Schock in Elchesheim-Illingen

Elchesheim-Illingen (as) – Die Sportplatz-Kündigung in Elchesheim-Illingen sorgt für Aufruhr. Die Reaktionen reichen von Verständnis für die Gemeinde bis zu Sorge um den Fortbestand des RWE.

Wie lang rollt in Elchesheim noch der Ball, fragen sich viele nach der Sportplatz-Kündigung. Foto: Frank Vetter/Archiv

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Wie lang rollt in Elchesheim noch der Ball, fragen sich viele nach der Sportplatz-Kündigung. Foto: Frank Vetter/Archiv

Verständnis für die Gemeinde, Verständnis für die Haltung des Fußballvereins Rot-Weiß Elchesheim (RWE), Sorgen um dessen Fortbestand und ratloses Schulterzucken bei der Jugendleitung – sehr unterschiedlich fallen die Reaktionen auf die Kündigung der Nutzung des Elchesheimer Sportplatzes zum 30. Juni 2021 aus.

Der erste Kommentar zum BT-Bericht auf Facebook ist kurz, aber eindeutig: „Krass“. Ein anderer User schreibt: „Ich finde es traurig, dem eigenen Verein zu kündigen“.

Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer

Die Neuigkeit aus dem BT verbreitet sich am Mittwochabend wie ein Lauffeuer im Ort. Viele sind geschockt – auch wenn die Kündigung von der Gemeinde bereits im Januar gegenüber dem BT angekündigt worden war. „Eine Saison noch, dann müssen sie weichen“, hatte Bürgermeister Rolf Spiegelhalder vor sechs Wochen gesagt, dass spätestens 2022 Schluss sein soll. Der jetzige Kündigungstermin 30. Juni 2021 würde dem Verein, der in der Landesliga spielt, jedoch noch nicht einmal das ermöglichen – es sei denn, der RWE wäre zu einem Gespräch über den Umzug nach Illingen bereit. Unter dieser Maßgabe wäre man willig, über eine Nutzungsverlängerung für diese Saison zu sprechen, heißt es im Kündigungsschreiben der Gemeinde.

Diese will wie beschlossen das Baugebiet „Bachstück“ weiter verfolgen, bei dem Teile des Sportplatzes Elchesheim überplant werden. Parallel dazu werde man den Hartplatz in Illingen sanieren und daraus einen Rasenplatz mit Flutlicht und Beregnung machen, hatte Spiegelhalder schon im Januar erklärt. Dort trainieren seit 2019 die RWE-Jugendmannschaften. Für die Maßnahme sind im mittlerweile verabschiedeten Haushaltsplan 2021 611.000 Euro bereitgestellt.

Jugendleitung nicht vom Vorstand informiert

Geschockt zeigt sich gestern die Jugendleitung des Rot-Weiß – vor allem auch darüber, dass sie aus dem BT und nicht vom Vereinsvorstand von der Kündigung erfahren hat. Wie es nun weitergeht, werde er derzeit überall gefragt, berichtet Uli Schäfer vom vierköpfigen Jugendleiterteam. Seine Antwort? „Ich habe keine Ahnung!“ Eltern, Trainer und die diversen Spielgemeinschaften – „alle wollen wissen, wie es weitergeht, aber wir wissen es selber nicht“, berichtet er von „Funkstille“ zur Vereinsleitung. Zusätzliche Brisanz bekommt das Thema, weil nun die Aussicht besteht, dass die Vereine nach dem langen Lockdown wieder trainieren dürfen.

Jugendleitung in der Zwickmühle


Die Jugendleitung sieht sich in der Zwickmühle, entweder bei der Gemeinde oder dem Vereinsvorstand unter Beschuss zu geraten. Zuletzt hatte der Hauptverein angekündigt, nach dem anhaltenden Zwist in der Sportstättenfrage die Jugend nach Elchesheim zurückholen zu wollen (das BT berichtete). Die Jugendleitung sieht dabei allerdings ganz praktische Probleme: Die rund 100 Kinder von Bambini bis zur E-Jugend (teils in Spielgemeinschaften) würden mindestens zwei Rasenplätze fürs Training benötigen. Selbst mit Ausweichmöglichkeiten in Spielgemeinschaften oder auf andere Plätze im Umland würde das schwierig, fürchtet Schäfer. Auch diesbezüglich warte man noch auf Signale vom Vorstand.

„Wir machen das für die Kinder und nicht für den Rot-Weiß“, fasst Schäfer die Gefühlslage der 21 ehrenamtlichen Trainer und Betreuer in Worte: „Mir ist egal, wo wir kicken“. Gleichwohl habe er für RWE-Vorsitzenden Dieter Link Verständnis: „Der Rot-Weiß ist sein Baby. Ich würde mich auch mit Händen und Füßen wehren, wenn man mir mein Kind wegnehmen will.“

Dennoch wäre die Jugendleitung froh, wenn RWE und Gemeinde sich doch noch einigen könnten. Die Juristen haben jetzt das Wort. Ein Facebook-Kommentator fordert diesbezüglich vom RWE, „endlich konstruktiv in die Planungen des neuen Standortes“ statt in Anwälte zu investieren.

Jugendabteilung soll kein eigener Verein werden

Schäfer befürchtet, dass mit der Kündigung der Niedergang des Vereins eingeläutet wurde, denn der nun möglicherweise drohende Rechtsstreit werde vermutlich lange dauern und den Verein lähmen.

Aus der Jugendabteilung einen eigenen Verein zu machen, der in Illingen spielt, hält er für nicht machbar. „Wir sind alle berufstätig und haben Familie, das könnten wir ehrenamtlich nicht auch noch stemmen“, sagt er mit Blick auf das Jugendleiterteam, das sich die Arbeit jetzt schon zu viert aufteile. Er befürchtet nun Abwanderungen von Trainern, Betreuern und Kindern infolge der ungewissen Situation.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
4. März 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 02sec

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