosneft als Anteilseigner der MiRO: Zuletzt kamen 14 Prozent des in Karlsruhe verarbeiteten Rohöls aus Russland. Foto: Rake Hora

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Rosneft als Anteilseigner der MiRO: Zuletzt kamen 14 Prozent des in Karlsruhe verarbeiteten Rohöls aus Russland. Foto: Rake Hora

Igor Setschin, der Putin-Vertraute und Chef des staatlichen russischen Ölkonzerns Rosneft, steht seit der Krim-Annexion auf der US-Sanktionsliste. Nach dem Ukraine-Krieg trennt sich jetzt der britische Energiekonzern BP von seinen 19,75 Prozent der Rosneft-Aktien. Als Reaktion auf Putins Angriff hat der Westen massiv an der Sanktionsspirale gedreht – inklusive Swift-System, das für den internationalen Zahlungsverkehr enorm wichtig ist.

Für die größte deutsche Raffinerie, die MiRO in Karlsruhe, gibt es bis jetzt keine Auswirkungen – die Rosneft-Deutschlandtochter ist mit 24 Prozent an der MiRO beteiligt. Dies teilt die Pressesprecherin der Raffinerie, Yvonne Schönemann, mit. Am Donnerstag vergangener Woche habe die Rosneft Deutschland GmbH (Berlin) die MiRO informiert, „dass die derzeit geltenden Sanktionen keine Auswirkungen auf ihre Fähigkeit haben, ihre Geschäftsaktivitäten – die Rohölverarbeitung und die Versorgung des Marktes mit Mineralölprodukten – fortzusetzen“, so Schönemann. Die MiRO habe bislang keinen anderen Sachstand.

„Wir werden die weiteren Entwicklungen und daraus eventuell resultierende weitere Sanktionen im Blick behalten. Sollte es tatsächlich Änderungen geben, die MiRO direkt betreffen, werden unsere Gesellschafter darauf reagieren.“ Details regelt ein Konsortialvertrag. Die anderen Gesellschafter sind Shell (32,25 Prozent), Esso (25 Prozent) und Phillips 66 Continental (18,75 Prozent).

Die MiRO bekommt ihr Rohöl über die Pipeline TAL, die im norditalienischen Triest befüllt wird. Im vergangenen Jahr hat die MiRO nach eigenen Angaben 14 Prozent des Rohöls aus Russland bezogen, das über das Schwarze Meer zur Einspeisung in die TAL gebracht wurde. Die MiRO bezieht ihr Rohöl auch aus Nordafrika, Nordamerika, aus Ländern am Persischen Golf und aus der Nordsee.

Das größte Investitionspaket ihrer Geschichte hat die MiRO jüngst abgeschlossen – mit Unterstützung durch Rosneft. Wie es mit künftigen Investitionen aussieht, ist derzeit unklar. Die Deutschland-Tochter hat bislang Fragen, auch zu diesem Aspekt, nicht beantwortet.

BP trennt sich von Rosneft-Anteilen

Rosneft Deutschland ist auch an der PCK Raffinerie im brandenburgischen Schwedt mit 54,17 Prozent beteiligt – Rohöl bezieht diese über die Druschba-Pipeline (übersetzt Freundschaft-Pipeline) direkt aus Russland. Außerdem hält Rosneft 28,57 Prozent an der Bayernoil Raffinerie, die wie die MiRO an die TAL angeschlossen ist. „In den vergangenen drei Jahren war Rosneft für durchschnittlich rund ein Viertel der Rohölimporte nach Deutschland verantwortlich“, heißt es auf der Homepage des Unternehmens.

Rosneft war 2011 über ein Gemeinschaftsunternehmen mit BP in den deutschen Markt eingestiegen. Man zähle zu den führenden Großhändlern für Mineralölprodukte in Deutschland, so Rosneft. Etwa 60 Produktarten habe man im Sortiment. Die russische Muttergesellschaft hat 335.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie verfügt über 13 Raffinerien in Russland und ist an fünf ausländischen Raffinerien beteiligt. Nach eigenen Angaben ist Rosneft – gemessen an Reserven und Produktionsmengen – das größte an westlichen Börsen notierte Öl- und Gasunternehmen der Welt. Der Anteil an der globalen Ölproduktion liegt bei sechs Prozent. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) ist Aufsichtsratschef des Staatskonzerns Rosneft.

Der britische Energiekonzern BP hatte am Wochenende mitgeteilt, sich von seinen Anteilen an Rosneft zu trennen. BP hielt seit neun Jahren einen Anteil von 19,75 Prozent. BP hat nach Angaben von Chefaufseher Helge Lund 30 Jahre lang mit „brillanten russischen Kollegen“ zusammengearbeitet. Doch der Ukraine-Krieg stelle eine fundamentale Veränderung dar.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Dirk Neubauer

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Erstellt:
28. Februar 2022, 20:00 Uhr
Lesedauer:
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