Schnupfen ist kein Grund für Kita-Ausschluss

Rastatt (fk) – Nur wegen eines Schnupfens sollen Kinder nicht vom Kita-Besuch ausgeschlossen werden. Das macht das Rastatter Gesundheitsamt in einer Handlungsempfehlung deutlich, die dem BT vorliegt.

Ein alleiniger Schnupfen ist nicht als Symptom der Erkrankung Covid-19 zu bewerten. Sofern das Kind, außer dem Schnupfen, keine weiteren Beeinträchtigungen zeigt, darf es weiterhin in der Einrichtung betreut werden. So bewertet es etwa die Stadt Baden-Baden. Monika  Skolimowska/dpa

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Ein alleiniger Schnupfen ist nicht als Symptom der Erkrankung Covid-19 zu bewerten. Sofern das Kind, außer dem Schnupfen, keine weiteren Beeinträchtigungen zeigt, darf es weiterhin in der Einrichtung betreut werden. So bewertet es etwa die Stadt Baden-Baden. Monika Skolimowska/dpa

Rastatt/Baden-Baden – Wenn man die Corona-Krise mit einem Wort beschreiben müsste, wäre die „Unklarheit“ sicher weit vorne. So ist aus Elternkreisen in Mittelbaden zu hören, dass Kinder vorsorglich nicht ins Schwimmbad geschickt werden oder anderweitig zu Hause bleiben, um bei den Kleinen keinen Schnupfen zu riskieren, denn mit einem solchen sei ein Kitabesuch unmöglich, da eine Corona-Erkrankung nicht ausgeschlossen werden könne.

Doch das ist falsch, betont das Rastatter Gesundheitsamt in einer Handlungsempfehlung an die mittelbadischen Einrichtungen, die dem BT vorliegt. Darin heißt es unter Berufung auf das Landesgesundheitsamt: „Typische Krankheitssymptome einer Corona-Virusinfektion sind namentlich Fieber, Husten, Halsschmerzen sowie Geruchs- und Geschmacksstörungen“. Ein Schnupfen wird nicht genannt.

Wie BT-Recherchen weiter ergaben, werten die hiesigen Kommunen im Regelfall einen solchen auch nicht als Ausschlusskriterium für ihre Kitas. Aus Baden-Baden etwa heißt es: „Ein alleiniger Schnupfen ist (...) nicht als Symptom der Erkrankung Covid-19 zu bewerten. Sofern das Kind, außer dem Schnupfen, keine weiteren Beeinträchtigungen zeigt, darf es weiterhin in der Einrichtung betreut werden.“ Aus Rastatt kommt eine fast gleichlautende Antwort.

Allerdings, so machen die Behörden in der Barockstadt ergänzend klar, war das lange ungewiss. Erst am 9. Juli habe das Rastatter Gesundheitsamt auf eine entsprechende Anfrage hin mitgeteilt, dass ein Schnupfen kein typisches Corona-Symptom sei.

Attest mitunter schwer zu bekommen

Die Behörden in Baden-Baden und Rastatt widersprechen damit in Teilen auch einem Schreiben des SPD-Landtagsabgeordneten Jonas Weber an Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne). Weber schreibt darin: „Kinder mit Schnupfen dürfen Kinderbetreuungseinrichtungen nur besuchen, wenn ein Attest vom Arzt vorliegt, dass das Kind Corona-frei ist. Diese Bescheinigung kann ein Kinderarzt ohne Testung jedoch nicht ausstellen, auch wenn er sich sicher ist, dass es sich um einen normalen Schnupfen handelt. Eltern sehen sich in dieser Situation erheblichen Schwierigkeiten gegenüber.“ Ein solches Attest ist aber den Behörden zufolge nur nötig, wenn das Kind an einem der „eindeutigen Corona-Symptome“ leide.

Denn, so unterstreicht Jörg Böhmer, Kundenbereichsleiter Kindertagesbetreuung bei der Stadt Rastatt, „nach Paragraf 6 der Corona-Verordnung-Kita gilt für Personen, die Symptome eines Atemwegsinfekts oder erhöhte Temperatur oder Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns aufweisen, ein Betretungsverbot. Ausnahme: Kinder mit Vorerkrankungen, die ähnliche Krankheitssymptome wie bei Covid-19 verursachen können, können betreut werden, wenn Ärzte eine Unbedenklichkeit attestieren.“

Böhmer erklärt gegenüber dem BT, dass dies – wie unter anderem auch von Weber bemängelt – nicht immer problemlos möglich sei. Die Stadtverwaltung erreichten unterschiedliche Rückmeldungen von Eltern zur Bereitschaft von Kinderärzten, Atteste auszustellen. Demnach verlangten einige Ärzte hierfür eine Gebühr, einige verweigerten auch Atteste. Unter anderem Rastatt hat ebenso wie andere Kommunen deshalb ein eigenes Formular erstellt, auf dem Eltern etwa dafür unterschreiben müssen, dass ihr Kind keine Covid-19-Symptome aufweise.

Generell, das macht die Stadt Baden-Baden abschließend deutlich, gebe es beim Umgang mit Erkrankungen unabhängig von Covid-19 bei den verschiedenen Trägern und in den einzelnen Einrichtungen aber unterschiedliche Vorgehensweisen.


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