Südbadischer Fußballverband: Entscheidung weiter offen

Baden-Baden (rap) – Der Südbadische Fußballverband hat am Montag über das weitere Vorgehen während der Corona-Krise informiert. Eine Entscheidung über den derzeit ruhenden Spielbetrieb verkündete der SBFV aber nicht.

Ob der Ball bald wieder rollen wird? Der SBFV spielt weiter auf Zeit und sucht nach passenden Lösungen. Foto: Seiter

© toto

Ob der Ball bald wieder rollen wird? Der SBFV spielt weiter auf Zeit und sucht nach passenden Lösungen. Foto: Seiter

Die regionale Handball-Saison? Abgebrochen! Duelle an der Tischtennisplatte? Nicht mehr möglich, da die Saison wegen der Corona-Pandemie bereits Geschichte ist und gewertet wurde. Auch andere Sportarten wie Basketball, Turnen und Schach haben nachgezogen und die Runden mittlerweile für beendet erklärt. Nur der Fußball ist diesen endgültigen Schritt (noch) nicht gegangen, spielt auf Zeit und hofft auf eine Fortsetzung der restlichen Runde.

„Unser Bestreben ist es, die Runde sportlich zu Ende zu bringen“, erklärte gestern Christian Dusch, Vizepräsident des Südbadischen Fußballverbands. Der SBFV informierte in einer Online-Pressekonferenz über den derzeitigen Stand der Dinge. Eine Entscheidung präsentierte der Verband nicht.

Wie ist der Status quo?

Der regionale Fußball ruht aufgrund der Corona-Krise seit dem 13. März. Zunächst war vonseiten des SBFV eine Spielpause bis zum 19. April vorgesehen. Ende März wurde die Pause „bis auf Weiteres“ verlängert. Dies gilt auch nach der gestrigen Online-Pressekonferenz, bei der SBFV-Präsident Thomas Schmidt, Dusch und Pressesprecher Thorsten Kratzner über den aktuellen Stand informierten. Da der Bund die Kontaktsperre bis zum 3. Mai verlängert und den Betrieb von öffentlichen Sportstätten untersagt hat, sei an „Fußball noch nicht zu denken. Die Gesundheit steht an erster Stelle“, sagte Schmidt.

Welche Lösungsansätze gibt es überhaupt?

Laut SBFV wäre eine bundeseinheitliche Lösung wünschenswert, die es aber nur geben wird, wenn sich alle 21 Landesverbände – vom hohen Norden bis in den Süden – auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen.

Werden sich die 21 Landesverbände einigen?

Das ist eher unwahrscheinlich. Bereits am Freitagabend preschte der Bayerische Fußballverband vor und verkündete eine Spielpause bis zum 31. August. „Von einer Gesamtlösung haben wir uns schon verabschiedet“, so Schmidt gestern.

Sollte es keine bundeseinheitliche Lösung geben, was wäre dann denkbar?

Als zweitbeste Variante erachtet der SBFV eine süddeutsche Lösung, über die man sich aktuell unter den Verbänden austausche. Jedoch müsse definitiv ein gemeinsames Vorgehen für die Oberliga Baden-Württemberg gefunden werden, erklärte der Verband gestern. „Wir sind in engem Austausch mit dem Badischen Verband (BFV) und dem Württembergischen Fußballverband (WFV)“, versicherte Dusch. Denn von dieser Entscheidung sei abhängig, welche Spielräume es für die Verbandsliga Südbaden geben könnte. Ab der Landesliga bis hinunter in die Kreisliga ist der SBFV alleiniger Entscheidungsträger. Dusch betonte aber ausdrücklich, dass unterschiedliches Vorgehen zwischen der Verbandsliga und den anderen Klassen im SBFV vermieden werden soll.

Welche Möglichkeiten für den Spielbetrieb gibt es?

Laut Vizepräsident Dusch ist der Verband in regem Austausch mit den Vereinen und diversen Gremien. In der vergangenen Woche führte der SBFV mit allen sechs Bezirken und den überbezirklich spielenden Vereinen insgesamt sieben Videotagungen durch, um die aktuelle Situation und das weitere Vorgehen zu erläutern und sich ein Stimmungsbild der Vereine einzuholen – über 515 Vereinsvertreter nahmen an den Tagungen teil. Insgesamt gebe es zwar 17 unterschiedliche Varianten, drei Grundszenarien gelten aber als möglich. Wobei die erste Variante – eine Fortführung der Saison und deren Ende bis zum 30. Juni – laut Dusch „illusorisch“ sei. Durch das Kontaktverbot bis zum 3. Mai könnte der Spielbetrieb frühestens Mitte/Ende Mai wieder beginnen. „Das würde bedeuten, dass fast an jedem zweiten Tag gespielt werden müsste“, so der SBFV-Vizepräsident. „Die Variante ist vom Tisch.“

Bliebe Szenario zwei: Fortsetzung der Saison über den 30. Juni hinaus. Bei diesem Gedankenspiel wären die Wiederaufnahme und das Ende der Saison zwar unklar, zudem hätte es unmittelbare Auswirkungen auf die Saison 2020/21, doch der SBFV gewänne vor allem eins: Zeit. „Diese Variante birgt die größte Flexibilität“, erklärte Dusch und führte aus: „Es ist noch nicht sicher, ab wann der Ball wieder rollt. Daher ist auch die Durchführung der Saison 2020/21 nicht unbedingt gewährleistet.“ Mögliches Szenario: Der Fußball in Südbaden ruht bis auf Weiteres, sobald die Corona-Pandemie eingedämmt ist und der Bund und das Land Baden-Württemberg grünes Licht geben für Sportveranstaltungen, kann der Ball wieder rollen und die Saison zu Ende gebracht werden – falls nötig auch erst im nächsten Jahr. So hätte der SBFV einen sportlichen Wettstreit in Sachen Meisterschaft, Auf- und Abstiegsrennen ermöglicht. Einziger Wermutstropfen: Die Saison 2020/21 fiele ins Wasser. Zudem müssten noch abschließende Fragen hinsichtlich der Wechselfristen neu definiert werden.

Szenario drei: Abbruch der Saison. Was natürlich auch Fragen nach der Wertung nach sich ziehen würde. Von einer Annullierung über eine Vorrundenwertung bis hin zu einer Lösung wie im Handball – keine Absteiger, der Erste steigt auf – käme alles infrage. „Dieses Szenario beinhaltet aber höchste Haftungsrisiken für den Verband“, erklärte Dusch. Daher habe man gemeinsam mit dem BFV und dem WFV ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass Ende April vorliegen soll. „Wir tun uns schwer mit einem Abbruch“, gibt Dusch zu.

Was ist eigentlich mit den Pokal-Wettbewerben?

Sowohl im SBFV-Pokal als auch im Bezirkspokal stehen noch die Halbfinalpartien sowie das Finale an. Der Tag der Amateure am 23. Mai, an dem das Endspiel im SBFV-Pokal hätte stattfinden sollen, wurde gestern gecancelt, wie Schmidt mitteilte. „Natürlich streben wir eine sportliche Lösung an. Wir brauchen schließlich einen DFB-Pokalteilnehmer“, versicherte Pressesprecher Kratzner. Jedoch seien bis 31. August Großveranstaltungen verboten. Zwar sei eine genaue Zahl vom Land noch nicht definiert, aber dürfte bei 1 000 Menschen liegen. Zumindest bei einem der beiden SBFV-Halbfinals erwartet der Verband aber über 1 000 Zuschauer. „Daher wären auch Geisterspiele möglich, falls der Spielbetrieb vor Ende August wieder aufgenommen werden dürfte“, so Kratzner. Ein letztes Mittel wäre gar ein Losverfahren.

Wie geht es nun weiter?

Das weitere Vorgehen hängt vor allem von drei Faktoren ab: der Entwicklung der Corona-Pandemie in den nächsten Wochen und Monaten, den Entscheidungen der Behörden sowie den Abstimmungen auf DFB-, SFV- und OL-Ebene.

Wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Nicht in Bälde. „Der SBFV macht keinen Aktionismus. Wir wollen weiter sachlich an Lösungen arbeiten. Eine Entscheidung ist weiter offen“, sagte Präsident Schmidt abschließend.

Zum Artikel

Erstellt:
20. April 2020, 21:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 02sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.