Schaffkleider daheim anziehen

Gaggenau (tom) – Das Benzwerk Gaggenau nimmt am Montag, 20. April, die Produktion wieder auf – wenn auch langsam.

•In der Wandlerfertigung (Foto) und bei den schweren Getrieben geht es als erstes los. Foto: Daimler (Archiv)

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•In der Wandlerfertigung (Foto) und bei den schweren Getrieben geht es als erstes los. Foto: Daimler (Archiv)

Es geht wieder los im Benz – teilweise und mit angezogener Handbremse. Standortverantwortlicher Thomas Twork bestätigt: „In einzelnen Bereichen und in reduziertem Umfang“ werde das Werk wieder anlaufen. Auch Betriebsratsvorsitzender Michael Brecht ist froh darüber. Schließlich „muss man nun gucken, dass wieder Geld ins Unternehmen hereinkommt“.

Rund 1 700 Leute werden am Montag wieder zur Arbeit kommen, bestätigt Michael Brecht. Das ist etwa ein Viertel der Belegschaft. In allen Werkteilen werde gearbeitet, insbesondere in Rastatt in der Getriebefertigung und in Gaggenau in der Wandlerherstellung.

Bei den schweren Getrieben habe man auch in den vergangenen vier Wochen der Werksschließung Auftragseingänge verzeichnen können.

„Und ein Automatikgetriebe läuft eben nicht ohne Wandler“, blickt Brecht insbesondere auf den chinesischen Markt, wo die Produktion wieder zu 70 Prozent laufe.

Auch die Achsenfertigung solle in den nächsten Tagen hochfahren. Doch noch sei die Lieferkette „sehr fragil“, gibt Brecht zu bedenken, es könne immer wieder zu einzelnen Prozessabrissen kommen.

Am Standort Kuppenheim werde es am Montag nur einen „leichten Anlauf“ geben – im Bereich der Lkw-Teile. Für das Pkw-Werk in Rastatt werde wohl ab 29. April produziert.

Und Standortleiter Twork erinnert daran, dass im Unternehmen die Kurzarbeit noch bis zum 30. April fortgesetzt werde – lediglich die Produktion in Teilbereichen, unter anderem in den Lkw- und Bus-Werken, werde ab dem 20. April schrittweise wieder aufgenommen. „Das heißt, dass zunächst einzelne Bereiche entsprechend den Kundenbedarfen in reduziertem Umfang anlaufen, um flexibel auf den Markt und die Nachfrage reagieren zu können.“

Dabei hätten Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter höchste Priorität. Deshalb haben Unternehmensleitung und Betriebsrat ein umfassendes Maßnahmenpaket vereinbart und am Standort Gaggenau umgesetzt. Bodenmarkierungen, Schutzausrüstungen, Beschilderungen und zum Beispiel speziell angefertigte Plexiglasscheiben nennt Twork und betont: „Die Maßnahmen gelten für alle Mitarbeiter in Produktion und Verwaltung.“

Michael Brecht ergänzt: „Es gibt für alle Bereich klare Gefährdungsbeurteilungen. Wir versuchen zu vermeiden, dass enger als 1,5 Meter zusammengearbeitet wird.“ Damit richtet er den Blick auf Arbeitsschutzstandard, den das Bundeskabinett am Donnerstag beschlossen hat. Wo die Abstandsregelung einmal nicht eingehalten werden kann, gilt Maskenpflicht.

Einstempeln ja,

ausstempeln nein

An diesen Empfehlungen des Bundesarbeitsministeriums hat unter anderem Udo Roth mitgearbeitet, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende vom „Benz“ in Gaggenau.

Umfangreiche Hygienemaßnahmen sollen ebenfalls eine Verbreitung der Krankheitsviren vermeiden helfen. „Die Mitarbeiter kommen bereits umgezogen zur Arbeit“, weiß Brecht, „denn der engste Raum ist die Umkleide.“ Beim Schichtbeginn werde zwar eingestempelt, aber nach Schichtende nicht ausgestempelt, „die Leute dürfen auch 20 Minuten früher gehen, um die Schichten zu entkoppeln“.

Das Betriebsrestaurant werde bis auf Weiteres geschlossen bleiben, im Shop-Bereich sollen Markierungen den Sicherheitsabstand gewährleisten. Behälter zum Hineingreifen werden nicht bestückt.

Und in die Pausenräume dürfen je nach Größe nur eine bestimmte Anzahl an Personen. „Wir schaffen rund um die Arbeitsplätze zusätzliche Pausenmöglichkeiten“, erläutert Brecht. Sanitärräume werden häufiger als bislang gereinigt. „Die Bereiche sind jetzt auch selbst verantwortlich für die allgemeinen Hygiene-Maßnahmen rund um den Arbeitsplatz. Jede Abteilung wird umfassend versorgt mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln und so weiter. Am Ende der Schicht sind die Arbeitsplätze gereinigt.“

Unterm Strich ist der Betriebsratsvorsitzende stolz auf das Erreichte: „Wir haben hier einen ,State oft the Art‘-Produktionsanlauf, wie man ihn wohl selten sieht.“

Die Eckpunkte des von der Bundesregierung empfohlenen neuen Arbeitsschutzstandard SARS-CoV-2 stehen unter anderem hier:

u www.bmas.de


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