Schadenssanierung jetzt verbindlich

Gernsbach (stj) – Die Behörden haben den Sanierungsplan 1 für die Konversion des ehemaligen Pfleiderer-Areals für verbindlich erklärt. Dauerhafte Sicherungsmaßnahmen bleiben aber weiterhin notwendig.

Weil keine Komplettsanierung des kontaminierten Erdreichs auf dem Pfleiderer-Areal erfolgt, wird die Sicherheit des Wörthgartens wohl weiter dauerhaft durch entsprechende Maßnahmen gewährleistet und überprüft werden müssen. Foto: Stephan Juch

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Weil keine Komplettsanierung des kontaminierten Erdreichs auf dem Pfleiderer-Areal erfolgt, wird die Sicherheit des Wörthgartens wohl weiter dauerhaft durch entsprechende Maßnahmen gewährleistet und überprüft werden müssen. Foto: Stephan Juch

Während die Verwaltungsspitze um Bürgermeister Julian Christ, SPD und Freie Bürger die planerischen Fortschritte auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal loben, bleiben CDU und Grüne skeptisch. Gerade unter den Aspekten des Umweltschutzes ist das Vorhaben umstritten. Die Befürworter sehen „maximale Transparenz“, die Zweifler vermissen gerade diese, weil das beschleunigte Verfahren zur Anwendung kommt. Das macht keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich, gerade diese aber erachten Grüne und CDU als unabdingbar.

Daran änderte auch der Hinweis des Bürgermeisters nichts, dass die Stadt einen umfassenden Umweltbericht in Auftrag gegeben habe, obwohl sie das rechtlich nicht hätte tun müssen. Damit wolle man den Anliegen der Naturschutzverbände Rechnung tragen, erläuterte der Schultes. Diese hatten in der Vergangenheit allerdings stets betont, auf einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu bestehen und sogar den Klageweg nicht ausgeschlossen (wir berichteten).

Stefan Eisenbarth (CDU) moniert „erhebliche Beeinträchtigungen in das FFH-Gebiet Murg“ durch die für die Konversion des Areals notwendigen Hochwasserschutzmaßnahmen am Uferbereich. Er sieht darin sogar einen zwingenden Grund für ein ordentliches Planfeststellungsverfahren. Christ beurteilt die Situation anders und sieht sich in den beteiligten Behörden bestätigt, die bisher ebenfalls keinen Anlass gesehen hätten, für das rund 300 Meter lange Teilstück ein solches Verfahren anzuwenden.

Baggerschürfe in einer Tiefe von bis zu drei Metern

Was zuletzt auf dem Pfleiderer-Areal getan wurde, fasste eine Expertin vom Büro Arcadis zusammen. Das Bebauungsplanverfahren pausiert zur Erarbeitung des Hochwasserschutzes und um weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Dafür wurde von dem Büro eine Detailuntersuchung des Damms vorgenommen. 13 stichprobenartige Baggerschürfe in einer Tiefe von bis zu drei Metern haben ergeben, dass auch dort ein erheblicher Fremdstoffanteil gegeben sei, der unterschiedliche Schadstoffkonzentrationen aufweise. Ein Teil davon könne wiederverwertet, ein anderer müsse entsorgt werden. „Eine Gefährdung liegt aktuell nicht vor“, versicherte das Fachbüro. Das ändere sich aber, sobald man mit dem Rückbau beginnt. Und auch der neue Böschungsbereich müsse dauerhaft mit mindestens 35 Zentimetern Bodenmaterial abgedeckt und vor Erosionen geschützt werden, damit er keine Gefahr darstellt.

„Ich finde es bedenklich, dass wir hier eine Situation schaffen, mit der die weitere Überwachung und Wartung der Altlasten-Problematik aufrechterhalten bleibt“, zeigte sich Stefan Krieg unzufrieden: „Die Ausführungen bekräftigen unsere Haltung, dass eine vollumfängliche Dekontaminierung notwendig ist.“ Das gilt sowohl für die Maßnahme am Uferbereich, bei der auch die Kostenfrage noch offen ist (man geht derzeit davon aus, dass dabei nur 30 Prozent vom Land und 70 Prozent von der Stadt zu tragen sind), als auch für die Entgiftung auf dem Areal selbst. Zu letzterem gab Bürgermeister Christ bekannt, dass die beteiligten Behörden die Verbindlichkeit des Sanierungsplans 1 verbindlich gemacht haben. Damit verpflichtet sich der Investor (Krause-Gruppe Bayreuth) dazu, 4,5 Millionen Euro in die Kernschadenssanierung zu investieren. Am höchsten ist die Belastung im Bereich der alten Industrie-Tauchbecken, wo „Im Wörthgarten“ die Parkplätze für die Lebensmittelmärkte entstehen sollen. Reicht das Budget für die Dekontaminierung dieser Fläche nicht aus, müsse man den Rahmen enger fassen, erklärte Albert Betting vom städtischen Bauamt.

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Erstellt:
29. September 2020, 16:00 Uhr
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