Schulleiter (fast) allein „zu Haus“

Baden-Baden (vr) – Für Timon Binder, Direktor des Gymnasiums Hohenbaden, ist es nicht das erste Mal, dass er alleine in seiner Schule ist. Und dennoch ist es ungewöhnlich, den Ort, an dem sonst viel Trubel herrscht, so leer zu erleben wie in dieser Zeit. Aufgrund der Corona-Krise sind die Schüler zu Hause, der Schulleiter ist aber in der Schule anzutreffen. Im Interview erzählt Binder, wie es ihm dabei ergeht.

Im Erdgeschoss des Gymnasiums mit seinem sonst lärmenden Trubel herrscht seit Tagen Totenstille. Foto: Rechel

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Im Erdgeschoss des Gymnasiums mit seinem sonst lärmenden Trubel herrscht seit Tagen Totenstille. Foto: Rechel

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verzögern, bleiben alle Schulen in Baden-Württemberg bis zum Ende der Osterferien geschlossen. Schüler müssen sich in den kommenden Wochen Lerninhalte daheim aneignen. Nur die jeweiligen Schulleiter sind zu den üblichen Unterrichtszeiten in der Schule erreichbar. BT-Mitarbeiterin Veruschka Rechel sprach mit Dr. Timon Binder (Foto: Stadtverwaltung), dem Direktor des Gymnasiums Hohenbaden.

BT: Herr Binder, was ist das für ein Gefühl, auf einmal mutterseelenallein in einem großen Gebäude zu sein, in dem sonst Leben und Trubel herrscht?

Timon Binder: Wenn Schulen für mehrere Wochen geschlossen werden müssen, um die Ausbreitung eines Virus zu verlangsamen, dann ist das kein Grund für Fröhlichkeit. Derzeit treibt uns an der Schule alle die Sorge um die Gesundheit der Schüler, deren Eltern, aber natürlich auch die der Kollegen sowie letztlich der gesamten Bevölkerung um.

BT: Ist es das erste Mal, dass Sie allein in der Schule sind?

Binder: Nein, ich war schon oft allein in der Schule, sei es abends, an den Wochenenden oder in den Ferien. Da ist es dann in der Tat sehr ruhig, und man kann sehr konzentriert und ungestört arbeiten. In diesen ersten Tagen nach der Schulschließung sind wir allerdings mindestens zu viert hier, wenngleich wir uns alle in verschiedenen Räumen aufhalten.


BT: Ganz allein sind Sie ja wohl sowieso nicht, denn Hausmeister und Sekretärin sind ebenfalls anwesend. Tröstet Sie das etwas?

Binder: Trost ist nicht nötig. Es ist wichtig, dass der Betrieb weiterläuft. Schöner wäre es natürlich, wenn das Schulhaus möglichst bald wieder mit viel Leben gefüllt sein würde, wie es an normalen Schultagen der Fall ist. Im Moment kann das Wesen von Schule, das persönliche Miteinander von Leben und Lernen in der Schulgemeinschaft, nicht oder kaum zur Geltung kommen. Das ist seltsam und ungewohnt.

BT: Erledigen Sie jetzt Dinge, für die Sie bisher keine Zeit gefunden haben?

Binder: Wie die Arbeitsverteilung in den nächsten Wochen sein wird, lässt sich derzeit noch nicht genau sagen. Der Unterricht läuft weiter, wenngleich in anderer Form, die Verwaltungsaufgaben sind ebenfalls zu erledigen. Bestimmt werden sich zeitliche Freiräume ergeben, um mit Blick auf die Jubiläumsfeierlichkeiten das ein oder andere schon jetzt zu planen.

Auswirkungen auch auf das Schul-Jubiläum

BT: Apropos Jubiläum, welchen Einfluss hat Corona auf Ihre anstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten?

Binder: Natürlich sind auch wir im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen der Schule von den Schutzmaßnahmen gegen die Coronavirus-Infektion betroffen. Mehrere für die nächsten Wochen geplante Veranstaltungen mussten verschoben werden, so auch der Vortragsabend zur Geschichte der Schule und der Jazz-Workshop. Wir hoffen, dass wir bald neue Termine festlegen können. Für das Alumni-Konzert und den Festtag mit Festakt am 24. Oktober dieses Jahres sind wir zuversichtlich.

BT: Sind Sie und das Kollegium trotz geschlossener Schule für die Abiturienten ansprechbar?

Binder: Selbstverständlich! Alle Abiturienten sind mit Aufgaben versorgt, stehen per Telefon, E-Mail oder Intranet in direkter Kommunikation mit den Lehrkräften sowie den Oberstufenberatern und mir. Sie können so Rückmeldung erhalten, Fragen stellen oder Unterrichtsinhalte noch einmal durchsprechen. Da der Stoff fürs Abitur in so gut wie allen Fächern bereits durchgenommen ist, kann diese Phase nun für eine intensive Wiederholung und weitere Verknüpfung der Lerninhalte genutzt werden. Ich bin mir sicher, dass trotz der neuartigen Lernarrangements die Abiturienten bestmöglich auf ihr Abitur vorbereitet sein werden und keinerlei Befürchtungen haben müssen.

BT: Wie kommunizieren Sie mit Ihrem Kollegium? Gibt es bestimmte Zeiten, zu denen diese für Sie erreichbar sein müssen?

Binder: Wir nutzen die digitalen Kommunikations-Möglichkeiten sowie das Telefon. Zu den regulären Unterrichtszeiten sind alle Kollegen erreichbar. Sie führen von zu Hause aus ihren Unterricht und die anstehenden Aufgaben durch. Nur auf den persönlichen Kontakt und die Pausengespräche müssen wir leider vorerst verzichten.

Ihr Autor

Veruscha Rechel

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Erstellt:
23. März 2020, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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