Schätze aus aller Welt in Schlössern und Gärten

Baden-Baden (ela) – Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg benennen regelmäßig ein Schwerpunktthema. In diesem Jahr steht die Exotik in den Monumenten im Mittelpunkt.

Bekannte Sammlung im Schloss Favorite in Rastatt: „Schwartz Porcelain“ um 1710 aus der Manufaktur in Meißen. Foto:Staatliche Schlösser und Gärten B-W

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Bekannte Sammlung im Schloss Favorite in Rastatt: „Schwartz Porcelain“ um 1710 aus der Manufaktur in Meißen. Foto:Staatliche Schlösser und Gärten B-W

Kaffee, Kakao, Tee, Porzellan, edle Stoffe, Gewürze wie Kardamom oder Zimt, Schokolade, Pflanzen, Kunstwerke und mehr: Was heute zum Alltag gehört, war im 17. und 18. Jahrhundert selten und teuer – und war vom europäischen Adel heiß begehrt. Und so sammelten Könige, Fürsten, Markgrafen und Co. Wertvolles aus fernen Sehnsuchtsländern, bauten Orangerien, ließen ihre Schlösser prunkvoll ausstatten und gestalteten Räume speziell für ihre Schätze – alles auch, um damit Macht, Einfluss und Wohlstand zu dokumentieren. Diesen Schaustücken und Prunkräumen widmen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg das Themenjahr 2021: „Exotik. Faszination und Fantasie“.

Unsicherheiten wegen Corona

14 der insgesamt 62 Monumente im Land sowie der zoologisch-botanische Garten Wilhelma in Stuttgart als Kooperationspartner beteiligen sich an dem Themenjahr, das am 16. Mai corona-konform eröffnet werden soll. Zu den geplanten Höhepunkten zählen der Erlebnistag im Kloster und der Europäische Tag der Restaurierung, beide am 10. Oktober. „Wir müssen in diesem Jahr wegen Corona auf Sicht fahren“, erklärt Frank Krawczyk, Leiter Kommunikation und Marketing der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. So hängen Öffnungen sowie Führungen und Veranstaltungen immer von den jeweiligen Inzidenzzahlen und der aktuellen Corona-Verordnung ab und werden auf den Internetseiten der Monumente bekannt gegeben.

Nach „Barock“, „Reformation und Gegenreformation“, „Tisch und Tafel“, „Unendlich schön“ und anderen Schwerpunkten steht nun die „Exotik mit allen positiven wie negativen Aspekten im Mittelpunkt,“ erklärt Krawczyk. Bei Fürsten hieß es damals: Je außergewöhnlicher, desto besser. Das allerdings erst, nachdem die Gefahr des Osmanischen Reichs für Europa gebannt war. Die „Turquerie“, die Orientmode, wurde geboren, Exotisches aus aller Welt fand den Weg nach Europa. Auch die Sammlungen und Gärten der badischen und württembergischen Regenten beinhalteten bald kostbare Importe – und Werke einheimischer Künstler, die die exotischen Bilderwelten aufgriffen. Dass sie die „neue Welt“ oft nach ihren eigenen Vorstellungen darstellten, zeigen zum Beispiel die 1740 von den Malern Albert van den Eeckhout und Frans Post entworfenen vier Wandteppiche der „Neu-Indien-Serie“, die zu den Highlights im Barockschloss Mannheim zählen. Der Gestalter der Tapisserie „Der Elefantentreiber“ hat vermutlich nie ein solches Tier gesehen: Die Elefantenohren erinnern an Fledermäuse, die Füße an Löwentatzen. Negative Aspekte wie Ausbeutung und Versklavung in den Kolonien wurden verschwiegen.

Prächtiges Musikzimmer

Zu den Höhepunkten im Schloss Bruchsal zählen die Tapisserien wie die „Savonnieren“ im Musikzimmer. Die edle Garnitur aus Sitzmöbeln, Ofenschirm und Wandteppichen mit Figuren in Fantasiekostümen, exotischen Vögeln und musizierenden Affen ist ein sehr seltenes Ensemble einer spätbarocken Raumausstattung, heißt es. Eine weitere Rarität steht im Schlossgarten Schwetzingen: Die Gartenmoschee mit orientalischen Elementen, die nie ein Ort des Gebets, aber immer ein Ort der inneren Einkehr war. Der Bau ist weltweit der letzte seiner Art und wird beschrieben als ein faszinierendes Zeugnis der europäischen Orientbegeisterung.

Blick in das prächtig ausgestattete Musikzimmer im Schloss Bruchsal. Foto:Staatliche Schlösser und Gärten B-W/ Atelier Dirk Altenkirch

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Blick in das prächtig ausgestattete Musikzimmer im Schloss Bruchsal. Foto:Staatliche Schlösser und Gärten B-W/ Atelier Dirk Altenkirch

Weithin bekannt ist auch die Porzellansammlung der Markgräfin Sibylla Augusta im Schloss Favorite in Rastatt. Sie liebte die blau-weißen Originale aus China ebenso wie Meißner Porzellan oder Delfter Keramik. Ostasiatische Einflüsse finden sich in vielen Räumen wieder, besonders prächtig ist das Appartement des Erbprinzen Ludwig Georg ausgestattet – mit einer grünen Seidenbespannung mit original japanischen Relieffiguren aus gepresster Papiermasse, die mit Leder und Brokat überzogen sind. Wertvoll ist ebenfalls das Schwarzlackporzellan, das nach japanischen und chinesischen Vorbildern ab 1710 in Meißen entstanden war.

Gleich nebenan, im Rastatter Residenzschloss, können Besucher das Lackkabinett bewundern, das Johann Adalbert Kratochwill ab 1706 mit goldenen, chinesisch anmutenden Figuren, exotischen Tieren, Pflanzen und Landschaften auf schwarzem Grund gestaltet hat.

Die Gartenmoschee in Schwetzingen ist eine Rarität. Foto:  Staatliche Schlösser und Gärten B-W/Arnim Weischer

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Die Gartenmoschee in Schwetzingen ist eine Rarität. Foto: Staatliche Schlösser und Gärten B-W/Arnim Weischer

Pflanzen aus aller Welt sind im Botanischen Garten in Karlsruhe zu sehen. Schon 1811, drei Jahre nach seiner Gründung, gab es im Botanischen Garten bereits 6.000 Arten. Im Tropenhaus, einem der drei Schauhäuser von 1853, werde heute der historisch belegte Pflanzenbestand wieder aufgebaut.

Der Bibliothekssaal im Kloster Schussenried, das Holländische Kabinett im Neuen Schloss Tettnang, die Naturaliensammlung mit der seltenen Sonnensternschnecke im Neuen Schloss Meersburg oder die Bilder über die Kreuzzüge der Staufer im Kloster Lorch – jedes der beteiligten Monumente birgt Schätze zu oder aus fernen Ländern. Ein weiteres Prunkstück in der Liste ist der zoologisch-botanische Garten Wilhelma in Stuttgart – gebaut im maurischen Stil als Rückzugsort von König Wilhelm I. Im maurischen Garten ließ er rund 70 Magnolienbäume pflanzen, etwa 35 Arten wachsen dort. Das Ensemble aus Pavillons, Gartenhöfen und Parkanlagen beherbergt rund 1.200 Tier- und 9.000 Pflanzenarten aus aller Welt.

www.schloesser-und-gaerten.de

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Erstellt:
21. März 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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