Schwächung der Gaggenauer Innenstadt

Gaggenau (uj) – Die Fraktionen und Gruppen im Gaggenauer Gemeinderat laufen Sturm gegen Pläne der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau, die fünf Geschosse des Hochhauses in Wohnungen umzuwandeln.

Das Sparkassenhochhaus beim Bahnhof Gaggenau, rechts das marode Parkdeck, das mittelfristig abgerissen werden soll. Foto: Willi Walter

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Das Sparkassenhochhaus beim Bahnhof Gaggenau, rechts das marode Parkdeck, das mittelfristig abgerissen werden soll. Foto: Willi Walter

Mit dem Geschäftsbetrieb will sich die Sparkasse künftig auf die Räume im Erdgeschoss konzentrieren. Beschlüsse sind offenbar noch keine gefasst worden. Nächste Woche Freitag sollen die Pläne im Rahmen einer Pressekonferenz von dem Kreditinstitut der Öffentlichkeit präsentiert werden.

In einem gemeinsamen Antrag an Oberbürgermeister Christof Florus heißt es unter anderem: „Mit großer Überraschung und auch mit Unverständnis haben wir aus der Presse von grundlegenden Umgestaltungsplänen beim Sparkassenhochhaus am Bahnhofsplatz erfahren.“ Eine weitgehende Umwandlung der Sparkasse am Bahnhofsplatz und den damit verbundenen Verlust von etwa 80 Arbeitsplätzen lehnen die Kommunalpolitiker ab. „Dies wäre ein Quantensprung für Gaggenau – allerdings ein Quantensprung in die falsche Richtung.“

Wegfall von zentrumsnahen Arbeitsplätzen

Wohnraum zu schaffen sei sicher wichtig. Aber Arbeitsplätze aufzugeben, die im Dienstleistungsbereich Zukunft sichern und unabhängig vom größten Arbeitgeber sind, sei nicht zu verantworten. Der Wegfall der zentrumsnahen Arbeitsplätze würde die Innenstadt nachhaltig schwächen. „Es liegt ja auf der Hand, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur in Gaggenau arbeiten, sondern auch häufig in der Innenstadt einkaufen und die gastronomischen Angebote nutzen“, schreiben die Gemeinderäte. Was die Innenstadt in der aktuell ohnehin schwierigen Situation überhaupt nicht gebrauchen könne, sei eine weitere – diesmal hausgemachte – Schwächung.

„Bei Realisierung der Umbaupläne würde aus der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau endgültig nur noch die Sparkasse Baden-Baden werden, die ein paar Filialen in Gaggenau unterhält. Wenn man bedenke, wie viele positive Elemente die Sparkasse Gaggenau-Kuppenheim in die Fusion 2009 eingebracht habe, sei dieser weitere Bedeutungsverlust des Standorts Gaggenau nicht akzeptabel.

Für den Wirtschaftsstandort Gaggenau wäre der Verlust eines eigenständigen Sparkassen-Standorts ein herber Rückschlag. „Wir fordern Sie deshalb auf, bei der nächsten Verwaltungsratssitzung der geplanten Umgestaltung des Sparkassenhochhauses in Gaggenau nicht zuzustimmen und Ihren Einfluss geltend zu machen, um diesen Punkt von der Tagesordnung zu nehmen“, heißt es in dem Schreiben an Florus. Eine transparente Information und Diskussion mit dem Gemeinderat und der Bevölkerung sei bei dieser einschneidenden Maßnahme für die Stadt unbedingt erforderlich. Unterzeichnet ist das gemeinsame Schreiben von Dorothea Maisch (CDU), Jan Stenger (FWG), Gerd Pfrommer (SPD), Dr. Heike Röhlen und Eric Peplau (Grüne), Alexander Haitz (FDP) und Armin Kellert (AfD).

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Erstellt:
4. Dezember 2020, 20:00 Uhr
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