Schmutziges Geld wird mit Luxusautos sauber

Baden-Baden/Rheinmünster (BNN) – Geldwäsche ist ein heißes Thema, sagt Ruben Schäfer. Er ist Geschäftsführer der Kfz-Innung Mittelbaden und gleichzeitig deren zertifizierter Geldwäschebeauftragter.

Ein Geldwäschegesetz gibt es in Deutschland bereits seit 1993, bei Geldgeschäften müssen unter anderem Banken und Versicherungen ganz genau hinschauen. Fotos: Ulrich Coenen

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Ein Geldwäschegesetz gibt es in Deutschland bereits seit 1993, bei Geldgeschäften müssen unter anderem Banken und Versicherungen ganz genau hinschauen. Fotos: Ulrich Coenen

Die Innung ist für die Region zwischen Karlsruhe und Bühl zuständig. „Bei uns wird so viel Geld gewaschen wie in wenigen anderen Ländern der Welt, weil Datenschutz und Eigentum hier gesetzlich einen hohen Stellenwert haben“, berichtet der Rheinmünsteraner Schäfer. In Italien werde der Ferrari eines Mafiosos rasch beschlagnahmt. In der Bundesrepublik gehe das nicht so ohne Weiteres. Schäfer schult die Mitglieder seiner Innung und sensibilisiert sie für die kriminellen Machenschaften des organisierten Verbrechens.

Ein Geldwäschegesetz gibt es in Deutschland bereits seit 1993, zuletzt im März 2021 ergänzt. Es verpflichtet Banken, Immobilienmakler, Versicherungen und Edelmetallhändler, bei Geschäften genau hinzuschauen, um Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu verhindern. Dass Autos ebenfalls beliebte Objekte für Geldwäsche sind, mag zunächst erstaunen. Schließlich sind Immobilien und Gold im Wert wesentlich beständiger als Luxuskarossen wie Mercedes oder BMW.

Typisches Beispiel für Geldwäsche

Für Gangster ist das kein Problem. „Will ein Krimineller eine Million Euro aus Drogengeschäften waschen, ist es für ihn egal, wenn am Ende nur noch 400.000 Euro übrig bleiben“, sagt Schäfer. „Die sind dann aber legal.“ Der Geschäftsführer nennt ein typisches Beispiel: Ein Krimineller bestellt bei einem Händler ein Luxusauto und bezahlt sofort. Zwei Wochen später tritt er vom Kauf zurück und verzichtet dabei - ohne mit der Wimper zu zucken - auf eine Abschlagszahlung von zehn bis 20 Prozent. Der Rest des Geldes wird vom Händler auf ein vom Kunden genanntes Bankkonto überwiesen und ist nun weiß. Die Quelle der Überweisung ist schließlich ein seriöses Autohaus.

„Es gibt auch andere Tricks“, erklärt Schäfer. Mit Geld aus kriminellen Geschäften werden Fahrzeuge in größerer Menge gekauft und anschließend über ein Firmengeflecht und ein halbes Dutzend Stationen europaweit hin und her geschoben. „Anschließend werden diese Neufahrzeuge als Reimporte oder angebliche Tageszulassungen 50 Prozent unter Neupreis zum Kauf angeboten“, sagt Schäfer.

Ruben Schäfer erlebt regelmäßig, dass Geldwäsche hierzulande ein heißes Thema ist. Foto: Ulrich Coenen

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Ruben Schäfer erlebt regelmäßig, dass Geldwäsche hierzulande ein heißes Thema ist. Foto: Ulrich Coenen

Das Vorgehen der Gauner ist raffiniert. „Eine junge Dame kauft beim Händler einen teuren Sportwagen und zahlt in bar“, berichtet Schäfer über einen Fall. „Den Wagen will sie angeblich ihrem Freund zum Geburtstag schenken. Dieser Freund ruft am nächsten Tag an und bittet um eine Änderung des Kaufvertrags, damit das Fahrzeug auf seine Firma zugelassen werden kann. Das ist ein Prostitutionsbetrieb. Dort findet wenige Wochen später eine Razzia der Polizei statt, weil organisiertes Verbrechen beteiligt ist.“

Vorschriften sind eigentlich klar

Jetzt kommt der Sportwagenhändler in Erklärungsnot. „Bei einem Unternehmen muss der Händler nämlich laut Geldwäschegesetz nicht nur den Geschäftsführer feststellen, sondern auch die Gesellschafter, also die Hintermänner“, erklärt Schäfer. „Eine Verdachtsmeldung an die Financial Intelligence Unit (FIU) wurde in diesem Fall versäumt. Die junge Dame war längst über alle Berge.“ Das hat Konsequenzen in Form einer sechsstelligen Strafzahlung für den Händler. Vor solch unangenehmen Überraschungen will Ruben Schäfer seine Kollegen in Mittelbaden schützen. „Jeder Betrieb braucht eine Risikoanalyse“, sagt er. „Gerade größere Händler mit verschiedenen Abteilungen wie Buchhaltung und Disposition sind gefährdet, von Kriminellen ausgetrickst zu werden.“

Die Vorschriften sind klar. „Der Händler braucht eine Ausweiskopie von jedem Kunden, der mit einer größeren Menge Bargeld bezahlt“, sagt Schäfer. Geld wird aber meist nicht über Privatpersonen, sondern über Unternehmen gewaschen. „Der Rechercheaufwand ist erheblich“, meint der Innungsgeschäftsführer. „Alle Alarmglocken müssen beispielsweise auch schrillen, wenn ein Mittelsmann ein Fahrzeug kauft und der Kaufpreis aus dem Irak überwiesen wird.“ Es besteht die Gefahr der Terrorismusfinanzierung. „Ich weiß von einem konkreten Fall, in dem eine Luxuslimousine bei einem Händler in Aachen übers Internet ohne vorherige Besichtigung gekauft und dann für ein Attentat in Belgien benutzt wurde“, sagt Schäfer. „Die Spur des Autos hat sich später im Kosovo verloren.“

Geldwäsche mit Autos stellt beim Polizeipräsidium Offenburg keinen Schwerpunkt bei den Ermittlungen dar. „Die Branchen der Geldwäsche sind mannigfaltig“, berichtet Pressesprecher Wolfgang Kramer. „Grundsätzlich ist jede Branche, in der hohe Geldsummen bewegt werden, geeignet. Wie viel Geld gewaschen wird, lässt sich nicht seriös beantworten. Die Dunkelziffer ist sehr hoch. Die Hintermänner sind meist im Verborgenen.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Ulrich Coenen

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Erstellt:
8. Dezember 2021, 14:17 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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