Schnaken-Flaute am Rhein: Warum es kaum Stechmücken gibt

Karlsruhe (BNN) – Trotz des Sommerwetters gibt es am Rhein derzeit ungewöhnlich wenig Stechmücken. Experten erklären, wie lange das noch anhält. Unterdessen gewinnt ein tropisches Virus an Bedeutung.

Nur die weiblichen Exemplare der Rheinschnake können stechen. Derzeit herrscht in der Region allerdings eine ungewöhnliche Stechmückenflaute. Foto: Patrick Pleul/dpa

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Nur die weiblichen Exemplare der Rheinschnake können stechen. Derzeit herrscht in der Region allerdings eine ungewöhnliche Stechmückenflaute. Foto: Patrick Pleul/dpa

Schnaken-Flaute am Rhein: Nach einer regelrechten Plage im vergangenen Jahr ist dieses Frühjahr kaum ein Surren und Stechen zu vernehmen. Trotz der Wärme kommen die „Wiesen- und Auwald-Stechmücken“, so die korrekte Bezeichnung, nicht in die Gänge.

Was Biergarten- und Baggersee-Besucher erfreut, kann Schnaken-Expertin Xenia Augsten bestätigen. „Wir haben nichts zu tun“, sagt die Sprecherin der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) mit Sitz in Speyer.

Der Grund: Warme Temperaturen sind für die Rheinschnake nur die halbe Miete. Sie braucht vor allem Wasser. Und davon gibt es seit Wochen zu wenig am Rhein und seinen Altrheinarmen. Der Stechmücken-Nachwuchs sitzt auf dem Trockenen.

Überschwemmungen für die embryonale Entwicklung

Die Rheinschnake, die über 80 Prozent der hiesigen Stechmücken ausmacht, gehört zu den Überschwemmungsmücken. Erst wenn der Wasserspiegel bis zum Ablageort der Eier ansteigt, kann der Nachwuchs seine embryonale Entwicklung starten.

Doch Überschwemmungen zeichnen sich derzeit nicht ab. „Es müssen schon länger anhaltende und kräftige Regenfälle sein, dass sich an der Situation etwas ändert“, betont die Kabs-Sprecherin. Der Referenzpegel des Rheins bei Maxau lag zuletzt bei 446 Zentimeter.

Genau vor einem Jahr sah das völlig anders aus. Mehrere Mai-Hochwasser hatten zu Pegelständen über sechs Meter und breiten Überschwemmungen in den Brutgebieten geführt. Die Bekämpfung wurde auch dadurch erschwert, dass für die Schnakenbekämpfer weite Bereiche nur noch per Hubschrauber erreichbar waren.

Schnakenbekämpfer haben mehr Zeit für die Tigermücke

Der Stoff, der seit vielen Jahren am Oberrhein zu Lande, zu Wasser und aus der Luft verteilt wird, heißt BTI, „Bacillus thuringiensis israelensis“, ein Bodenbakterium, das tödlich wirkt auf Mückenlarven, aber laut Kabs für andere Arten völlig ungefährlich und wirkungslos ist.

Während die Rheinschnake also derzeit Ruhe gibt, konzentrieren sich die Schnakenbekämpfer auf einen eingewanderten Gegner: die Asiatische Tigermücke. Im Gegensatz zu den heimischen Stechern gilt die schwarz-weiß gemusterte Art als möglicher Krankheitsüberträger.

Erstmals wurde die Tigermücke 2007 im Markgräflerland nachgewiesen und breitet sich seither auch in der Karlsruher Region aus. Funde gab es in der Vergangenheit unter anderem bei Heidelberg und Kehl. „Die Insekten sind meist in Autobahnnähe zu finden, weil sie aus dem Süden eingeschleppt werden“, erklärt Augsten.

Wie Hausmücken ist die Tigermücke auf Regentonnen, Teiche und andere kleine Wasserflächen angewiesen. Aktuelle Bekämpfungsaktionen finden laut Kabs derzeit bei Karlsruhe-Durlach, Graben-Neudorf, Ketsch und Hockenheim statt. Die Helfer verteilen das Schnakenmittel BTI per Hand möglichst in jeder Wasserfläche und sind dabei auf die Mithilfe von Hausbesitzern angewiesen.

West-Nil-Virus können auch heimische Mücken übertragen

Noch geht von der gestreiften Mücke keine besondere Gesundheitsgefahr in Deutschland aus, betont man beim Robert-Koch-Institut (RKI). „Das Erkrankungsrisiko durch Tigermücken ist sehr gering“, verdeutlicht RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher gegenüber den BNN.

Schließlich kann eine in Deutschland geschlüpfte Tigermücke einen Erreger nur verbreiten, wenn sie zunächst mit einem infizierten Reiserückkehrer zusammentrifft. Glasmacher: „Das ist derzeit sehr unwahrscheinlich. Selbst in Südfrankreich, wo Tigermücken häufiger vorkommen, der Import von Denguevirus-Fällen durch Reisende häufiger ist und das Klima noch heißer, sind solche Fälle sehr selten.“

Etwas anders sieht es mit dem West-Nil-Virus aus, das durch heimische Stechmücken übertragbar ist und grippeähnliche Symptome auslösen kann. Entsprechende Fälle sind derzeit allerdings ebenfalls selten. Dabei bildet nach Behördenangaben vor allem Ostdeutschland einen Schwerpunkt. Pascal Murmann, Sprecher des Landesgesundheitsministeriums sagte den BNN am Dienstag: „Stand heute ist kein Fall einer Ansteckung mit dem West-Nil-Virus in Baden-Württemberg bekannt.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Daniel Streib

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Erstellt:
11. Mai 2022, 11:10 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 55sec

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