Schach: Meisterrunde in Baden-Baden?

Baden-Baden (ham) – Die laufende – durch Corona derzeit ruhende – Schachbundesliga-Saison wird 2021 fortgesetzt. Zudem ist eine Meisterrunde geplant – womöglich in Baden-Baden oder Karlsruhe.

Zuschauer wird es keine geben. OSG-Kapitän Sven Noppes (links) hofft aber, dass seine Asse wie Michael Adams wenigstens wieder an einem realen Holzbrett sitzen dürfen. Foto: Hartmut Metz

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Zuschauer wird es keine geben. OSG-Kapitän Sven Noppes (links) hofft aber, dass seine Asse wie Michael Adams wenigstens wieder an einem realen Holzbrett sitzen dürfen. Foto: Hartmut Metz

Ein Vergleich mit den Bayern-Basketballern ziemt sich wenig für die Schach-Abteilung des FCB, obwohl sie mit neun deutschen Meisterschaften und einem Europapokalsieg bisher weit erfolgreicher ist. Doch ohne die Gunst von Uli Hoeneß und die Millionen des Hauptvereins bleibt der einstige Champion ein Bundesliga-Mitläufer. Dank der Basketballer haben die Bayern-Schachspieler nun aber dazu beigetragen, das Coronavirus matt zu setzen.

Zumindest halfen ihre Erkenntnisse beim Basketball-Finalturnier in München, dass sich am Wochenende auch die Schach-Bundesliga nach einer weiteren Sitzung auf einen Saisonabschluss einigte. Bayern-Abteilungsleiter Jörg Wengler hatte sich bei der weiteren Sparte des FCB über die Vorgaben erkundigt und nutzte deren Erfahrungen, um sie bei den Denkstrategen einzubringen. Wengler fand dies erst gar nicht erwähnenswert. Sven Noppes, Kapitän beim deutschen Serienmeister OSG Baden-Baden, hebt jedoch hervor: „Den größten Beitrag hat Jörg geleistet mit den Corona-Erfahrungen beim größten deutschen Sportverein.“ Den üppigen Rest erledigte Noppes selbst mit seiner Offerte, andere Optionen zu organisieren und auszurichten.

So werden die Titel-Annalen im Jahr 2020 kein ungefülltes Namensloch hinterlassen. Unter mehreren Vorschlägen fanden zwei die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit der 16 Bundesligisten. Zum einen wird die Saison 2019/2020 bis 2021 gestreckt: Die sieben beziehungsweise acht ausstehenden Spieltage werden im Frühjahr 2021 nachgeholt. Bis zu acht Bundesliga-Teams spielen überdies Mitte September in Karlsruhe oder Baden-Baden den Meister 2020 aus. Mit Spitzenreiter OSG Baden-Baden, der SG Solingen, dem SC Viernheim, den SF Deizisau und Werder Bremen haben bereits fünf Topteams zugesagt. Der Tabellenzweite SV Hockenheim, der ebenso wie die OSG in der nun verlängerten Saison 14:0 Punkte aufweist, zeigt sich unschlüssig und muss sich binnen zehn Tagen entscheiden. Die Teilnahme kostet den Verein nicht nur Spielerhonorare – die Renndörfler haben vor allem Probleme, ihre russische Großmeister-Armada ans Brett zu bringen. In Russland wütet Corona noch immer wie in nur wenigen Ländern, entsprechend fallen die Reisebeschränkungen aus. Da hat es Baden-Baden etwas leichter mit dem Franzosen Maxime Vachier-Lagrave und den eher aus Westeuropa stammenden Koryphäen. Nur der indische Ex-Weltmeister Viswanathan Anand dürfte in der Bredouille stecken, nachdem er monatelang in Deutschland ausharren musste, ehe er zurück zu Gattin Aruna und Sohnemann Akhil nach Chennai reisen konnte.

Wengler: „Alle wollen wieder spielen“

Während der Tabellenfünfte Hamburger SK aus finanziellen Gründen gleich abgewunken hat, nehmen die Bayern teil. Der Tabellenachte der Hängepartie-Saison 2019-2021 hat zwar viele Amateure in seinen Reihen, die Urlaub nehmen müssen – aber selbst sie sind wie die jungen Großmeister um Valentin Dragnev und Noel Studer heiß auf das Comeback am Holzbrett. „An solch einem Turnier können sie selten teilnehmen. Alle wollen endlich wieder spielen“, berichtet Wengler, „auch wenn wir absolut keine Chance haben und krasser Außenseiter sind.“

Sollte Hockenheim zusagen, weil der Vizemeister durch geänderte Transferfristen auch neue Spieler außerhalb Russlands für die Endrunde verpflichten kann, hofft Noppes zusätzlich auf ein achtes Team aus der unteren Tabellenhälfte, um jeweils vier Spiele ohne Freilos ausrichten zu können. Der genaue Modus bleibt offen, bis die Mannschaftszahl und die Räumlichkeiten feststehen. Die bis zu sieben Runden sollen mit etwas verkürzter Bedenkzeit an fünf Tagen ausgefochten werden. Ob „mit drei Metern Abstand über den Bildschirm“ und unter Kontrolle von Schiedsrichtern gespielt wird oder die Gegner gemeinsam am Holzbrett sitzen, werde noch entschieden. Noppes bevorzugt eindeutig die klassische Variante – „schließlich wird im Handball auch wieder trainiert, obwohl es da zu deutlich mehr Körperkontakt kommt“.

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Erstellt:
14. Juli 2020, 17:30 Uhr
Lesedauer:
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