Schulöffnungen nach Ostern möglich

Stuttgart (bjhw) – In Baden-Württemberg wird gerade vorbereitet, wie Schulen nach den Osterferien in den Präsenzunterricht übergehen können. Eine Videokonferenz spielte am Montag Optionen durch.

Schüler in Baienfurt testen eine Hygieneschleuse am Eingang ihrer Schule: Das Land diskutiert über das Thema Schulöffnungen.      Foto. Felix Kästle/dpa

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Schüler in Baienfurt testen eine Hygieneschleuse am Eingang ihrer Schule: Das Land diskutiert über das Thema Schulöffnungen. Foto. Felix Kästle/dpa

Mit Wechselunterricht und einer neuen Corona-Testpflicht will Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den Kindern, Eltern und Lehrkräften bis zu den Sommerferien Planungssicherheit geben.

In der gut zweistündigen Videokonferenz, zu der er geladen hatte, wurden gestern aber angesichts der Pandemieentwicklung unmittelbar für die Zeit nach den Osterferien noch ganz andere Pläne erwogen: Schulen könnten, wenn ihr Testkonzept noch nicht steht, nicht mit Wechsel-, sondern mit Fernunterricht starten oder, wenn die Zahlen der Neuinfektionen weiter steigen, sogar im Fernunterricht bleiben.

Wann könnte Wechselunterricht möglich werden?
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) setzt sich dafür ein, erst ab einer Inzidenz von 50 alle Schulen im Wechselunterricht zu öffnen und ab einer Inzidenz von 100 auf Fernunterricht und Notbetrieb umzustellen. Voraussetzung für Unterricht in Präsenz sei eine landesweit verbindliche Teststrategie mit mindestens zwei Tests pro Woche für alle Kinder und Jugendlichen sowie alle Lehrkräfte. Von der Landesvorsitzenden Monika Stein gab es Lob für Kretschmann: „Nach dem monatelangen Streit haben wir jetzt den Eindruck, dass die Meinung der pädagogischen Expertinnen und Experten wieder gefragt ist.“

Warum soll es zur Testpflicht kommen?
Die Praktiker berichteten, dass eine aus epidemiologischer Sicht viel zu große Zahl von Eltern ihre Kinder nicht testen lassen wollen. Kretschmann hatte angekündigt, dass die Landesregierung nach rechtssicheren Möglichkeiten sucht. In Sachsen wurde eine entsprechende Regelung von einem Gericht bestätigt.

Was würde eine Woche Fernunterricht bringen?
Statt am 12. April könnte an den Schulen auf diese Weise erst am 19. April in den Wechselunterricht gestartet werden. Martin Schall, der Leiter der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen, hat Einzelheiten des eigenen bereits seit Mitte Januar entwickelten Testkonzepts vorgetragen und vor allem den Aufwand beschrieben. Die Vertreter des Verbands Bildung und Erziehung oder des Vereins der Gemeinschaftsschule machten deutlich, wie wichtig einerseits die Pandemieentwicklung sei und anderseits, dass die Schultests auch belastbar funktionieren. Eine Woche Fernunterricht nach Ostern hätte zudem den Vorteil, dass Lehrkräfte und Schulleiter zumindest einige Tage Ferien in der Osterwoche hätten, statt den Schulstart danach zu organisieren.

Was wollen die Eltern durchsetzen?
Michael Mittelstaedt hat für den Landeselternbeirat (LEB) einen Zehn-Punkte-Katalog vorgelegt als Voraussetzung für den Präsenzbetrieb, darunter Testen sogar an jedem Schultag, den Aufbau von Plexiglastrennung und Luftfiltergeräten, „um zumindest in Grundschulen auf Masken und Abstand im Unterricht verzichten zu können“. Der LEB verlangt zudem „Verfahrensvorschläge für einen handlungssicheren Hybridunterricht“, etwa wenn Unterrichtsstunden per Video an Kinder und Jugendliche daheim übertragen werden. „Wir erwarten“, so Mittelstaedt, „dass alle am Schulleben Beteiligten ihre Flexibilität unter Beweis stellen, engagiert und intensiv dafür Sorge tragen, dass bei möglichst geringem Infektionsrisiko möglichst viel Unterricht in Präsenz stattfindet.“

Wie will die Landesregierung weiter vorgehen?
Die Erwartungen waren hoch. Seit Monaten hatten Bildungsverbände und Elternvertreter in Briefen, mit internen Bitten und öffentlichen Forderungen an den Ministerpräsidenten appelliert, sich des Themas Schule und Corona anzunehmen. Im Wahlkampf wollte der Grüne seiner CDU-Herausforderin, Kultusministerin Susanne Eisenmann nicht in die Parade fahren. Auch Eisenmann, die formal alle weiteren Vorgaben umsetzen muss, nahm an der Videokonferenz teil, ebenso wie Sozialminister Manfred Lucha (Grüne), der die Beschaffung von 45 Millionen Schnelltests, davon 16 Millionen schon bis Anfang Mai, in Aussicht stellte.

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Erstellt:
29. März 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 38sec

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