„Schwätzbänkle“ in Steinmauern

Von Helmut Heck

Steinmauern (HH) – Eine Idee aus England macht in Steinmauern Schule: Mit dem „Schwätzbänkle“ soll ein Zeichen gegen den fehlenden Austausch und die Einsamkeit gesetzt werden.

„Schwätzbänkle“ in Steinmauern

Stören erlaubt: Wer auf dem Schwätzbänkle Platz nimmt, freut sich, angesprochen zu werden. Am Sonntag wurde zur Einweihung probegeplaudert. Foto: Helmut Heck

Zwischen Burnham-on-Sea im Südwesten Englands und Steinmauern beträgt die Entfernung gut drei Jahre. So lange zumindest war die in dem britischen Küstenort geborene Idee der „Chat Bench“ in der Welt unterwegs, bis sie nach Mittelbaden an die Murg gelangte und Steinmauern erreichte.

Die weite Reise hat über den Landesseniorenrat von Baden-Württemberg geführt, der die „Chat Bench“ zum „Schwätzbänkle“ verschwäbelte und ihrem Ursprungszweck eine Mutation bescherte. Es solle ein Gegengewicht zu der von Corona erzwungenen Kontaktarmut, gegen das „zu Hause eingesperrt sein“ geschaffen werden, hieß es sinngemäß in einer Pressemitteilung. Der Seniorentreff Steinmauern griff die Initiative mit Beistand der Gemeinde auf. Am Sonntag wurde das Schwätzbänkle offiziell in Funktion gesetzt.

Genau genommen handelt es sich um zwei stabile Sitzgelegenheiten und einen ebensolchen Tisch, die schon lange neben dem Außenposten des Flößereimuseums in den Hoperwiesen stehen, mit der Umwidmung nun aber besondere Bedeutung bekommen haben. Gesprächsbedarf gab es zunächst wenig. Bürgermeister-Assistentin Claudia Möck, Museumsmitarbeiter Udo Götz und seine Ehefrau Luzia hielten die erste halbe Stunde die Stellung, bis sich ein paar Passanten erbarmten, Platz nahmen und durchaus Gefallen fanden. Kurze Zeit später trudelten weitere Gäste ein. Vielleicht war es für viele einfach ein zu schöner Spätsommertag, um still zu sitzen.

Treffpunkt mitten im Ort

Unter Nutzermangel leidet der Treffpunkt mitten im Ort gewöhnlich nicht. Aufgrund seiner guten Lage erfreue er sich reger Frequenz etwa bei Spaziergängern und Radtouristen, berichtete Götz. Noch am Vormittag sei alles belegt gewesen. Kinder dürfen sich nebenan in Hängematten fläzen, zwei Fitnessgeräte warten auf Betätigung, gleich um die Ecke kann man sich im Dorfcafé mit Proviant versorgen. Wer sich aber künftig am beschilderten Schwätzbänkle niederlässt, sollte darauf gefasst sein, Gesellschaft zu bekommen. Wer sich setzt, signalisiert Lust auf einen Schwatz. Stören erwünscht, könnte das Motto lauten.

In Burnham-on-Sea entstand die „Chat Bench“ schon 2018, als von Corona noch nichts zu ahnen war. Ziel war es, Menschen, insbesondere Älteren, die kaum Kontakt zu anderen haben, sich aber wünschen, ab und zu mit jemandem quatschen zu können, eine Möglichkeit zu bieten. Auslöser war ein Vorfall, wie er auch hierzulande nicht unbekannt ist. Eine 89-jährige Dame fiel auf Anrufer herein, die ihr vorgaukelten, ihr Vermögen sei gefährdet, es müsse in Sicherheit gebracht werden. Sie habe geahnt, dass etwas faul sei, doch die Unterhaltungen am Telefon hätten ihr gutgetan, gab die Geschädigte zu, lange Zeit menschliche Wärme vermisst zu haben. Deshalb habe sie sich auf die Betrugsmasche eingelassen. Ihre Schilderungen bewogen einen Polizisten namens Ashley Jones zur Erfindung der „Chat Bench“, an der man sich ohne Scheu erlauben darf, mit wild fremden Personen ins Gespräch zu kommen.

Auf der Internetseite des Landesseniorenrates kann die Geschichte nachgelesen und gehört werden, verschiedene Links führen zu den Quellen.