Schulstart: Fehlende Lehrkräfte erschweren Planung

Rastatt (BT) – Zum neuen Schuljahr zieht sich ein großes Problem durch die gesamte Planung des Staatlichen Schulamts Rastatt: Schulamtsleiter Wolfgang Held fehlt Personal.

Im Fernunterricht konnten nicht alle Schüler gleichermaßen erreicht werden. Die entstandenen Lücken gilt es in diesem Schuljahr nun zu füllen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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Im Fernunterricht konnten nicht alle Schüler gleichermaßen erreicht werden. Die entstandenen Lücken gilt es in diesem Schuljahr nun zu füllen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Neue Lehrkräfte: Ende des vergangenen Schuljahres wurden 63 Pädagogen in den Ruhestand verabschiedet, darunter zwölf Schulleiter. 101 Lehrkräfte kommen zum Schulstart nun in den Amtsbereich hinzu, weitere 44 starten mit befristeten Verträgen. Das Staatliche Schulamt Rastatt ist für die Grund-, Werkreal- und Realschulen sowie für die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), die früheren Sonderschulen, zuständig.

Das, wie Held sagt, „Prekäre“ an der Situation des Schulamts, das die Kreise Freudenstadt, Rastatt und Baden-Baden verwaltet, sind die Arbeitsstunden von insgesamt 18 Kollegen, die bei gleichbleibender Schülerzahl im Grund- und Werkrealschulbereich fehlen. Die Gesamtzahl der Lehrerwochenstunden sinkt hier um 450 auf 21.655. Vor allem im Kreis Freudenstadt sehe es schlecht aus, die Stellen in der Rheinschiene seien wie in jedem Jahr beliebter. Nur wenige Lehrkräfte seien bereit, eine Stelle im ländlichen Raum anzunehmen, weiß Held. Dafür würden sie selbst auf die dort angebotene Verbeamtung verzichten und eine befristete Krankheitsstellvertretungs-Stelle (KV) in einer Stadt annehmen. „Zum ersten Mal können wir in einzelnen Schulen nicht einmal Kontingentstundentafeln erfüllen“, also den Pflichtbereich abdecken, berichtet Held. Ergänzungs- und Förderunterricht sei an diesen Schulen kein Thema. Auch im Rastatter Bereich sind zwei Schulen betroffen, dort hat Schulamtsdirektor Karl Henne jedoch die Hoffnung, dass offene Stellen noch besetzt werden könnten. Wo das nicht der Fall ist, müssen erste Maßnahmen wie Klassenzusammenführungen getroffen werden. „Das ist ein strukturelles Problem, das in den kommenden Jahren zur Benachteiligung von Schülern im ländlichen Raum führen wird“, betont Held, der jüngst auch das zuständige Ministerium darauf aufmerksam gemacht hat.

Lehrerversorgung: Insgesamt verfügt das Staatliche Schulamt Rastatt über 49.215 Lehrerwochenstunden zur Versorgung des Unterrichtsbedarfs. Bei gleichen Schülerzahlen und 33 mehr zu bildenden Klassen ist das mit 106,2 Prozent eine schlechtere Versorgungslage als im Vorjahr. Die Schwierigkeiten bestehen momentan noch, wie Held erläutert, in der Versorgung der Schulen im Kreis Freudenstadt und der SBBZ.

Ergänzungsbereich: Alle 3.295,5 zugewiesenen Stunden im Ergänzungsbereich (Vorjahr: 3.134) musste das Schulamt schon zum Schulstart für Mutterschutzfälle und Langzeiterkrankungen verwenden. Eigentlich sollten von dem Bereich auch AG-, Förderstunden oder einzelne Projekte gedeckt werden. Außerdem ist es laut Held „völlig illusionär“ davon auszugehen, dass im Laufe des Schuljahres keine weiteren Krankheitsfälle hinzukommen würden.

Schülerzahlen: Die Gesamtzahl der Schüler ist mit gerade mal zwei Schülern mehr nahezu dieselbe wie im Vorjahr und liegt bei 27.215. Die Anzahl in den Grundschulen (13.419) legt um rund 3,3 Prozent zu, während die Werkrealschulen 0,7 Prozent, die Realschulen 1,3 Prozent und die SBBZ 1,1 Prozent verlieren. Die Zunahme von 8,5 Prozent bei den Gemeinschaftsschulen erklärt sich Schulamtsdirektor Henne damit, dass noch immer Werkrealschulen zu neuen Gemeinschaftsschulen umstrukturiert werden und damit je eine zusätzliche 9. und 10. Klasse entsteht. Eigentlich würden auch hier die Schülerzahlen stagnieren. Pro Schuljahr verzeichnet das Schulamt bislang durchschnittlich 35 bis 40 neue Inklusionsfälle, in diesem Jahr nutzen insgesamt 164 Schüler das inklusive Angebot. Auch bei diesem Aspekt macht Held auf fehlende Sonderpädagogen aufmerksam, die eine Lehrkraft bei einem Inklusionsfall unterstützen sollten.

Klassengröße: Sie beträgt im Schnitt in den Grundschulen 19,3, in den Werkrealschulen 20,1, in den Realschulen 24,5 und in den Gemeinschaftsschulen 20,5 Schüler. In etwa sind diese Zahlen gleich zum Vorjahr und liegen weit unter den Klassenteilern.

Ganztagesschulen: Der Ganztagesbetrieb findet an 48 Standorten statt. Ab 2025 soll für jedes Kind eine ganztägige Betreuung an der Schule gewährleistet sein. Deshalb rechnet das Schulamt in den kommenden Jahren mit mehr Anträgen und stellt sich jetzt schon auf die Notwendigkeit weiterer Lehrkräfte ein.

Vorbereitungsklassen: Aktuell wird die Koordinierungsstelle „Integration durch Bildung“ aufgebaut, um passgenaue Zuweisungen, pädagogische Beratungen und eine bessere Vernetzung mit Kooperationspartnern zu gewährleisten. An 32 Standorten im Bezirk sind 41 Vorbereitungsklassen (VKL) eingerichtet, davon 26 in Primarklassen und 15 in Sekundarklassen für rund 621 Schüler. Im Stadtkreis Baden-Baden sind es sechs Klassen, im Landkreis Rastatt 26.

Fördermaßnahmen: Eine der großen Aufgaben für das startende Schuljahr ist die Förderung der Schüler, die im Fernunterricht nur begrenzt erreichbar waren. Bei vielen seien Lernlücken abzubauen und die sozial-emotionale Stabilität wiederherzustellen. Bereits in den Sommerferien haben 1.300 Schüler in 100 Gruppen das Angebot der Lernbrücken genutzt. Auch startet nach den Herbstferien das auf zwei Jahre ausgelegte Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“.

Mit Lernstandsdiagnosen sollen sich die Lehrkräfte bis dahin ein Bild über die Situation verschaffen. An der finanziellen Unterstützung des Landes hapert es nicht, sagt Held mit Blick auf den Lehrermangel und fragt: „Wer soll das umsetzen?“

Zum Thema:

Gymnasien starten mit 318.000 Schülern
An den etwa 930 öffentlichen Schulen im Regierungsbezirk Karlsruhe, das auch für die Gymnasien im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden zuständig ist, beginnt am Montag für etwa 318.000 Schüler und rund 29.000 Lehrer wieder der Schulalltag. Rund 8.100 Schüler davon treten zur Abiturprüfung an. Die schriftlichen Prüfungen werden im Zeitraum vom 25. April bis zum 10. Mai 2022 stattfinden, die mündlichen Prüfungen im Zeitraum vom 27. Juni bis zum 8. Juli 2022. Die Prüflinge werden zum zweiten Mal ihre Abiturprüfung nach den Vorgaben der neuen Abiturverordnung ablegen. Die Versorgung der Gymnasien deckt zu Beginn des Schuljahres den Pflichtunterricht weitestgehend ab, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Jedoch müssen für Lehrkräfte, die in den ersten Wochen des neuen Schuljahrs in Mutterschutz oder Elternzeit gehen, Bewerber über befristete Verträge im Arbeitnehmerverhältnis eingestellt werden. „Auch in der Einstellungsrunde 2021 bleiben damit die bekannten Schwierigkeiten, periphere Standorte und Mangelfächer bedarfsgerecht zu bedienen, bestehen“, teilt das Regierungspräsidium mit.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nadine Fissl

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Erstellt:
11. September 2021, 18:38 Uhr
Lesedauer:
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