Schnelle Klarheit nach dem Gurgeln

Baden-Baden (hol) – Ein Arzt in Baden-Baden hat einen speziellen Corona-Test entwickelt und untersucht die Proben in einem eigenen Labor. Der Vorteil: Das Ergebnis gibt es nach wenigen Stunden.

Dr. Sven Gehrke und MTA Claudia Förderer testen im neu eingerichteten Labor im Medical Center Gurgellösung und Blutserum auf Coronaviren. Foto: Harald Holzmann

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Dr. Sven Gehrke und MTA Claudia Förderer testen im neu eingerichteten Labor im Medical Center Gurgellösung und Blutserum auf Coronaviren. Foto: Harald Holzmann

Wer sich auf Corona testen lässt, muss in der Regel mehrere Tage auf das Ergebnis warten. Doch es geht auch schneller. Der Baden-Badener Mediziner Dr.Sven Gehrke hat eine verblüffend einfache Testmethode entwickelt, bei der Patienten noch am selben Tag ein sicheres Ergebnis bekommen.

Wer sich mit Gehrke über Corona unterhält, kann schnell den Überblick verlieren. Der 51-jährige Mediziner, der vielen Baden-Badenern mit seiner Praxis im Medical Center in der Beethovenstraße als Experte für Magen- und Darmerkrankungen bekannt sein dürfte, ist auch beim Thema Covid-19 stets auf dem neuesten Stand. „Klinische Infektiologie gehörte zu meiner Facharzt-Ausbildung“, sagt er. Um die Jahrtausendwende habe er an der Uniklinik Heidelberg ein molekulargenetisches Labor mit aufgebaut und im Rahmen seiner Habilitation ein Verfahren zum Nachweis von genetischen Sequenzen etabliert. Die damals erworbenen Kenntnisse kommen ihm jetzt zugute.

Sicherheitslabor eine Etage über der Praxis

„Es hat mich gestört, dass es in Deutschland kein standardisiertes Verfahren für den Nachweis von Corona gibt“, sagt er. Die üblichen Nasen- und Rachen-Abstriche seien nur bedingt aussagekräftig. Also entwickelte er ein Testverfahren mithilfe von Gurgelwasser. „Das ist beispielsweise in Österreich Standard“, so Gehrke.

Möchte jemand einen schnellen Corona-Test absolvieren, genügt zunächst ein Griff zum Telefon. Es wird ein Termin vereinbart. Ein Mitarbeiter der Praxis kommt zum Patienten nach Hause – mit einem Behälter Gurgelwasser. „Der Patient muss zunächst fünfmal in die Ellenbogenbeuge husten, um eventuell vorhandene Viren aus der Lunge zu bekommen. Dann wird gegurgelt“, beschreibt Gehrke das Vorgehen.

Ein Teil der dabei gewonnenen Lösung wird dann per Kanüle einer anderen Flüssigkeit zugeführt, die eventuell vorhandene Krankheitserreger unschädlich macht und zugleich konservierend wirkt. Nun bringt der Fahrer die Proben wieder zum Medical Center. Wahlweise können die Patienten auch bei der Praxis vorfahren, dürfen im eigenen Auto gurgeln und eine Mitarbeiterin nimmt die Proben entgegen – „wir wollen nicht, dass Menschen, die möglicherweise an Covid-19 erkrankt sind, ins Haus kommen“, sagt Gehrke.

Im Medical Center werden die Proben am gleichen Tag von Gehrkes Mitarbeiterin Claudia Förderer auf Coronaviren getestet. Das Ergebnis gibt es dank eines sehr empfindlichen, von Gehrke entwickelten Analyseverfahrens wenige Stunden später – per Telefon oder online. Förderer, eine erfahrene medizinisch-technische Assistentin (MTA), arbeitet eine Etage über Gehrkes Praxis. Dort hat der Arzt zusammen mit Kollege Professor Wolfgang Stremmel ein Sicherheitslabor eingerichtet, in dem derzeit 40 sogenannte Sputum-Proben pro Tag getestet werden können. Ergänzend sei es auch möglich, den Patienten Blut zu entnehmen und den Corona-Wert im Blutserum zu bestimmen, sagt Gehrke.

Corona-Bekämpfung: Lüften und Maske sind A und O

Ein Ehepaar, das am Vortag aus Tschechien eingereist war und morgen wieder arbeiten gehen will, hat heute früh gegurgelt – und nach wenigen Stunden die Sicherheit: „Die beiden sind coronafrei“, sagt Gehrke. „Die rufe ich jetzt gleich an. Dieser Service hat seinen Preis. 130 Euro verlangt Gehrke pro Patient – „ein fairer Betrag, wenn man bedenkt, welchen Aufwand wir haben“, sagt der Mediziner. Die Krankenkassen zahlen das Testverfahren nicht. Trotzdem ist Gehrke überzeugt, dass der Bedarf für sein Angebot da ist. „Ich gehe davon aus, dass es genug Leute gibt, die schnell einen Test brauchen“, sagt er.

Der Gurgeltest weist Coronaviren (rot) nach, nicht aber die Antikörper. Symbolfoto: NIAID-RML/AP/dpa

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Der Gurgeltest weist Coronaviren (rot) nach, nicht aber die Antikörper. Symbolfoto: NIAID-RML/AP/dpa

Im Gegensatz zu den Antikörper-Schnelltests werden bei ihm übrigens nicht Antikörper nachgewiesen (die sich manchmal eben auch nicht bilden), sondern tatsächlich vorhandene Viren. „Und zwar nicht nur, wenn man gerade in der Hochphase der Krankheit steckt, sondern auch ganz am Beginn der Infektion und beim Abklingen“, betont Gehrke. Die Trefferquote sei deutlich höher. Sein Verfahren sei einfacher und sicherer. „Wenn die Nachfrage groß ist, bauen wir das Labor aus“, sagt er.

Und was rät der Corona-Experte den Baden-Badenern, um die kommenden Wochen möglichst gesund zu überstehen? Da gibt es für ihn keinen Kompromiss: Lüften und Maske seien das A und O, sagt er. Das sei auch das Ergebnis einer von ihm vorgenommenen Versuchsreihe. „Wir müssen uns zusammenreißen“, meint er. „Es ist schließlich nicht zu viel verlangt, sich an diese Vorgaben zu halten.“

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