Schiri Jörger: „Nicht runterziehen lassen“

Baden-Baden (moe) – Vor einem Jahr stand Hendrik Jörger beim Fußball-Kreisligaspiel Au am Rhein gegen Staufenberg im Mittelpunkt. Zwölf Monate später hat der Referee ein neues Ziel: die Landesliga.

Mit Feuereifer Unparteiischer: Schiedsrichter Hendrik Jörger zückt unter anderem in der Bezirksliga Karten. Foto: Frank Seiter

© toto

Mit Feuereifer Unparteiischer: Schiedsrichter Hendrik Jörger zückt unter anderem in der Bezirksliga Karten. Foto: Frank Seiter

„Mund abputzen – weitermachen“. Mit diesen Worten hat dereinst Oliver Kahn die Blickrichtung nach sportlichen Negativerlebnissen jedweder Art vorgegeben. Das klingt logisch, schließlich stand für den ehemaligen Star-Keeper des FC Bayern München meist wenige Tage später das nächste wichtige Spiel im Kalender. Was für Torwart-Titanen gilt, macht durchaus auch für Schiedsrichter im Bezirk Baden-Baden Sinn. Aus diesem Grund hat Hendrik Jörger auch nicht weiter über den 23. November 2019 nachgedacht.

An diesem ungemütlichen Herbst-Samstag leitete der damals 18-jährige Jungschiedsrichter die Kreisliga-Partie zwischen dem SV Au am Rhein und dem SV Staufenberg. Während und nach dem Spiel kam es zu unschönen Szenen: Verbalen Anfeindungen, Drohgebärden, hämischer Gestik sah sich der Referee aus Eisental ausgesetzt, das Badische Tagblatt hatte damals in Form einer Reportage berichtet. „Ich habe das damals gut und relativ schnell verarbeitet“, sagt Jörger heute, etwas mehr als ein Jahr nach den Vorfällen.

„Fokus immer auf dem aktuellen Spiel“

Das wiederum hat auch mit Kahns Bonmot zu tun. „Wenn man am nächsten Wochenende wieder auf dem Platz steht, liegt der Fokus immer auf dem aktuellen Spiel“, erklärt Jörger, der nach wie vor mit Feuereifer den Unparteiischen gibt. Tumulte wie damals in der Kreisliga A Nord hat der 19-Jährige, der in diesem Jahr sein Abitur gebaut und im September als Polizeimeister-Anwärter eine Ausbildung begonnen hat, „seither nicht mehr erlebt“, geknistert hat es aber durchaus auch auf anderen Sportplätzen. Das allerdings „macht den Reiz ja auch irgendwie aus“, findet Jörger: „Viele Zuschauer, tolles Wetter, eine interessante Tabellensituation – das macht auch dem Schiedsrichter Spaß.“

Auch wenn die Partie im Auer Oberwald längst abgehakt ist, so hat Jörger seine Lehren aus diesem trüben November-Samstag gezogen, beispielsweise, „dass man sich auf keinen Fall von den Kommentaren von außen runterziehen lassen sollte“ oder „dass man mit den Gedanken auf dem Platz bleibt und versucht, eine gute Spielleitung hinzubekommen“.

Das ist dem Referee im vergangenen Jahr größtenteils gelungen, er pfeift nach wie vor Spiele in der Bezirksliga, wurde mehrfach von erfahrenen Schiedsrichterkollegen beobachtet und sagt selbst: „Es läuft ganz gut“, sagt Jörger und schiebt hinterher: „Aber es gibt noch Verbesserungspotenzial.“ An seinen Defiziten will er weiter arbeiten und sich Schritt für Schritt für höhere Aufgaben empfehlen: „Das Ziel eines jeden Schiedsrichters ist es, so weit oben wie möglich zu pfeifen“, sagt Jörger. Konkret: „Das nächste Ziel ist natürlich die Landesliga.“

KSC-Testspiel bisheriges Highlight

Dort – und manchmal auch in der Verbandsliga – ist er bereits als Assistent an der Linie im Einsatz. Als solcher hat er bisher auch seinen schiedsrichterlichen Höhepunkt erlebt: beim Freundschaftsspiel des 1. SV Mörsch gegen die Profis des Karlsruher SC. „Das war ein besonderes Highlight“, erinnert sich Jörger. Spannend fand er auch seine bisherigen Einsätze in der C- und B-Junioren-Bundesliga, etwa beim KSC: „Die Jungs können echt kicken.“

Er selbst hat die Kickschuhe mittlerweile an den Nagel gehängt, in erster Linie aus Zeitgründen. Ausbildung, Schiedsrichter sein und auch noch selbst spielen – „das geht auf Dauer nicht“, hat Jörger festgestellt. Deshalb hat er sich fürs Pfeifen entschieden: „Das macht mir einfach viel Spaß!“

Zum Artikel

Erstellt:
11. Dezember 2020, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.