Schule ohne Lockdown

Von Daniel Melcher

Rastatt (dm) – Alle Schulen geschlossen? Von wegen. Die Pädagogen der Pestalozzi-Schule müssen weiter vor Ort unterrichten – unter erschwerten Bedingungen.

Schule ohne Lockdown

Nähe ist in dem pädagogischen Konzept der Einrichtung für Kinder mit geistigem Handicap nicht vermeidbar. Grundstufenschüler haben keine Maskenpflicht. Foto: Schule

Schule in Zeiten der Pandemie: Eine große Herausforderung. Umso mehr für solche, die seit den Weihnachtsferien trotz des Lockdowns geöffnet sind und – in der breiten Öffentlichkeit und der aktuellen Diskussion kaum wahrgenommen – unter erschwerten Bedingungen Präsenzunterricht anbieten. Die Pestalozzi-Schule Rastatt etwa.Die Einrichtung, früher als Sonderschule bezeichnet, heute offiziell als Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum, betreut im Ganztagsbetrieb Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. Und deshalb ist sie, entsprechend einer Entscheidung der Landesregierung, im Gegensatz zu anderen Schulen auch derzeit nicht geschlossen.

Die Situation ist alles andere als einfach: Einerseits hat man im Kollegium Verständnis dafür, denn „es ist unsere Aufgabe, unsere Schüler zu unterrichten, und diese sind in der Regel nicht durch Fernunterricht erreichbar“, wie Schulleiter Christoph Nonnenmacher erklärt. Andererseits setzen sich Schüler und Lehrer angesichts der Corona-Pandemie und der Besonderheit der Einrichtung gegenseitig Gefahren aus. Denn das pädagogische Konzept der intensiven Förderung erfordere Nähe. Die Schüler „lernen durch Begreifen, ein hohes Maß an Wiederholung, müssen viel mit konkretem Material ausprobieren, und man muss oft nah rangehen, um Dinge zu erklären, manchen Schülern auch direkt die Hand führen“.

Maske ist ein großes Thema

Abstand zu halten, das sei an solch einer Schule folglich nicht wie andernorts umsetzbar. Und nicht alle Kinder, unter denen einige auch wegen Vorerkrankungen besonders gefährdet sind, können dabei Maske tragen. Das sei „ein ganz großes Thema“, bestätigt Mira Mürb, gelernte Kinderkrankenschwester und Pflegefachkraft an der Schule – auch für die Erzieher, die zwar Maske tragen, aber feststellen, dass es für die gehandicapten Kinder eigentlich extrem wichtig wäre, ein Gesicht lesen, also die Mimik erkennen zu können. Und beim gemeinsamen Mittagessen, was bei einer Ganztagsschule zum Konzept gehört, sitzt man eben ohne Maske beieinander. Und es kommt vor, dass ein Kind einen Lehrer auch mal plötzlich umarmt.

Wie stemmt man den täglichen Betrieb? Natürlich setzt man auf Hygiene und Lüften, Desinfektionsspender stehen an verschiedenen Stellen bereit (am Ein- und Ausgang oder am Durchgang zum Pausenhof etwa), und den Kindern wird auf Panels bildhaft gezeigt, wie man beispielsweise den Mundschutz aufsetzt oder die Hände desinfiziert.

Wechselunterricht, wie er künftig für Grundschulen im Land geplant ist, sei an der Pestalozzi-Schule aufgrund des Betreuungsbedarfs nicht umsetzbar, auch keine Einbahnwegeregelungen. Dafür hat man Kohorten gebildet, um die Kontakte zu reduzieren, wie Nonnenmacher erklärt. Drei Klassen bilden eine Kohorte – das sind dann zusammen 18 Schüler –, die strikt von den anderen getrennt sei.

Entsprechend habe man auch die Schülerbeförderung umorganisiert. Anstatt wie zuvor nach Wohnort und Fahrstrecke ist dieser nun darauf ausgerichtet, dass möglichst nur Kinder aus derselben Kohorte miteinander im Bus sitzen – was sich dann aber auch auf die Fahrzeiten auswirkt. Und am Stammhaus in der Herrenstraße, wo die Grundstufe untergebracht ist, hat man die Pausenzeiten entzerrt, damit nicht alle Schüler gleichzeitig in den Hof strömen. Unterdessen ist im Kollegium Belastung zu spüren, so der Schulleiter. Schutzausrüstung (darunter FFP2-Masken) werden vom Landkreis Rastatt als Schulträger und dem Kultusministerium zwar gestellt – allerdings keine regelmäßigen Antigen-Schnelltests.

Ruf nach Schnelltests noch nicht erhörtDiese aber würden durch ihre jeweilige Momentaufnahme das Sicherheitsgefühl verbessern und eventuelle Infektionen schneller aufspüren lassen. Doch trotz der pflegerischen Aspekte der Schule werde man in dieser Hinsicht nicht den Pflegeeinrichtungen gleichgestellt, denen solche Tests zur Verfügung gestellt werden, wie Nonnenmacher erläutert. Er habe das Thema beim Landkreis und beim zuständigen Ministerium vorgebracht. „Es wäre für uns wünschenswert, wenn das Land hier diesen Schritt geht“, sagt Nonnenmacher. Derzeit seien der Belegschaft nur drei Coronatests zwischen Weihnachten und Ostern zuerkannt.

Zwei Coronafälle hat es bislang an der Pestalozzi-Schule gegeben – eine Lehrkraft und eine Schülerin waren betroffen; auch durch sofortige Quarantäne habe man eine Weiterverbreitung in der Schule jedoch verhindern können.