Schreckgespenst PFC soll außen vor bleiben

Weisenbach (stj) – Bei einem teilweise emotionalen Infoabend im Naturfreundehaus hat die Bürgerinitiative Trinkwasser Weisenbach/Au am Dienstag die Beweggründe für ihr Bürgerbegehren erläutert.

Edler Tropfen: Noch lebt Weisenbach mit seiner Quellwasserversorgung „auf einer kleinen Insel der Glückseligen“. Diese will die Bürgerinitiative auf keinen Fall verlassen und fordert, auf jeden Fall PFC-frei zu bleiben. Foto: Stephan Juch

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Edler Tropfen: Noch lebt Weisenbach mit seiner Quellwasserversorgung „auf einer kleinen Insel der Glückseligen“. Diese will die Bürgerinitiative auf keinen Fall verlassen und fordert, auf jeden Fall PFC-frei zu bleiben. Foto: Stephan Juch

Hitzeperioden werden häufiger, länger und heftiger; Regen kommt öfter als Starkregen denn als Dauerregen runter: Beides führt dazu, dass die Böden immer trockener werden, weil mehr verdunstet oder abfließt. Das Grundwasser wird nicht nur immer knapper, sondern ist teils auch noch verschmutzt, wie hier in Mittelbaden durch per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC). Die Gemengelage ist für die Versorger ein Problem. Das zeigt sich auch in Weisenbach, obwohl es in der kleinen Gemeinde eine unbelastete Trinkwasserversorgung über Quellen gibt.

„Wir leben aktuell auf einer Insel der Glückseligen“, stellte Friedbert Fellmoser am Dienstagabend im Naturfreundehaus fest. Er gehört zu den Vertrauenspersonen der Bürgerinitiative Trinkwasser Weisenbach/ Au, die derzeit über ein Bürgerbegehren verhindern will, dass ihr Ort über eine Ersatzwasserleitung an das Netz der Stadtwerke Gernsbach angeschlossen wird. Damit, so die Befürchtung der BI, „würden wir diese Insel verlassen“. Denn Gernsbach wiederum bezieht sein Wasser von den Stadtwerken Gaggenau – und die bekommen es von Brunnen aus Muggensturm und Bietigheim, also aus der Rheinebene, deren Böden großflächig mit PFC verseucht sind.

Über die Ausmaße dieser Verschmutzung, die komplexen Zusammenhänge der Wasserversorgung, gesundheitliche Aspekte und Möglichkeiten, Weisenbach PFC-frei zu halten, informierte die BI jetzt den Gemeinderat und die Bürger, die über ein Online-Format den Ausführungen im platzbegrenzten Naturfreundehaus folgen konnten. 20 machten davon Gebrauch – und wurden Zeuge einer teils emotionalen Diskussion.

„Die Bevölkerung wachgerüttelt“

Angesichts circa 4,5 Millionen Tonnen verseuchten Mutterbodens scheint die PFC-Geschichte in Mittelbaden eine unendliche zu werden, befürchtete Fellmoser und betonte: „Wir wollen nicht Teil dieser Geschichte werden.“ Hintergrund der Sorge um eine Ersatzwasserleitung nach Gernsbach, durch die PFC-verunreinigtes Wasser nach Weisenbach kommen könnte, ist ein Strukturgutachten. Das wurde vom Büro RBS wave GmbH (Ettlingen) im Auftrag der Gemeinde erstellt und listet 16 Handlungsempfehlungen auf – eine davon ist die Ersatzwasserversorgung. Dass man eine solche in Weisenbach überhaupt in Erwägung ziehen könnte, steht allerdings noch gar nicht fest. Vielmehr ist die Kommunalpolitik erst am Anfang eines Prozesses, in dessen Verlauf die 16 Empfehlungen aus dem Gutachten geprüft und gewichtet werden, ehe über deren (teilweise) Umsetzung Beschluss gefasst wird.

Der Weg dahin sollte von Beginn an zusammen mit den Bürgern gegangen werden, versicherte Bürgermeister Daniel Retsch und verwies auf das Bürgerforum, das die Gemeinde am 26. April zu eben diesem Thema veranstaltet. „Es ist noch gar nichts passiert, diese Sorge kann ich Ihnen nehmen“, so Retsch. Und der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Florian Bleier ergänzte: „Bei uns sagt niemand, wir wollen jetzt das Gernsbacher Wasser.“ Sein Fraktionskollege Marco Krämer betonte, man sei im Gemeinderat froh und dankbar für das Engagement der BI, auf der anderen Seite stehe man für eine konstruktive Zusammenarbeit – „und die kann ich in den letzten Wochen nicht erkennen“. Damit meinte er das in die Wege geleitete Bürgerbegehren, das heute auf der Tagesordnung des Gemeinderats steht, und nannte „den Zeitpunkt falsch, um in die Offensive zu gehen“. Diese Einschätzung teilten der Bürgermeister und der Rest des Gemeinderats.

Kein Misstrauen gegenüber der Gemeinde

Nicht so die übrigen Anwesenden. So meinte Gerd von Wedemeyer, die BI habe die Bevölkerung wachgerüttelt, das sei aber nicht als Misstrauen gegenüber der Gemeinde zu verstehen. Das bestätigte Andreas Irth, der sich über die ausgetragenen Wortgefechte im Naturfreundehaus wunderte, schließlich wollten doch alle dasselbe. Und Rüdiger Oppermann erklärte zum Bürgerbegehren: „Wir, die Bürger, wollen in demokratischer Basisentscheidung unser sauberes Trinkwasser erhalten.“


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