Schandfleck am Rhein lässt OB kalt

Rastatt (ema) – Der Gemeinderat hat die Planung der neuen Rheinpromenade auf den Weg gebracht. Einziger Schönheitsfehler: Die ehemalige „Ruine“ des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts.

Das einstige Domizil des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts gammelt jetzt als unbewohnte Ruine vor sich hin. Foto: av

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Das einstige Domizil des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts gammelt jetzt als unbewohnte Ruine vor sich hin. Foto: av

Es ist ein Schandfleck, der überhaupt nicht zu den schmucken Plänen für die neue Rheinpromenade in Plittersdorf passt: Im Rathaus scheint man keinen richtigen Plan für die ehemalige Außenstelle des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) zu haben. Als der Gemeinderat jetzt Architekten- und Ingenieurleistungen für das grenzüberschreitende Millionenprojekt vergab, blieb die Zukunft der Immobilie im Ungewissen.

Klar ist nur: Das aus dem Jahr 1941 stammende Anwesen auf dem 5 820 Quadratmeter großen Grundstück liegt im Planungsbereich des Rheinpromenadenprojekts.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hatte die Immobilie vor rund sechs Jahren verkauft. Der jetzige Eigentümer versucht nach wie vor, das Gebäude loszuwerden. Verschiedene Makler bieten das Objekt im Internet zu einem Kaufpreis zwischen 695.000 und 749.000 Euro an. In einem Fall ist von einem „Notverkauf“ die Rede.

OB: Müssen Anwesen nicht kaufen

Als FDP-Stadtrat Erich Wölfle am Montag nach den Perspektiven der „Ruine“ fragte, ließ OB Hans Jürgen Pütsch keinen dringenden Handlungsbedarf erkennen. „Wir müssen entscheiden, was wir zulassen. Eigentlich wollen wir gar nichts zulassen“, spielte der OB auf den bisherigen Status des Planungsrechts an. Das hochwassergefährdete Haus mit Garagen und Schuppen in der Rheinaue steht planerisch im Außenbereich; einen Bebauungsplan gibt es nicht. Nicht mal wohnen darf man dort. Es sind nur sogenannte privilegierte Nutzungen möglich. Nach BT-Informationen gab es dort zuletzt Ärger, weil sich ein Motorradclub breitgemacht hatte. Pütsch zufolge muss die Stadt das Anwesen nicht kaufen. Was mit der Immobilie passiere, „das wird man dann sehen“, blieb der Rathaus-Chef vage. Zuletzt sahen die Projektpläne vor, die Immobilie abzureißen zugunsten einer Renaturierung mit Pappeln und Weiden.

Ungeachtet der offenen Zukunft des Schandflecks nimmt die Planung der neuen Rheinpromenade Fahrt auf. Der Gemeinderat vergab bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen diverse Architekten- und Ingenieurleistungen an insgesamt drei Büros aus Bühl (ILN), Hügelsheim (Wald+Corbe) und Karlsruhe (SNOW). Im Bereich Ökologie geht es dabei um die Planung eines Auen-Lehrpfads sowie um Maßnahmen zum Schutz der Rheinaue. Die verkehrsplanerischen Leistungen befassen sich mit der Verlagerung des Parkplatzes sowie der Herstellung des Busbahnhofs für die Landausflüge der Kreuzschifffahrtsgäste. Im Visier hat man außerdem die Neugestaltung der Fährwiese sowie einen Durchlass der Rheinaue unter der Fährstraße. Das Auftragsvolumen beträgt 215.000 Euro. Der Antrag der AfD-Fraktion, das Vorhaben bis zum Beschluss des Haushalts zurückzustellen, fand nur drei Befürworter. Am Ratstisch wurde sonst einhellig die Bedeutsamkeit des Naherholungsprojekts gewürdigt, das auch die Plittersdorfer selbst in ihrem Dorfentwicklungsplan als Wunsch geäußert haben.

Die Gesamtkosten für die neue Rheinpromenade liegen bei rund 3,3 Millionen Euro. Die Europäische Union (EU) übernimmt davon einen Anteil von 1,7 Millionen Euro.


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