Schimpanse Benny seit 1970 im Karlsruher Zoo

Karlsruhe (sj) – Schimpanse Benny lebt seit 50 Jahren im Karlsruher Zoo. Der Wildfang von der Westküste Afrikas ist vielen Zoobesuchern bestens bekannt.

Publikumsliebling: Der zurzeit älteste Bewohner im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhes ist so etwas wie „ein Star“ unter den Zoo-Tieren. Foto: Stefan Jehle

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Publikumsliebling: Der zurzeit älteste Bewohner im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhes ist so etwas wie „ein Star“ unter den Zoo-Tieren. Foto: Stefan Jehle

Und plötzlich macht es Klack. Benny reckt die Faust, läuft nach vorne und klopft gegen die Plexiglas-Scheibe. Offenbar will das Schimpansen-Männchen dem Buben, der Fotos macht mit seinem Smartphone, zeigen wer „der Herr im Haus“ ist. Sein Revierverhalten ist typisch. Seit dem 31. August 1970 lebt der einst von der Elfenbeinküste eingeflogene Schimpanse in Karlsruhes Stadtgarten. So wie sich sein Gehege verändert hat im Laufe der Jahre, so veränderte sich auch der Umgang.
Der genaue Geburtsort ist nicht bekannt – auch nicht sein exaktes Alter. Benny kam einst auf höchst kuriosem Weg in die badische Stadt. Ein mit dem damaligen Zoo-Direktor Karl Brinkmann befreundeter Tiermediziner, der sich zu Studienzwecken an Afrikas Westküste aufhielt, schickte den kleinen Schimpansen „unangekündigt“ per Luftfracht. Es sollte wohl eine Art Überraschungsgeschenk sein. Neun Monate alt war er bei Ankunft angeblich – tatsächlich aber wohl drei Jahre, und ist heute geschätzt 53. Ein geradezu biblisches Alter, denn in freier Wildbahn werden Schimpansen meist nur um die 40 Jahre alt.

Der zurzeit älteste Bewohner im Zoologischen Stadtgarten Karlsruhes ist so etwas wie „ein Star“ unter Karlsruhes Zoo-Tieren. Und wird von vielen Besuchern ganz gezielt angesteuert. Erkennbar ist der Senior unter den Karlsruher Schimpansen an seinem grauen Bart – und den markanten rosa Pigmentflecken im Gesicht. Als er in den Stadtgarten einzog, hießen seine Artgenossen noch Dodo und Dschingo, beides Männchen – heute sind es die Schimpansinnen Sophie und Katche.

Neubauten für Affenhaltung angedacht

Immer wieder mal gibt es auch Diskussionen um die Gestaltung des Affenhauses. Das Außengehege für die drei Karlsruher Schimpansen – Sophie kam 1978 dazu, und ist jetzt 44 Jahre alt; Katche, geboren 1985, ist seit 1996 in Karlsruhe – hat eine Fläche von rund 400 Quadratmetern. Im Inneren des Affenhauses stehen weitere 200 Quadratmeter zur Verfügung. Das sei kein Vergleich zu früher, sagt Clemens Becker, der stellvertretende Zoodirektor. Zu der Zeit damals, als Benny als Jungtier nach Karlsruhe kam, lebten drei Schimpansen über Jahrzehnte „auf 60 Quadratmeter eingepfercht“. 50 Jahre im Zoo Karlsruhe heißt auch, in gewisser Weise 50 Jahre Gefangenschaft. Der Umzug in das rund zehn Mal größere Gelände erfolgte Anfang der 1990er. In einem sogenannten „Masterplan 2015“, der ein Entwicklungskonzept beschreibt, und den Zoo auch für heutige moderne Anforderungen rüsten soll, sind Neubauten für die Affenhaltung angedacht – aber bislang noch nicht umgesetzt.

Clemens Becker hat ein ganz besonderes Verhältnis zu seinem im fortgeschrittenen Schimpansenalter angekommenen Zögling Benny. Nicht nur, dass er tagtäglich von seinem Bürofenster aus den direkten Blick auf das Außengehege aller drei in Karlsruhe lebenden Schimpansen hat. Benny liege ihm „als Menschenaffe besonders am Herzen“, sagt der Biologe. Beide kennen sich seit Langem. Becker kam 1985 in den Karlsruher Zoo. „Wir haben die meiste Zeit seines Lebens zusammen verbracht“, resümiert er. Benny suche immer „den direkten Kontakt“, was aber derzeit durch Corona eingeschränkt ist. Die dicken Plexiglas-Scheiben am Außengehege sind jetzt selbst an den Stoßfugen verklebt. Dort habe Benny früher Grashalme durchgesteckt, oder sei „auf Geruchfühlung“ gegangen. Doch jetzt tragen auch die Pfleger im Gehege eine Maske. Weil nicht klar ist, ob der Virus auch auf Menschenaffen übertragbar ist.


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