Schulen glauben nicht an Öffnung ab Montag

Rastatt (fk) – Viele Lehrer und Schulleiter in Mittelbaden genauso wie das Schulamt rechnen nicht damit, dass am Donnerstag eine Öffnung der Grundschulen und Kitas ab Montag beschlossen wird.

Schulen und Kommunen rechnen ab Montag mit einem Ansturm auf die Notbetreuung. Foto: Patrick Pleul/dpa

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Schulen und Kommunen rechnen ab Montag mit einem Ansturm auf die Notbetreuung. Foto: Patrick Pleul/dpa

Ab kommenden Montag, 18. Januar, sollen die Grundschulen und Kitas im Land eigentlich wieder öffnen – wenn die Infektionszahlen dies zulassen. So verlautete es Mitte vergangener Woche aus der Stuttgarter Regierungszentrale. Am Donnerstag ist nun der Tag, an dem die Spitzen der Landespolitik eine Entscheidung treffen wollen, wie es ab Montag weitergeht. An eine Öffnung glaubt in Mittelbaden unter den Betroffenen aber niemand ernsthaft. Weder in den übergeordneten Behörden, noch an den Schulen selbst. Doch das bringt einige Probleme mit sich.

„Die Zahlen werden das nicht zulassen“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es im Angesicht der aktuellen Infektionszahlen eine generelle Schulöffnung mit Präsenzpflicht geben kann und wird“, macht beispielsweise Wolfgang Held, Leiter des unter anderem für die Grundschulen in den Kreisen Rastatt und Baden-Baden zuständigen Rastatter Schulamtes klar. Ausnahmslos alle Schulleiter und Lehrer, die das BT am Mittwoch dazu befragte, sehen das ähnlich. „Die Zahlen werden das nicht zulassen“, sagt denn auch Hanna Wurz-Schmidt, die an der Realschule Rheinmünster unterrichtet.

Viele der Verantwortlichen in Mittelbaden rechnen im Angesicht dieser noch länger andauernden Aussetzung des Präsenzunterrichts mit einer Verschärfung der Situation in der Notbetreuung. Sie richtet sich an Kinder in Kindertageseinrichtungen sowie Einrichtungen der Kindertagespflege und Schüler der Klassen 1 bis 7, deren Eltern zwingend auf eine Betreuung angewiesen sind. Die sei in den vergangenen Wochen und speziell vor Weihnachten nicht allzu stark frequentiert gewesen, da die Eltern genug Vorlauf hatten, sich darauf einzustellen, und auch die Feiertage geholfen hätten. „Jetzt rechnen wir aber mit einer deutlich größeren Nachfrage“, prophezeite Baden-Badens Bürgermeister Roland Kaiser schon vergangene Woche. Für kommenden Montag rechnet die Stadt aber mit einem nochmaligen Schub der Anfragen für die Notbetreuung, hieß es am Mittwoch aus dem Rathaus. Das befürchtet auch Felix Ludwig, Rektor der Rheinwaldschule in Elchesheim-Illingen. Dort seien aktuell 23 Schüler in der Notbetreuung bei zwei Lehrkräften. Das übrige Kollegium unterrichtet von zuhause aus online. „Ich gehe aber davon aus, dass es ab Montag deutlich mehr Schüler in der Notbetreuung sein werden, da die Eltern mit einer Schulöffnung am 18. Januar gerechnet hatten. Dann müssten wir mehr Lehrer in die Schule beordern, die dann für den Onlineunterricht fehlen“, so Ludwig.

Knappe Zeitspanne für Planung

Schwierig für Schulen und Eltern, da sind sich die Pädagogen einig, seien auch die knappen Zeitspannen zur Planung. „Viele Schulen und Lehrer erfahren die neuen Regelungen meist aus der Zeitung, ehe es Informationen von offizieller Seite gibt“, sagt Lehrerin Wurz-Schmidt. Rektor Ludwig pflichtet bei: „Wir erhalten die Infos, wie es weitergeht, am Freitag und müssen dann über das Wochenende alles schnell organisieren. Das ist nicht einfach und sorgt auch für Unfrieden – sowohl bei den Lehren, als auch bei den Eltern.“ Ein Problem, vor dem Wolfgang Held zufolge auch das Schulamt steht. Er hofft daher jetzt auf eine Ansage, die eine mittelfristige Planung ermöglicht.
Als möglichen Zwischenschritt könnte sich Held ein Modell mit Wechselunterricht vorstellen, entweder tage- oder wochenweise. Das könne eventuell irgendwann zumindest die Eltern der Grundschulkinder etwas entlasten, da Kinder im Grundschulalter „minder gefährdet sind“.

Auch Wurz-Schmidt ist der Ansicht, dass Kinder den Unterricht in der Schule und die damit verbundenen sozialen Kontakte brauchen. „Wer die Schulen aber unbedingt öffnen will, muss auch für die nötige Ausstattung sorgen, etwa mit Raumluftfiltern und FFP-2-Masken. Das sind ja auch Investitionen für die Zukunft“, sagt die Lehrerin an die Politik gerichtet. Gleiches gelte für die technische Ausstattung von Schulen aber auch Lehrern. Ein Nachteil am Onlineunterricht sei zudem, dass einigen Schülern zuhause das technische Know-how und Equipment fehle, um am Unterricht richtig partizipieren zu können.

Verdi und GEW gegen Öffnung


Die Gewerkschaft Verdi forderte am Mittwoch unterdessen ebenfalls die Notbetreuung in Kitas und Grundschulen wie in vielen anderen Bundesländern zu verlängern. Eine uneingeschränkte Öffnung ab 18. Januar in Baden-Württemberg lehnt die Gewerkschaft unter den jetzigen Pandemie-Bedingungen ab. Martin Gross, Verdi-Landesbezirksleiter: „Was ab Montag auf die Kolleginnen und Kollegen bei einer Vollöffnung zukäme, wäre auch in der Abwägung mit der Not von Kindern und Eltern derzeit nicht zu verantworten. Es gibt keine sinkenden Inzidenzwerte.“
Die Bildungsgewerkschaft GEW teilte auf BT-Anfrage mit: „Um überhaupt wieder in Kitas und Schulen zurückkehren zu können, sollten Gruppen und Klassen geteilt werden können. Dafür brauchen wir mehr Personal. Allen pädagogischen Profis sollte die notwendige Schutzausrüstung jederzeit und kostenlos zur Verfügung gestellt werden.“


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