Schulwechsel unter Pandemie-Bedingungen

Baden-Baden/Rastatt (for) – Das erste Schulhalbjahr ist geschafft, für Viertklässler steht bald der Wechsel auf die weiterführende Schule an. Der Lockdown kann die Entscheidung erschweren.

Die Viertklässler sind voller Vorfreude, bald steht der Wechsel auf die weiterführende Schule an – Besichtigungen vor Ort sind in diesem Jahr aber nicht überall möglich. Foto: Felix Kästle/dpa

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Die Viertklässler sind voller Vorfreude, bald steht der Wechsel auf die weiterführende Schule an – Besichtigungen vor Ort sind in diesem Jahr aber nicht überall möglich. Foto: Felix Kästle/dpa

Kein Geschrei auf den Schulhöfen, kein Büffeln in den Klassenzimmern. Die Corona-Pandemie hat das Leben zahlreicher Schüler auf den Kopf gestellt. Mittlerweile hält die Schulschließung in Baden-Württemberg schon seit dem 16. Dezember an. Mit Blick auf die Halbjahreszeugnisse, die eigentlich bis zum 10. Februar ausgegeben werden müssen, wirft das bei vielen Eltern und Schülern Fragen auf. Insbesondere dann, wenn bald ein Schulwechsel ansteht.

Verspätete Ausgabe der Halbjahresinformationen möglich

Wegen der andauernden Schulschließungen hat das Kultusministerium laut einer Mitteilung schon im Dezember entschieden, dass die Ausgabe der Halbjahresinformationen- oder zeugnisse in diesem Jahr auch noch zu einem späteren Zeitpunkt im Verlauf des Februars erfolgen kann. Diese Sonderregelung gilt jedoch nicht für die Klassenstufe 4 der Grundschulen und die Stufen 8 und 9 der Gemeinschaftsschulen. Dort soll die Zeugnisausgabe weiterhin bis spätestens 10. Februar erfolgen. „Grund dafür ist, dass die Grundschulempfehlung an die Halbjahresinformation gekoppelt ist. Ebenso ist das Schullaufbahnverfahren der Klassenstufen 8 und 9 an die Halbjahresinformation gekoppelt“, erklärt das Kultusministerium.

Zeugnisse per Post

Aus diesem Grund werden die Halbjahresinformationen der dritten und vierten Klasse auch an der Vincenti-Grundschule in Baden-Baden bis zum 10. Februar ausgegeben. „Schüler und Eltern können die Halbjahresinformationen und die Grundschulempfehlungen zeitlich versetzt an der Schule abholen“, sagt Schulleiter Alexander Ziola. An anderen Schulen werden die Zeugnisse in diesem Jahr teilweise auch per Post verschickt. Die Gespräche anlässlich der Grundschulempfehlungen hätten in der Vincenti-Grundschule auf Wunsch der Eltern entweder per Videokonferenz oder vor Ort stattgefunden. „Ein Großteil der Eltern hat sich aber trotz der Pandemie für ein persönliches Gespräch entschieden“, fügt Ziola hinzu. Das sei weniger distanziert.

Mindestanzahl an schriftlichen Leistungen reduziert

Aber kann nach so wenig Präsenzunterricht überhaupt eine angemessene Leistungsbewertung der Schüler stattfinden? Schließlich waren während der Zeit kurz vor Weihnachten an vielen Schulen noch Klassenarbeiten, Wiederholungsarbeiten oder Klausuren angesetzt, die aufgrund des Lockdowns nicht mehr geschrieben werden konnten. Aufgrund dieser Sondersituation hat das Kultusministerium entschieden, dass „die vorgeschriebene Mindestanzahl an schriftlichen Leistungen in einem Fach, Fächerverbund oder Kurs unterschritten werden darf, wenn der Präsenzunterricht in dem jeweiligen Fach, Fächerverbund oder Kurs mindestens um vier Wochen reduziert war“, erklärt Pressesprecher Benedikt Reinhard auf BT-Nachfrage. „Dies ist bereits der Fall, daher ist pro Halbjahr nur noch mindestens eine schriftliche Leistung zu erbringen.“

Mündliche Leistung spielt große Rolle

In diesem Zusammenhang seien an den weiterführenden Schulen, den Beruflichen Schulen und den entsprechenden Bildungsgängen der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren auch schriftliche Prüfungen in Präsenz möglich gewesen, „wenn diese zur Erreichung der reduzierten Mindestanzahl an schriftlichen Klausuren notwendig sind“, sagt Reinhard.

Die Theodor-Heuss-Schule in Baden-Baden hat sich diese Ausnahmeregelung zunutze gemacht: „Manche Klassen wurden zu Arbeiten während des Lockdowns einbestellt“, schildert Schulleiter Werner Schlindwein die Situation. „In der Grundschule war das allerdings nicht erlaubt“, sagt er. Jedoch gebe es dort auch nur für die Fächer Mathematik und Deutsch eine Vorgabe für eine Mindestanzahl an schriftlichen Leistungen, merkt Ziola an. „Und darauf haben wir uns fokussiert“, fügt der Schulleiter der Vincenti-Grundschule hinzu. Folglich hätten aber in vielen Nebenfächern tatsächlich noch keine schriftlichen Prüfungen stattfinden können. „Deshalb sind die Noten auf der Basis der Leistungsfeststellungen bis zum Beginn des Lockdowns am 16. Dezember errechnet worden“, sagt Schlindwein.

Laut Ziola seien dabei vor allem auch mündliche Leistungen oder Bewertungen von Heften miteingeflossen. Probleme beim Erstellen der Halbjahresinformationen habe es eigentlich nicht gegeben, „allerdings stellt sich schon die Frage, ob ein solches Leistungsbild wirklich ausgewogen ist“. Natürlich könne sich die Lehrkraft einen Eindruck von den Kindern machen, „in schriftlichen Klassenarbeiten wird aber meist erst richtig deutlich, was inhaltlich wirklich hängen geblieben ist“, weiß der Schulleiter aus Erfahrung.

Verbindliches Beratungsgespräch nur im Ausnahmefall

Nichtsdestotrotz sind die Halbjahresinformationen für Viertklässler wichtig, da sie als Orientierungshilfe für die Grundschulempfehlung dienen. Letztere muss bei der Anmeldung am 10. und 11. März in der weiterführenden Schule vorgelegt werden. Die August-Renner-Realschule in Rastatt bittet darum, die Unterlagen an den beiden Tagen in den Briefkasten zu werfen, um Kontakte möglichst zu vermeiden. An vielen anderen Schulen läuft das Prozedere ähnlich ab, ein verbindliches Beratungsgespräch sei nur in Ausnahmefällen notwendig. „Etwa, wenn auf der Grundschulempfehlung nicht mindestens eine Realschulempfehlung angekreuzt ist“, heißt es auf der Homepage der August-Renner-Realschule. Dann müssten Eltern, Kinder und pädagogische Fachkräfte noch einmal im persönlichen Gespräch darüber beraten, ob das jeweilige Kind den Anforderungen der Schule tatsächlich gewachsen ist.

Virtuelle Rundgänge und Telefongespräche

Bis es soweit ist, müssen sich die künftigen Fünftklässler aber erst einmal für ihre Wunschschule entscheiden, und das sei in Zeiten von Corona und abgesagten Schulführungen tatsächlich nicht einfach, weiß Ziola: „Viele weiterführenden Schulen bieten zwar virtuelle Rundgänge und Telefongespräche an, was sehr lobenswert ist, aber trotzdem ist es für die Kinder wichtig, richtig in die Schulen reinzuspüren, insbesondere wenn mehrere Schulen zur Auswahl stehen.“

Andrea Rösch, Schulleiterin des Tulla-Gymnasiums Rastatt, sieht das ähnlich: „Ab dem 8. Februar bieten wir auf unserer Homepage die Möglichkeit eines virtuellen Schulrundgangs an, aber natürlich kann das die Atmosphäre vor Ort nicht ersetzen“, sagt sie. Und gerade diese Atmosphäre, die die künftigen Fünftklässler eigentlich beim Tag der offenen Tür hautnah erleben können, sei ein wichtiger Baustein für die endgültige Entscheidung.

Auch die August-Renner-Realschule bietet einen virtuellen Schulrundgang an. „Auf Wunsch können Eltern und Schüler aber auch einen Termin vereinbaren, um sich das Schulhaus einzeln hautnah anzuschauen“, sagt Schulleiter Stefan Funk. Das Angebot sei für seine Schule zwar ein erheblicher Mehraufwand, „wir merken aber, dass die Schnuppertouren rege angenommen werden“, so Funk weiter. Die Entscheidung der weiteren Schullaufbahn sei ein bedeutender Schritt, und deshalb seien ausreichend Informationen unabdingbar – gerade in diesen außergewöhnlichen Zeiten.


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