Schülerzahl in der Kurstadt steigt leicht an

Baden-Baden (nof) – Die Schülerzahl in der Kurstadt ist zwar wieder leicht angestiegen. Die städtische Realschule und die beruflichen Schulen verzeichnen aber ein Minus.

17 mehr als im Vorjahr: 1.539 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die Grundschulen in städtischer Trägerschaft. Foto: Robert Michael/dpa

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17 mehr als im Vorjahr: 1.539 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die Grundschulen in städtischer Trägerschaft. Foto: Robert Michael/dpa

Die Zahl der Schüler in Baden-Baden ist im Vergleich zum Vorjahr um acht auf 8.121 gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Schülerzahlenbericht der Stadtverwaltung hervor. Aufgrund der zahlreich aus der Ukraine in Baden-Baden angekommenen Kinder und Jugendlichen planen das Staatliche Schulamt sowie das Regierungspräsidium die Einrichtung weiterer Vorbereitungsklassen (VKL), sowohl im Primar- als auch im Sekundarbereich.

Entsprechende Stellen sind zur sofortigen Besetzung ausgeschrieben. Die Verwaltung unterstützt das Staatliche Schulamt bei der Suche nach geeignetem Personal und Räumen für den Unterricht in ukrainischer und deutscher Sprache. Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre ohne Deutsch-Vorkenntnisse besuchen laut Verwaltungsvorlage zunächst eine VKL, um die deutsche Sprache zu erlernen, „danach werden sie in die ihren Voraussetzungen und Kompetenzen entsprechenden Schularten/Regelklassen integriert“. In Baden-Baden gibt es im Schuljahr 2021/22 fünf Vorbereitungsklassen an den Grund- und Werkrealschulen mit insgesamt 103 Schülern.

Laut Schulstatistik sind die Gesamtschülerzahlen an den Schulen in städtischer Trägerschaft im Vergleich zum Vorjahr ganz leicht um 23 Schüler auf 6.502 gesunken (im Vorjahr ein Minus von 254 Schülern). An den Schulen in privater oder kirchlicher Trägerschaft gibt es hingegen 49 Schüler mehr als im vorigen Schuljahr.

In privaten Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) sind 229 Schüler erfasst (18 Schüler mehr im Vergleich zum Vorjahr), 85 sind es an der Theodor-Heuss-Schule (SBBZ). Der Rückgang der Schülerzahlen an den Werkrealschulen (minus sechs) und an der städtischen Realschule (minus 34 Schüler) hat sich laut Verwaltung fortgesetzt. Dafür haben die Grundschulen 17 und die Gymnasien in städtischer Trägerschaft 64 Schüler hinzugewonnen.

Der Rückgang der Schülerzahlen an den beruflichen Schulen sei zwar noch nicht gestoppt (minus 66 Schüler), falle aber weitaus geringer aus als noch im Vorjahr (minus 224 Schüler).

Corona-Pandemie wirkt nach

Als ein Grund für den Schülerrückgang werden die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf verschiedene Berufszweige genannt. „Insgesamt sind die Auswirkungen der Pandemie auf dem Ausbildungsmarkt noch spürbar“, heißt es in dem Bericht.

An den Grundschulen in städtischer Trägerschaft werden im laufenden Schuljahr 1.539 Kinder beschult (plus 17 zum Vorjahr). Die private Grundschule am Pädagogium verzeichnet ebenfalls einen Anstieg um 17 Kinder auf 186.

Die Gesamtschülerzahl an den beiden Werkrealschulen (WRS) ist laut Bericht „stabil und hat sich lediglich um sechs Schüler verringert“ – davon fünf an der WRS Lichtental und einer an der Theodor-Heuss-Werkrealschule. Dort sei die Schülerzahl seit dem Schuljahr 2011/12 gestiegen und schwanke um die aktuelle Zahl von 210 Schülern. Anders in Lichtental: Dort hat sich die Schülerzahl seit dem Schuljahr 2011/12 fast halbiert (aktuell 122 Schüler).

Die Anzahl der Realschüler an Schulen des städtischen und privaten Trägers in Baden-Baden ist im laufenden Schuljahr um 23 Schüler gesunken.

An der Realschule in städtischer Trägerschaft ist die Schülerzahl bis zum Schuljahr 2019/20 noch gestiegen. Seither ist jedoch ein Rückgang zu verzeichnen (minus 28 beziehungsweise aktuell minus 34 Schüler). Dieser sei dadurch bedingt, dass in der 10. Klasse mehr Schüler abgehen, als in die 5. Klasse eingeschult werden. Die private Realschule am Pädagogium hat nach dem vorübergehenden Rückgang im vergangenen Jahr (minus acht) in diesem Schuljahr wieder einen Zuwachs (plus elf) zu verzeichnen.

Erstmals wieder G9-Abitur am MLG

An den allgemeinbildenden Gymnasien ist die Zahl der Schüler um 79 gestiegen. Am Markgraf-Ludwig-Gymnasium (MLG) wird es zum Ende dieses Schuljahres erstmals wieder ein Abitur nach neun Schuljahren (G9) geben. Zur Unterbringung der Schüler waren dort die zusätzlichen Unterrichtsräume in der Containeranlage notwendig.

Am privaten allgemeinbildenden Gymnasium Pädagogium ist die Schülerzahl gesunken (minus elf), während am Gymnasium Klosterschule vom Heiligen Grab ein Anstieg zu verzeichnen ist (plus 26).

614 Schüler beim Mittagstisch

Im Schuljahr 2021/22 sind an den städtischen Schulen 192 (Vorjahr: 181) Gruppen zur Betreuung vor und nach dem regulären Unterricht eingerichtet. So sind zum Beispiel 326 Grundschüler (Vorjahr: 329) zur Frühschicht und 706 Schüler (Vorjahr: 651) zur Spätschicht der Kernzeitenbetreuung angemeldet. An der Vincentischule sowie an den Schulen Haueneberstein, Oos, Sandweier, Varnhalt und Ebersteinburg gibt es in der Mittagszeit einen stark angestiegenen Betreuungsbedarf (insgesamt plus 55), heißt es im Bericht des Fachgebiets Schule und Sport. Wegen der großen Nachfrage erweitert die Vincenti-Schule ihre Ganztagskapazitäten zum kommenden Schuljahr um 15 Plätze. Die Teilnehmerzahlen am Mittagstisch sind schulübergreifend von 460 auf 614 Kinder gestiegen.

Hellseher wäre hilfreich

BT-Redakteur Nico Fricke kommentiert: Wer für die Schulen plant, plant für die Zukunft. Und da wäre ein Hellseher mit klaren Aussagen, was in zwei, fünf oder zehn Jahren bildungstechnisch vonnöten sein wird, eine echte Hilfe. Aber solch einen Mitarbeiter kann das Rathaus seinen Bediensteten beim Fachgebiet Schule und Sport leider nicht an die Seite stellen. So kann dort zwar prognostiziert werden, wie sich die Schülerzahlen und damit die (Raum)-Bedarfe vermutlich entwickeln. Doch Unvorhersehbares wie Corona-Pandemie oder ein Flüchtlingsansturm in Folge des Ukraine-Krieges können da auch schnell wieder einen Strich durch die Rechnung machen beim Versuch, eigentlich immer einen Schritt voraus zu sein und Trends frühzeitig zu erkennen. Zwei Aufgaben für die kommenden Jahre stehen aber auch ohne Hellseher fest: Der Ausbau der Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich muss noch weiter forciert werden – die Nachfrage ist jetzt schon hoch. Ab dem Schuljahr 2026/27 haben Eltern zusätzlich einen Rechtsanspruch auf solche Plätze für ihre Kinder. Und kräftig investiert werden muss in veraltete Gebäude und Infrastruktur: Da gibt es noch einige offene Baustellen, um Versäumnisse aufzuarbeiten. Damit Schüler nicht mehr in Containern unterrichtet werden müssen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
19. April 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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