Schlag gegen Reichsbürgerszene

Karlsruhe/Offenburg (red) – Die Polizei hat am Mittwoch in einer groß angelegten Aktion 25 Wohnungen von sogenannten Reichsbürgern durchsucht, unter anderem in den Kreisen Karlsruhe und Offenburg.

Phantasiedokumente gehören zu den bei der Aktion sichergestellten Dingen. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

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Phantasiedokumente gehören zu den bei der Aktion sichergestellten Dingen. Symbolfoto: Patrick Seeger/dpa

Mehr als 450 Beamte waren an den Durchsuchungen in Baden-Württemberg und Hessen beteiligt. Der Einsatz richtete sich gegen Führungsmitglieder und Angehörige der Reichsbürgerorganisationen „Republik Baden“ und „Freier Volksstaat Württemberg“ und ihrer Dachorganisation „Staatenbund Deutsches Reich“, wie das Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaften Karlsruhe und Stuttgart am Abend mitteilten. Im Zuge von heutigen Durchsuchungsmaßnahmen wurden Waffen, gefährliche Gegenstände, gefälschte Dokumente, hunderte Blanko-Formulare und Rauschgift in größeren Mengen aufgefunden.

In den frühen Morgenstunden durchsuchten Kräfte der Polizeien Hessen und Baden-Württemberg 25 Wohnungen von sogenannten Reichsbürgern. Parallel dazu verpflichtete das LKA zwei Webhosting-Provider entsprechende Daten über die Beschuldigten herauszugeben. Die Staatsanwaltschaften Karlsruhe und Stuttgart werfen den 34 Beschuldigten unter anderem gewerbsmäßige Urkundenfälschung und Sachbeschädigung vor. Sie sollen Reisepässe, Führerscheine und Staatsangehörigkeitsurkunden gefälscht beziehungsweise hergestellt und massenhaft Faxnachrichten mit staatsleugnerischen Inhalten an Behörden versandt haben.

Waffen, Drogen und Geld sichergestellt

Die Einsatzkräfte stellten Marihuana und Amphetamine in größeren Mengen sicher. In einer Wohnung befand sich eine Marihuana-Plantage. Zudem stellten die Ermittler Waffen unterschiedlichster Art sicher: Pfeil und Bogen, Macheten, Zwillen mit Stahlkugeln, Kurzwaffen, Schusswaffenmunition und eine Armbrust mit Zielfernrohr. Eine Person verfügte über 200 Messer mit feststehender Klinge, 190 Äxte sowie 520 Klapp- und Einhandmesser. Ferner stellten die Ermittlerinnen und Ermittler zahlreiche Reichsbürgerdokumente sicher, darunter Blanko-Dokumente, Präge- und Beschriftungsgeräte. Mit diesen Werkzeugen und Geräten stellt die Reichsbürgerszene illegale Dokumente her und bringt diese in Umlauf. Neben Phantasiedokumenten beschlagnahmten die Einsatzkräfte auch hohe Bargeldsummen. Ein Beschuldigter hatte 10.000 Silber-Schillinge in der Wohnung gebunkert. Die regionalen Polizeipräsidien werden nun die Asservate sichten und auswerten.

Die durchsuchten Objekte befanden sich im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, Kreis Lörrach, Kreis Waldshut, Kreis Karlsruhe, Kreis Konstanz, Schwarzwald-Baar-Kreis, Enzkreis, Rhein-Neckar-Kreis, Ortenaukreis, Kreis Tübingen, Kreis Reutlingen, Kreis Ulm, in Heidelberg sowie im hessischen Wetteraukreis.

Das LKA kooperierte bei dieser Durchsuchungsaktion mit den Polizeipräsidien Freiburg, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim, Offenburg, Pforzheim, Reutlingen und Ulm. Zudem unterstützte das Polizeipräsidium Einsatz diese Maßnahme mit Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten sowie einem Spezialeinsatzkommando. In Hessen waren zudem Kräfte einer Staatsschutzdienststelle des dortigen Landeskriminalamtes sowie einer Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit im Einsatz, teilte das LKA weiter mit.


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