„Saufen-Herz“ verunstaltet Bernsteinfels

Gaggenau (ham) – Ein mannshohes Graffiti verunziert den Bernsteinfels. Das „Saufen-Herz“ kann den Täter teuer zu stehen kommen. Ihm drohen bis zu 50 000 Euro Strafe für die Verschandelung des Naturdenkmals.

Das einfallslose „Saufen“-Graffiti an der Bernstein-Ostwand kann den Täter teuer zu stehen kommen. Foto: Manfred Reufsteck

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Das einfallslose „Saufen“-Graffiti an der Bernstein-Ostwand kann den Täter teuer zu stehen kommen. Foto: Manfred Reufsteck

Tanja und Uwe Baumstark joggen gerne hoch zum Bernsteinfelsen, der sich auf bis 694 Metern zwischen Bad Rotenfels und Bad Herrenalb erhebt. Für Uwe Baumstark ist es der „schönste Platz im Nordschwarzwald“. Als er vergangene Woche wieder oben anlangte, schmerzte ihm das Herz – nicht wegen des vier Kilometer steilen Anstiegs, sondern was ihm in sein Auge stach: „Ein übergroßes Graffiti“ brachte ihn „aus der Fassung“. Ein großes Herz mit dem Schriftzug „Saufen“ verunstaltete das Naturdenkmal.

Die mannshohe Schmiererei ordnete der Gaggenauer in seinem ersten heiligen Zorn einem „geistigen Tiefflieger“ zu. Schlau war die Aktion auf jeden Fall nicht – und witzig auch nicht. Das Polizeirevier ermittelt und bittet um Zeugenhinweise unter der Rufnummer (0 72 25) 98 87-0. Dass es sich um mehr als ein Kavaliersdelikt handelt, davon kündet bereits ein großes Schild vor Ort: Sowohl das Beschriften der Felsen als auch das Entfernen von Steinen seien verboten. Zudem bitten die beiden Städte Gaggenau und Bad Herrenalb als Anrainer darum, „Beeinträchtigungen oder Beschädigungen des Naturdenkmals“ zu vermeiden.

Seit 2007 gelten die rund 1,6 Hektar, auf der auch die Bernsteinhütte steht, als Schutzgebiet – mit entsprechenden Strafen bei Zerstörung.

Bis zu 50000 Euro Strafe für Graffiti möglich

„Bis zu 50 000 Euro kann das kosten“, taxiert Manfred Reufsteck. Der Gaggenauer kümmert sich seit einem Vierteljahrhundert um die Ordnung an der Felsgruppe, der Aussichtsplattform und der seit 1864 begehbaren und inzwischen verwitterten Steintreppe. „Den Felsen zu bemalen ist mehr als eine Ordnungswidrigkeit“, unterstreicht der fitte Rentner, der rund 70 Mal im Jahr auf verschiedenen Pfaden hoch zum Bernstein pilgert und des Öfteren Führungen anbietet. Dabei geht es Reufsteck nach der fatalen Entdeckung am 22. Februar „persönlich weniger um eine hohe Geldbuße als vielmehr um die unbedingte Vermeidung wiederholter Farbschmierereien an diesem außergewöhnlichen Naturdenkmal“. Die Stadt müsse den Schriftzug rasch entfernen, weil ansonsten „die Gefahr von Nachahmern“ bestehe.

Dieter Spannagel aus dem Rathaus „fehlen“ ebenso „die Worte. Graffitis sind schon ärgerlich genug, wenn sie auf Kosten der Steuerzahler übermalt oder entfernt werden können“, meint der Leiter des Gaggenauer Ordnungsamts. Die rund drei Quadratmeter große Schmiererei auf dem Bernsteinfelsen toppt derlei aber aus schlichtem Grund: „Da können wir ja nicht einfach mit dem Hochdruckreiniger dran“, weiß Spannagel.

240 Millionen Jahre alte Gesteinsschicht

Reufsteck hat sich bereits daran vergeblich versucht, das rund 1,75 Meter hohe „Saufen-Herz“ auszuradieren. „Ich hoffte, die Schmiererei sei wasserlöslich. Mit Nitroverdünnung ging es nur ein bisschen weg. Ich vermute, es handelt sich um ein Gemisch auf Kunstharz-Basis. Es ist meine größte Sorge, dass das Gestein irreparabel geschädigt bleibt“, bekennt der 84-Jährige mit Blick auf den zerklüfteten Mittleren Buntsandstein.

Diese Blöcke wurden vor zirka 50 Millionen Jahren durch die Absenkung des Oberrheingrabens freigelegt. Vor fünf Millionen Jahren erfolgte dann wohl eine Hebung des Mini-Massivs. Die Gesteinsschichten stammen laut Wikipedia sogar aus der Untertrias vor 240 Millionen Jahren. An schönen Tagen sehen Wanderfreunde von dort aus das 54 Kilometer entfernte Straßburger Münster oder die Vogesen (60 bis 120 Kilometer Luftlinie). Die Horizontlänge beträgt sogar bis zu 180 Kilometer. Das drei Meter hohe Steinkreuz informiert zudem über die malerischen Ausblicke und Orte im Radius von 18 Kilometern und weist die Richtung zum Feldberg und gar zum Mont Blanc – gleichwohl beide Gipfel von der Plattform aus nie zu sehen sind.

Damit sich kein Nachahmer mehr ein Herz fasst, will Reufsteck die Banausen unbedingt zur Strecke bringen: „Die Behörden sollten eine hohe Belohnung von 500 oder mehr Euro für Zeugen aussetzen.“ Das ist ein letztes Mittel – bisher tappt die Gaggenauer Polizei noch im Dunkeln.

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Erstellt:
13. März 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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