„Schließung hätte fatale Folgen“

Gernsbach (stj) – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fürchtet ein „kommunalpolitisches Desaster“ und appelliert, die Handelslehranstalt in Gernsbach zu erhalten.

Schüler der HLA Gernsbach blicken mit innovativen Projekten auch immer wieder über den Tellerrand hinaus – wie hier beim Debüt der Juniorenfirma „Schulmarktstand“ auf dem Gernsbacher Wochenmarkt im Dezember 2018. Foto: Dagmar Uebel / Archiv

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Schüler der HLA Gernsbach blicken mit innovativen Projekten auch immer wieder über den Tellerrand hinaus – wie hier beim Debüt der Juniorenfirma „Schulmarktstand“ auf dem Gernsbacher Wochenmarkt im Dezember 2018. Foto: Dagmar Uebel / Archiv

Seit dem das BT die Überlegungen öffentlich gemacht, dass die Verantwortlichen über ein Aus der Handleslehranstalt (HLA) Gernsbach nachdenken, sorgt das Thema im Murgtal für mächtig Wirbel. Jetzt schaltet sich auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Kreis Rastatt/ Baden-Baden ein und wendet sich mit einem flammenden Appell zum Erhalt der beliebten Bildungseinrichtung an die Mandatsträger im Rastatter Kreistag.

In dem vom Vorsitzenden der GEW Rastatt/Baden-Baden, Bernhard Baumstark, unterzeichneten Schreiben heißt es: „Die angeblich ,ergebnisoffene‘ Erörterung von Schließungsplänen des Landkreises für die HLA in Gernsbach treibt uns um. Angesichts der Brisanz ist die Ruhe in der politischen Öffentlichkeit erstaunlich und verdächtig. Dies schürt unsere Furcht, dass Gefahr in Verzug ist und sich hinter den Kulissen möglicherweise ein kommunalpolitisches Desaster anbahnt. Als Bildungsgewerkschaft und Vertreter der Interessen von Lehrkräften aller Schularten wenden wir uns deshalb hiermit mit der Forderung an die Mandatsträger aller im Kreistag vertretenen Fraktionen, sich offen für die Erhaltung der HLA Gernsbach zu positionieren. Denn für die Schullandschaft und das Bildungsangebot im Murgtal hätte eine Schließung fatale Folgen.“

Dies erklärt Baumstark in seinem Schreiben wie folgt: „Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auf die Konkurrenz zwischen Schulen verwiesen, in der sich diese bewähren müssten. Mit der daraus vermeintlich logischen Folgerung, dass rückläufige Schülerzahlen ein Indiz für mangelnde Konkurrenzfähigkeit wären. Schulen sind aber definitiv keine Wirtschaftsunternehmen, deren Aufgabe es ist, sich im gegenseitigen Konkurrenzkampf durchzusetzen. Vielmehr sollen sie die Versorgung mit Bildungsangeboten (auch und gerade in der Fläche) verlässlich sicherstellen. Die HLA Gernsbach bietet eine Nische für Schüler, die überschaubare Strukturen benötigen – ohne ,Massenbetrieb‘ – und die nach erfolgreichen Abschlüssen (bei geringer Durchfallquote) ihre Ausbildung zumeist in der Region antreten und im Murgtal bleiben – ein Beitrag zur Stärkung des ländlichen Raums. Auch die Lehrkräfte haben sich bewusst für diese Schule entschieden und investieren viel Herzblut und Engagement für innovative Ansätze bei der Entwicklung neuer Schularten wie zum Beispiel der Ausbildungsvorbereitung und vielseitigen schulischen Ausbildungsmöglichkeiten. Explizit ist in diesem Zusammenhang das Gernsbacher Modell als richtungsweisendes, modulares Ausbildungsangebot der HLA Gernsbach zu nennen.“

Auch mit rückläufigen Schülerzahlen sei die HLA mit ihrem attraktiven Portfolio, ihrer mehrfach prämierten Arbeit und ihren attraktiven Projekten ein unverzichtbarer Bestandteil im schulischen Angebot des Murgtals, betont Baumstark weiter.

„Unverzichtbar im schulischen Angebot“

Die rückläufigen Schülerzahlen orientierten sich an der derzeit allgemeinen demografischen Entwicklung und „sind sicherlich nicht darauf zurückzuführen, dass das Angebot nicht attraktiv genug ist, deshalb wenig Resonanz findet und man zukünftig darauf verzichten kann“. Es sei mittel- bis langfristig eher davon auszugehen, dass die Schülerzahlen insgesamt und somit auch für die HLA Gernsbach wieder zunehmen werden. „Ist eine Schule erst mal geschlossen, wird es schwierig, wieder eine neue zu eröffnen“, gibt der GEW-Kreisvorsitzende zu bedenken: „Eine Schließung wäre also endgültig und negativ für die zukünftige Schullandschaft im Murgtal. Die GEW Rastatt/Baden-Baden erwartet deshalb von allen verantwortungsbewussten Mandatsträgern im Kreistag Entschlossenheit und Einsatz für ein breites, zukunftssicheres Bildungsangebot für den gesamten Landkreis und, mit Blick auf das Murgtal, für die Erhaltung der HLA Gernsbach.“

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Erstellt:
5. Oktober 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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