Schwalben sammeln sich in Bischweier zu Formationen

Bischweierr (sawe) – Der NABU macht auf ein Naturschauspiel aufmerksam: Zurzeit sammeln sich jeden Morgen Hunderte von Schwalben in Bischweier. Bald geht es ab in den Süden.

Allmorgendliche Schwalben-Invasion auf Bischweierer Stromleitungen: Bald geht es ab in den Süden. Foto: Frank Vetter

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Allmorgendliche Schwalben-Invasion auf Bischweierer Stromleitungen: Bald geht es ab in den Süden. Foto: Frank Vetter

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, heißt eine Redensart. Viele allerdings schon. Und so zeigt sich der Sommer bereits seit Wochen von seiner schönsten Seite – auch in Bischweier, denn im Kirschendorf gibt es viele der sogenannten Sommerboten. Die sammeln sich zurzeit jeden Morgen in aller Frühe auf Stromleitungen in der Nähe des Pferdehofs in Formationen, macht Karl-Friedrich Matt, der Vorsitzende der NABU-Ortsgruppe Rastatt, auf ein besonderes Naturschauspiel aufmerksam, das nicht so häufig zu sehen ist.
An die 200 Vögel dürften es gut sein, schätzt der Umweltschützer freudig. Bald werden sie gen Süden ziehen und auf dem Flug viele Gefahren zu überstehen haben. Viele bleiben auf der Strecke. „Lediglich 40 Prozent kehren zurück – und zwar immer wieder an den gleichen Standort“, informiert Matt. „Sind die Brutstätten nicht mehr vorhanden, benötigten die Ankömmlinge viel Energie, um ein Nest zu bauen und legen daher weniger Eier.“ Und das bedeutet weniger Nachkommen.

Bundesweit gehen Bestände zurück

Der NABU-Ortsvereinsvorsitzende hat sich jetzt verstärkt des Themas Schwalbenschutz angenommen. Der Lebensraum der Rauch- und Mehlschwalben, die auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten stehen, werde aufgrund von Flächenfraß durch Bebauung und Industrialisierung immer stärker eingeengt, verdeutlicht Matt. Bundesweit gingen die Bestände seit Jahren zurück. Die Rauchschwalben etwa nisten bevorzugt in „belebten Ställen“ mit Pferden oder Kühen, wo sie genügend Insekten als Nahrung finden. Großställe seien aber meist so „desinfiziert“, dass sich dort keine Schwalben mehr niederlassen, außerdem gebe es immer weniger Scheunen, zeigt er die Problematik auf. Schwalben fänden heutzutage immer weniger Nistmöglichkeiten, auch ihr Nahrungsangebot werde knapper.

Lehmnester der geschützten Arten sind auch im Tierhof in Bischweier zu finden, der als künftige Wildtierpflegestation Mittelbaden in der Diskussion, aber wegen seiner ungenehmigten Bauten umstritten ist. Der jetzige Zustand ist geduldet, bis die Baurechtsbehörde im Landratsamt Rastatt eine Entscheidung getroffen hat (das BT berichtete). Das ist noch nicht der Fall, wie die Pressestelle auf BT-Nachfrage mitteilte: Bezüglich der Wildtierpflegestation gebe es noch kein Ergebnis. Die Verhandlungen liefen im September weiter.

„Noch sind die Schwalben da“, sagt Matt, „und wir hoffen auch, dass dies so bleiben wird“: Schwalben sind nach §44 des Bundesnaturschutzgesetzes geschützt. Das Zerstören von Schwalbennestern stellt nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland eine Straftat dar – während, aber auch außerhalb der Brutzeit. Auch eine Umsiedlung der Rauchschwalben sei nicht möglich, ist Matt überzeugt, der aber bei der Zentralen Schwalbenkoordinationsstelle noch weitere Information einholen will.

Zertifikat für Schwalbenfreunde

Gleichzeitig wirbt er für die Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“. Damit zeichnet der NABU in ganz Deutschland private Hausbesitzer, Landwirte, Firmen und öffentliche Institutionen aus, die den früher als „Glücksbringer“ geltenden Vögeln an und in ihren Gebäuden eine Heimstatt bieten und so zu deren Erhaltung beitragen. Etwa zehn Schilder habe er bisher in seinem Zuständigkeitsbereich vergeben, erzählt Matt, der hofft, dass noch viele weitere Menschen dazukommen, die die bedrohten Arten willkommen heißen.

Schwalben leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des natürlichen Gleichgewichts. Sie fangen Mücken, Fliegen und Blattläuse aus der Luft und sind zugleich selbst Beute für andere Tierarten wie etwa Schleiereule, Turm oder Baumfalken.

Apropos: In seinem Aktionsleitfaden „Schwalbenschutz“ hat der NABU neben umfassenden Informationen über die Vögel auch Bauanleitungen für Nisthilfen und Kotbrettchen zusammengestellt, damit die Hauswand nicht zum Plumpsklo und der Ärger über Schmutz vermieden wird.

Kontakt: NABU-Ortsgruppe Rastatt, Karl-Ludwig Matt, Telefon (0176) 78 45 64 28, Homepage: www.nabu-rastatt.de.

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Erstellt:
23. August 2020, 08:00 Uhr
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