Schon wieder Kurzarbeit bei Daimler

Rastatt (tas) – Das Problem fehlender Elektronikbauteile in der Automobilindustrie hält an. Daimler drosselt darum kommende Woche die Produktion im Werk Rastatt.

Mercedes-Produktion im Werk Rastatt: In der kommenden Woche müssen Mitarbeiter des Standorts erneut in Kurzarbeit. Foto: Daimler

© Daimler AG

Mercedes-Produktion im Werk Rastatt: In der kommenden Woche müssen Mitarbeiter des Standorts erneut in Kurzarbeit. Foto: Daimler

Die Lieferengpässe bei Halbleitern sorgen in der Automobilindustrie auch weiterhin für schwierige Rahmenbedingungen. Egal ob Volkswagen, Opel, Ford oder Toyota. Alle mussten schon im aktuell eigentlich sehr gut laufenden Autogeschäft ihre Produktion drosseln, weil wichtige elektronische Bauteile innerhalb der Lieferkette teilweise nicht verfügbar waren.

Auch beim Stuttgarter Daimler-Konzern ist die Chipknappheit ein Dauerproblem, das die Bänder immer und immer wieder ins Stocken bringt. Wie Daimler gestern auf Anfrage des Badischen Tagblatts mitteilt, werden in der kommenden Woche die Werke in Rastatt, Bremen und Sindelfingen erneut die Produktion ihrer Mercedes-Modelle herunterfahren und einen Teil ihrer Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. „Die Situation ist weiterhin volatil. Wir fahren auf Sicht“, äußert sich Daimler-Sprecher Tobias Brandstetter gegenüber dem BT. Eine Prognose, wann sich der Engpass bei Halbleitern auflösen wird, sei derzeit nicht möglich.

Klar ist aber: An der Situation dürfte sich so schnell erst einmal nichts ändern. Denn bis Chiphersteller in die Erweiterung ihrer Fertigungskapazitäten investiert haben, und die neuen Produktionsstraßen stehen, vergehen viele Monate. „Insbesondere die Engpässe bei den Halbleitern werden wohl noch eine Weile anhalten“, sagt daher Oliver Falck, Leiter des Münchner Ifo-Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Chipkrise könne bis zum Jahr 2022 anhalten

Auch der Chef des Chipherstellers Infineon, Reinhard Ploss, rechnet nicht mit einer schnellen Entspannung am Markt. Die Chipkrise könne bis zum Jahr 2022 anhalten, sagte er jüngst der „Wirtschaftwoche“. Ploss sieht auch in den niedrigen Preisen für Chips einen der Gründe für die Knappheit am Markt. Bei manchen Bauelementen habe sich die Industrie daran gewöhnt, dass sie sie sehr billig kriegen, sagte er der „Wirtschaftwoche“. „Wenn die Chips zu sehr niedrigen Preisen gehandelt werden, dann ist der Anreiz, mehr Kapazitäten zu schaffen, sehr gering.“

Daimler macht der Halbleiter-Mangel schon seit Jahresbeginn zu schaffen. Bereits im Januar hatte der Autobauer Störungen in der globalen Lieferkette gemeldet und das Rastatter Werk zeitweise für Tage heruntergefahren. Für die Mitarbeiter wurde Kurzarbeit beantragt. Dasselbe Spiel im April und Mai, Juli und August. Auch hier musste die Produktion zeitweise drastisch gedrosselt werden. Die Standorte Bremen, Sindelfingen und Kecskemet (Ungarn) waren ebenfalls von Anpassungen in der Fertigung betroffen.

Konzern fährt mit angezogener Handbremse

Für den Autobauer sind die Unterbrechungen aktuell mehr als ärgerlich. Denn nach dem Einbruch der Verkaufszahlen während der Lockdowns im vergangenen Jahr, erreicht der Stuttgarter Konzern derzeit wieder gute Absatzmarken. Allein im zweiten Quartal 2021 setzte Daimler mehr als 736.000 Fahrzeuge ab, ein Plus von 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Auf Jahressicht muss der Konzern aufgrund der Hindernisse jedoch mit angezogener Handbremse fahren. „Mercedes-Benz Cars erwartet für das Gesamtjahr 2021 nun einen Absatz auf dem Niveau des Vorjahres. Durch die aktuelle Halbleitersituation dürfte unser Absatz auch im weiteren Jahresverlauf belastet sein“, steht im Zwischenbericht.

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
27. August 2021, 07:00 Uhr
Lesedauer:
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