Schulstoff bis zum Herbst überbrücken

Stuttgart (bjhw) – Aufholen wird zur Herkulesaufgabe: Das Landesmodellprojekt „Bridge the Gap“ will insgesamt 550 Lehramtsstudierende einsetzen, um die Lernlücken der Schüler zu überbrücken.

Wie die Rückstände wettzumachen sind, wird für viele Schülerinnen und Schüler in den kommenden Wochen eine zentrale Frage werden.  Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

© dpa

Wie die Rückstände wettzumachen sind, wird für viele Schülerinnen und Schüler in den kommenden Wochen eine zentrale Frage werden. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

„Das Aufholen nach Corona wird die Herkulesaufgabe der nächsten Schuljahre“, sagt Alexander Becker, Rastatter CDU-Abgeordneter, der den Facharbeitskreis seiner Fraktion leitet.

Auch Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) schaut bereits auf den kommenden Herbst, wenn der Wissensstand bei allen Kindern und Jugendlichen systematisch erfasst wird, um auf dieser Basis die weiteren Nachhilfen anzubieten. Schon ab nächster Woche können interessierte Schulen Lehramtsstudierende im Förderunterricht einsetzen. Und die letzten zwei Wochen der Sommerferien werden wie schon im Vorjahr abermals genutzt, um Lernlücken zu schließen.

Ministerin spricht von Win-win-win-Situation

Die Wissenschaftsministerin ist besonders optimistisch. Theresia Bauer (Grüne) spricht sogar von einer Win-win-win-Situation, weil nicht nur Schüler und Schülerinnen sowie Lehrkräfte profitieren werden, sondern auch die Studierenden ab dem vierten Semester, die zur Mithilfe an Schulen bereit sind. Vom Wintersemester an wird es sogar möglich sein, sich die in der Aufarbeitung der Corona-Lücken erworbene Praxis im Studium anrechnen zu lassen. „Das wird kein Ersatz des Praxissemesters sein“, so die Wissenschaftsministerin auf der Regierungspressekonferenz mit dem Regierungschef und Schopper, aber es werde nach Lösungen gesucht. Bis dahin bekommen die Aushilfen, die nicht allein vor der Klasse stehen dürfen, 15 Euro pro Stunde.

Das Interesse bleibt jedenfalls groß. Für das am Montag startende Modellprojekt „Überbrücke die Lücke“ – „Bridge the Gap“ – standen 550 Plätze zur Verfügung. Inzwischen haben sich 900 Studierende gemeldet, weshalb auch bereits eine Warteliste für das nächste Schuljahr geführt wird. Aktuell interessierte Schulen können über eine neue Plattform ihr Nachhilfeinteresse für Klassenstufen und Schularten anmelden. Die Lehrkräfte wüssten Bescheid über ihre Klassen, und wenn „auch mal ein Käpsele“ eine Förderung bekomme, sei das akzeptabel. „Das Angebot ist freiwillig“, sagt Schopper, „aber mit sanftem Druck werden sicher die Richtigen gefunden.“

Kritik von der Opposition: Regierung muss Schlagzahl erhöhen

Dennoch erwartet sie nicht, dass die Lernrückstände der Schülerinnen und Schüler durch die Corona-Pandemie kurzfristig aufgeholt werden können: „Man wird nicht alles, was man jetzt versäumt hat, aufholen müssen und eins zu eins aufholen können.“ Becker setzt auf das Ende des Fernunterrichts, der für einige Schüler mit Schwierigkeiten verbunden gewesen sei, weil sie in dieser Zeit nicht die Lernfortschritte hätten erzielen können, die sie im Präsenzunterricht erreicht hätten. Deshalb gebe es zusätzliche Angebote genau für die Kinder und Jugendlichen, für die eine intensive Förderung besonders wichtig sei. So werde „eine Brücke ins neue Schuljahr geschlagen“.

Die Opposition glaubt genau daran jedoch nicht, weil das Projekt nur „ein Nasenwasser“ sei, das der Dimension des Problems an den Schulen nicht gerecht werde, so SPD-Schulexperte Stefan Fulst-Blei. Mit „Bridge the Gap“ werde von den beiden grünen Ministerinnen Schnelligkeit vorgegaukelt. Tatsächlich dauert die Pandemie auch an den Schulen schon eineinhalb Jahre an: „Die Zeit für Pilotprojekte sollte eigentlich vorbei sein, die Landesregierung muss die Schlagzahl erhöhen.“

Ihr Autor

BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Zum Artikel

Erstellt:
9. Juni 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.