Scheuern wächst rasant

Gernsbach (stj) – Mehrere Baustellen, zunehmender Verkehr, viele neue Nachbarn: Das sorgt in Scheuern nicht bei allen für Begeisterung.

Beispiel für die Innenverdichtung in Scheuern: Das Neubaugebiet Gartenäcker. Foto: Juch

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Beispiel für die Innenverdichtung in Scheuern: Das Neubaugebiet Gartenäcker. Foto: Juch

In Scheuern stehen derzeit mehrere Bagger und Kräne, Handwerker geben sich bei zahlreichen Neubauprojekten quasi die Klinke in die Hand. Kein Stadtteil nimmt aktuell eine dermaßen rasante Entwicklung wie der einwohnerstärkste, der vor drei Jahren sein 750-jähriges Bestehen feierte. Bauwillige, Wohnungssuchende und zur Immobilienbranche gehörende Firmen und Betriebe frohlocken. Aber wo viel gebaut wird, gibt es oft auch Ärger. Längst nicht alle Scheuerner sind mit dem eingeschlagenen Weg vollends einverstanden.

Das Zauberwort heißt Innenverdichtung. Diese wird aktuell gleich an vier Standorten in Scheuern vorangetrieben. Das mit Abstand größte Projekt entsteht seit November 2018 in der Friedrichstraße. Bis 2021 sollen im „Wohnpark am Sonnenrain“ insgesamt 122 Wohnungen bezugsfertig sein. Weitere neue Wohneinheiten kommen in der direkt nebenan befindlichen Villa Luise hinzu.

Weitere Bauanträge im Gartenäcker liegen vor

Ebenfalls im November 2018 fiel der Startschuss für die Bebauung der „Gartenäcker“. Damals gab der Ausschuss für Technik und Umwelt des Gemeinderats grünes Licht für den Bau zweier Mehrfamilienwohnhäuser auf dem Areal, das in etwa von der Scheuerner Straße, der Alten Weinstraße, der Kapplerstraße und dem Schafhofweg begrenzt wird.

Das erste Mehrfamilienhaus steht, das zweite am oberen Gebietsrand befindet sich aktuell im Bau. Für die Errichtung von zwei weiteren Doppelhäusern am südlichen Gebietsrand liegen die Bauanträge zur Genehmigung vor, informiert das städtische Bauamt auf BT-Anfrage. Insgesamt entstehen im Gartenäcker bis zu zehn neue Wohnhäuser. Die private Erschließungsstraße, die ebenfalls den Namen „Gartenäcker“ trägt, wird nach Auskunft des Projektträgers entsprechend den sich für die Erschließung der Baustellen ergebenden Erfordernissen hergestellt. Damit wolle man sicherstellen, etwaige Beschädigungen im Zuge der Errichtung der Gebäude zu minimieren.

Eine kleinere Innenverdichtung läuft seit gut einem halben Jahr in der Verlängerung der Heinrich-Langenbach-Straße. Baugenehmigung und -freigabe für die zwei Wohnhäuser sind Ende Oktober erteilt worden, bestätigt das Bauamt: Die Erschließung erfolgt über den schmalen Seitenast der Heinrich-Langenbach-Straße und wird als privater Weg weitergeführt. Wegen der für die direkten Nachbarn teils unbefriedigenden Verhältnisse durch die Baustelle (zugeparkte Einfahrten und Garagen, Lärm, Dreck ...) hat es bereits einige Gespräche mit der Stadtverwaltung gegeben, die ihrerseits bei einem Vertreter der Bauherrin daraufhingewirkt habe, entsprechend rücksichtsvoll zu agieren und mit den Nachbarn zu kommunizieren.

Für die Herstellung der leitungsgebundenen Anschlüsse ist in absehbarer Zeit das Aufgraben der Heinrich-Langenbach-Straße erforderlich, kündigt das Bauamt an. „Die hierfür erforderlichen Arbeiten werden derzeit von den Stadtwerken projektiert.“ Aufgrund der guten Auslastung der in Betracht kommenden Fachfirmen könne aber noch keine genaue Angabe zum Baubeginn gemacht werden. „Die Anwohner werden rechtzeitig über den Beginn der Arbeiten informiert, damit sie sich auf die vorübergehende eingeschränkte Erreichbarkeit ihrer Grundstücke einstellen können“, versichert die Verwaltung. Das hat zuletzt beim Verlegen eines Gasanschlusses in der Heinrich-Langenbach-Straße nicht funktioniert, wie Anwohner monieren. Sie kamen plötzlich nicht mehr mit dem Auto zu ihren Häusern und mussten andernorts parken – was angesichts der Großbaustelle an der Friedrichstraße (Wohnpark am Sonnenrain) derzeit eine zusätzliche Herausforderung darstellt.

Kommunalpolitisch schwieriger Spagat

Weitere Neubauten für Scheuern hat der Gemeinderat jüngst in der „verlängerten Kelterbergstraße“ genehmigt. Dort ist auf einer insgesamt 6 724 Quadratmeter großen Fläche Platz für sieben große Einfamilienhäuser geschaffen worden, zwei davon stehen bereits.

Neue Bauplätze auszuweisen, ist heutzutage fast immer ein schwieriger kommunalpolitischer Spagat. Auf der einen Seite soll (muss) man seiner Gemeinde Entwicklungspotenziale aufzeigen, Wohnraum schaffen und Infrastrukturen erhalten, auf der anderen Seite soll man Arten schützen, ökologisch nachhaltig handeln, das Klima schützen und den Flächenverbrauch gering halten. Das alles unter einen Hut zu kriegen, ist nicht machbar. Hinzu kommen geplagte Anwohner, die während der Bauphase zum Teil über Jahre hinweg (wie in und an der Friedrichstraße) mit erheblichen Einschränkungen ihrer Lebensqualität zurechtkommen müssen. Dass es bei dieser Gemengelage immer wieder mal zu Klagen kommt, lässt sich wohl nicht vermeiden.

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Erstellt:
7. August 2020, 19:00 Uhr
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