„Schandfleck“ deutlich geschrumpft

Schwarzwaldhochstraße (sre) – Die Abrissarbeiten an der Hundseck-Ruine sind ausgeweitet worden. Das ist auch mit möglichen Folgen für die Zukunft des Areals verbunden.

Nur der Mittelteil steht noch: Von der traurigen Ruine an der Schwarzwaldhochstraße ist nach dem Teilabriss sehr viel weniger übrig als geplant. Foto: Bernhard Margull

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Nur der Mittelteil steht noch: Von der traurigen Ruine an der Schwarzwaldhochstraße ist nach dem Teilabriss sehr viel weniger übrig als geplant. Foto: Bernhard Margull

Es ist eingetreten, was manch einer sich insgeheim gewünscht haben dürfte: Beim Teilabriss der Hundseck-Ruine wurde sehr viel mehr von dem Gebäude dem Erdboden gleichgemacht als ursprünglich geplant. Das könnte auch Auswirkungen für die Zukunft der Ruine haben: Je weniger Abrisskosten auf einen möglichen Investor zukommen, desto attraktiver wird das Grundstück.

Hintergrund

Ursprünglich hatte die Stadt Bühl als untere Baurechtsbehörde nur den Holzaufbau auf der Talseite des Gebäudes abreißen wollen. Das hat zwei Gründe: Erstens geht die Stadt nicht davon aus, dass sie das investierte Geld von den Eigentümern zurückbekommen wird, am Ende bleiben die Abrisskosten also am Steuerzahler hängen. Zweitens darf die öffentliche Hand gar nicht einfach so ein marodes Gebäude abreißen. Für den Eingriff in Eigentumsrechte könnte sie rechtlich belangt werden. Einzige Ausnahme: wenn die Ruine eine Gefahr darstellt. Das war die Begründung für den ersten Teilabriss vor neun Jahren und das war nun auch bei besagtem Holzaufbau der Fall: Die Wand hätte einstürzen können und wäre dabei auf die Fahrbahn der L80b gestürzt. Deshalb musste die Landesstraße, die nach Hundsbach führt, ab dem 7. Januar gesperrt werden. Die wichtige Route ist derzeit noch blockiert, Anwohner müssen täglich viele Kilometer Umweg in Kauf nehmen. Heute und morgen erfolgen Restarbeiten am Gebäude sowie Aufräumarbeiten. Frühestens am Dienstagabend soll die L80b zumindest einseitig wieder freigegeben werden.

Kettenreaktion sorgt für größeren Abriss

Ursache für die Ausweitung der Abrissarbeiten in der vergangenen Woche war eine Art Kettenreaktion. Neben dem vorgesehenen Holzanbau musste auch das Treppenhaus am massiven Mittelteil, der der Straße zugewandt ist, entfernt werden. Laut der Bühler Stadtpressestelle war auch dessen Standsicherheit nicht mehr gegeben. Das zum Vorschein gekommene Mauerwerk sei in wesentlich schlechterem Zustand gewesen als zuvor angenommen. Diese Maßnahme wiederum konnte nicht erfolgen, ohne auch den Holzanbau auf der rechten Gebäudeseite abzubrechen. Über den kompletten Bereich entlang der L80b wurde zudem das Dach abgetragen.

Was all das kostet, ist laut Stadtpressestelle noch unklar. Die ursprünglich geschätzten 30.000 Euro werden aber sicher nicht reichen. Diese Summe war im Übrigen nur für die Abrisskosten selbst angesetzt worden, nicht aber für die Entsorgung des Bauschutts. Denn während Ersteres in die Zuständigkeit Bühls als Baurechtsbehörde fällt, wird Letzterer als Abfall eingestuft, für dessen Abtransport das Landratsamt zuständig ist. Auch dieses muss nun also mehr Geld in die Hand nehmen.

Weiter Investor gesucht

Wenn die Eigentümer die Rechnungen von Stadt und Landkreis auch diesmal nicht zahlen können, können sich diese die Schuld im Grundbuch eintragen lassen. Das Problem: Dort stehen schon zahlreiche Verbindlichkeiten, die ein Käufer bei einer Zwangsversteigerung begleichen müsste. Schon beim letzten tatsächlich abgehaltenen Versteigerungstermin 2017 hätte ein Interessent deshalb mindestens 300.000 Euro bieten müssen. Und das für ein Grundstück, dessen Wert laut Rechtspflegerin Angelika Pfistner nur mit einem Euro geschätzt war. Wenn dies rechtlich möglich wäre, müsste laut Pfistner eigentlich sogar ein negativer Wert für das Grundstück angenommen werden, wenn man die Abbruchkosten für die Ruine bedenkt. Zumindest diese sinken nun. Je mehr abgerissen wird, desto attraktiver wird das Grundstück also für Investoren. Ob das allerdings reicht, in Anbetracht der verworrenen Eigentumssituation jemanden zu finden, der bei der nächsten Zwangsversteigerung ein Gebot abgibt, steht in den Sternen.

Traurig ist der Zustand des Areals auch mit Blick auf dessen historische Bedeutung. Laut Hansjörg Willig, Vorsitzender des Vereins Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße, ist das Gebäude mit dem schönen Sandsteinsockel, in dem Reliefs wohl auf die Alpenvereine von Deutschland und Österreich verweisen, 1897/98 errichtet worden. Die Geschichte von Hundseck reicht Willig zufolge sogar noch weiter zurück: Schon 1811 sei an dieser Stelle eine Bewirtschaftung nachgewiesen – damit sei dies die wohl älteste Buschwirtschaft im Höhengebiet gewesen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
7. Februar 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 56sec

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