Schutz vor Folgen der Erderwärmung: Die Zeit drängt

Stuttgart (bjhw) – „Es ist allerhöchste Zeit, den Klimaschutz zu verstärken“, appelliert die Landesanstalt für Umwelt (LUBW). Die Folgen der Erderwärmung werden auch für die Region gefährlich.

Folgen des Hochwassers im südbadischen Inzlingen: Eine Fußgängerunterführung mit Schlamm und Geröll übersät. Foto: Thomas Reichelt/dpa

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Folgen des Hochwassers im südbadischen Inzlingen: Eine Fußgängerunterführung mit Schlamm und Geröll übersät. Foto: Thomas Reichelt/dpa

An der Rheinschiene wird ein Drittel des Jahres Sommer sein, von den Hängen des Schwarzwaldes könnten doppelt so oft wie heute Wassermassen talwärts stürzen, der Riesling und die Fichte gedeihen nicht mehr, der Bodensee ist als Trinkwasserreservoir gefährdet.

Aus diesen und vielen anderen Gründen hat Baden-Württemberg – als zweites Land nach NRW – 2013 den Klimaschutz gesetzlich verankert. 2015 legte die grün-rote Landesregierung die erste Anpassungsstrategie an die Erderwärmung vor, die regelmäßig überprüft wird. „Es ist allerhöchste Zeit, den Klimaschutz zu verstärken“, appelliert die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) in Karlsruhe in ihrer jüngsten Analyse, weil die Jahresmitteltemperatur in Baden-Württemberg seit 1881 schon um 1,5 Grad angestiegen sei.

- Wo wird der Klimawandel besonders spürbar?
Die LUBW hat verschiedene Szenarien errechnet. In allen werden der Oberrheingraben und die Rhein-Neckar-Region von den höchsten Temperaturen betroffen sein. „Auch in den Hochlagen des Schwarzwaldes könnten die Temperaturen derart stark ansteigen“, heißt es weiter, „dass diese zum Ende des Jahrhunderts durchschnittlich jenen der heutigen Temperaturen in der Rheinschiene entsprechen würden.“ Der Niederschlag werde aber regional sehr unterschiedlich ausfallen und vor allem im Frühjahr zunehmen, gerade an Bergabhängen. Dargestellt wird auch, wie sich im Schwarzwald durch die wärmeren Winter und eine längere Vegetationsperiode wärmeliebende Pflanzenschädlinge massenhaft vermehren.

- Wie können Städte konkret reagieren?
Ein Beispiel liefert Karlsruhe. Die Verantwortlichen rechnen schon in den nächsten 20 Jahren mit einem Temperaturanstieg von mindestens vier Grad. Also werden die Wasserflächen vergrößert sowie viel mehr und andere Bäume gepflanzt, etwa die Säuleneiche, die Hitze und Trockenheit besser verträgt. Mehr Kühlung soll durch Verdunstung erzeugt werden, was aber neue Grünflächen in Innenhöfen statt zubetonierter Parkplätze erfordert.

- Was soll die sogenannte Anpassungsstrategie des Landes insgesamt erreichen?
Beschrieben sind neun Handlungsfelder, von der Forstwirtschaft bis zum Tourismus, von der Stadtplanung bis zur Energiewirtschaft. Teilweise sehr detaillierte Empfehlungen unterstreichen, welche dramatischen Auswirkungen erwartet werden. Thematisiert sind ferner Siedlungsentwässerung nach Starkregen und das Überflutungsrisiko. Deshalb müssten Städte und Gemeinden sich mit dem Überflutungsschutz außerhalb von Flusssystemen befassen. Denn Rückstau und Überflutungen durch überlaufende Kanäle in den Städten würden künftig „regional häufiger und intensiver auftreten“, zumal an den Hängen der Mittelgebirge.

- Welche Unterstützungen gibt es zur Abmilderung der Risiken durch Starkregen?
Gerade mit Blick auf die Katastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz appelliert Umweltministerin Thekla Walter (Grüne) an Städte und Gemeinden, sich der „zahlreichen Unterstützungs- und Förderangebote“ zu bedienen. 2011 waren im Landeshaushalt für den Hochwasser- und Starkregenschutz 19 Millionen Euro vorgesehen, inzwischen sind es 66 Millionen pro Jahr. Außerdem beteiligt sich das Land an kommunalen Investitionen wie dem Bau von Hochwasserrückhaltebecken, an Flussgebietsuntersuchungen und Konzepten zum wasserwirtschaftlichen Management von Starkregenereignissen mit bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten.
Ausgebaut ist überdies das Beratungsangebot. „Ich hoffe, dass immer mehr Städte und Gemeinden mitmachen, um ihre Menschen zu schützen“, sagt Walker, denn es zeige sich gerade in diesen Tagen, „dass wir noch viel mehr in die Anpassung an den Klimawandel investieren müssen, um den nachkommenden Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen“.

Ihr Autor

BT-Korrespondentin Brigitte J. Henkel-Waidhofer

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Erstellt:
17. Juli 2021, 14:41 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

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