Schwarzwälder Know-how für den Weltmarkt

Glatten (vo) – Die Schmalz GmbH in Glatten bei Freudenstadt ist ein Spezialist für Vakuumtechnik in der Robotik und Logistik. Der Marktführer ist gerade dabei, sich ein neues Standbein zu schaffen.

Greifsysteme für eine Vielzahl von Anwendungen: Der Mittelständler ist führend mit seinen Produkten und Systemlösungen. Fotos. J. Schmalz GmbH

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Greifsysteme für eine Vielzahl von Anwendungen: Der Mittelständler ist führend mit seinen Produkten und Systemlösungen. Fotos. J. Schmalz GmbH

Das Familienunternehmen Schmalz war schon immer gut darin, auf technische Entwicklungen zu reagieren und dabei selbst eine führende Rolle zu spielen. Im kleinen Ort Glatten im Schwarzwald, nicht weit von Freudenstadt, ist der Marktführer für Vakuumtechnik gerade dabei, sich ein neues Standbein zu schaffen.
Mit einem Start-up im eigenen Haus will Schmalz ins Geschäft mit Energiespeicher einsteigen. „Die Technologie hat große Zukunft, braucht aber noch viel Entwicklungsleistung“, sagt Kurt Schmalz. Noch möchte der Geschäftsführende Gesellschafter der J. Schmalz GmbH den Ball flach halten. Schließlich ist die Konkurrenz auf dem Wachstumsmarkt, wo sich vornehmlich Spezialisten aus China, Japan und den USA tummeln, groß. Schmalz weiß, dass man letztendlich nur Erfolg haben kann, wenn Qualität und Effizienz des neuen Produkts stimmen.

Das Unternehmen entwickelt im idyllischen Tal der Glatt sogenannte „Redox-Flow-Stacks“, das sind Wandlereinheiten zwischen elektrischer und elektrochemischer Energie, die in großen Batteriesystemen Verwendung finden und dort auf die nachgefragte Anwendung, also den Speicher, passgenau gesetzt werden können. Das Ganze ist hoch komplex, aber eben ein Zukunftsmarkt mit erheblichem Potenzial.

Weltweit bekannt ist das 1910 gegründete Unternehmen eigentlich für seine Vakuumtechnik. Überall dort, wo Gegenstände gehoben, gehalten und transportiert werden müssen, ist der Mittelständler mit seinen Sauggreifern, Hebe- oder Haltevorrichtungen, die auf Basis von Unterdruck arbeiten, zur Stelle. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen vom Bewegen kleiner Handy-Displays bis zum tonnenschweren Windrad-Flügel. Die Kunden kommen aus der Industrie, aber immer häufiger auch aus der Logistik. Knapp 200 Millionen Euro setzt Schmalz mit seinen Produkten um. Der Mittelständler beschäftigt weltweit etwa 1.500 Mitarbeiter, davon alleine am Stammsitz in Glatten rund 950.

Corona-Krise hinterlässt Spuren


Schon vor der Corona-Krise hat Schmalz den konjunkturellen Abwärtstrend im Maschinenbau und den Wandel in der Automobilindustrie in Deutschland deutlich gespürt. Die Folgen der Pandemie mit einem zeitweisen Stillstand in den Branchen hat diese Entwicklung im vergangenen Jahr noch verstärkt. Weil Schmalz etwa die Hälfte seines Umsatzes im Ausland macht, war der Einbruch beim Export besonders schmerzhaft. „Das erste Quartal lief noch relativ gut, dann sind die Aufträge deutlich zurückgegangen“, berichtet Kurt Schmalz. Zuerst habe man die Corona-Krise in China gespürt. „Danach war es ein Dominoeffekt, der auch andere Länder mitriss“, so der Firmenchef.

Wieder deutlich bessere Geschäfte im zweiten Halbjahr, vor allem mit Großaufträgen aus der Logistik, haben die Bilanz des Unternehmens am Ende gerettet. Doch jetzt stecke man in der zweiten Welle und könne noch nicht absehen, wie das Geschäftsjahr 2021 weiter verlaufen werde, sagt Schmalz.

Der promovierte Maschinenbauer war schon während des Studiums und danach sein ganzes Arbeitsleben lang von der Automatisierung begeistert. Immer wieder schafft es sein Unternehmen, dies mit neuen Produkten ein Stück weit voranzutreiben. Etwa neun Prozent der Erlöse steckt das Unternehmen jährlich in Forschung und Entwicklung. „Das ist für uns überlebenswichtig“, sagt Schmalz angesichts einer zunehmenden Konkurrenz, die auf den Markt drängt.

Von der fachlichen Expertise aus dem Schwarzwald profitieren in hohem Maß Industriebetriebe, aber zuletzt auch immer mehr andere Branchen wie die Logistik oder der Versandhandel, eben dort, wo eine Vielzahl an Waren mit Hilfe der Greifsysteme von Schmalz bewegt werden müssen und Beschäftigte körperlich entlastet werden können. Das beschert dem Mittelständler letztlich zusätzliche Umsätze, die die Rückgänge in anderen Bereichen, wie etwa der Automobilindustrie, die nach wie vor der wichtigste Kunde ist, abfedern.

Neues Werk in China


Der Marktführer für Automatisierung mit Vakuum und ergonomischen Handhabungssystemen ist weltweit unterwegs, hat 20 eigene Standorte und neben dem Standort Glatten weitere Produktionsstätten in China, den USA, Australien und Japan. Gerade baut Schmalz seine Aktivitäten in China mit einem neuen Werk für den lokalen Bedarf an Vakuumsystemen aus und investiert mehr als fünf Millionen Euro. „China ist ein Wachstumsmarkt, der sich in der Corona-Krise schnell erholt hat“, sagt Kurt Schmalz.

Und die Digitalisierung? „Die ist in unserer Branche und speziell bei uns natürlich weit fortgeschritten.“ Inzwischen können sich Schmalz-Kunden ihre Produkte sogar selbst konfigurieren und am 3-D-Drucker erstellen lassen. Für den umtriebigen Ingenieur geht die Entwicklung aber noch sehr viel weiter. Mechatronische Teile werden zunehmend angereichert mit digitalen Komponenten, Stichwort smarte Produkte. Um dieses Thema kümmert sich ein weiteres Start-up von Schmalz. Im Fokus stehen dabei Daten und deren Analyse rund um den Einsatz der Produktsysteme. Damit lassen sich neue Geschäftsmodelle, etwa mit Blick auf den Service, entwickeln. „Hier bieten sich unserem Unternehmen noch viele Chancen“, ist sich Schmalz sicher.

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Erstellt:
1. Februar 2021, 23:00 Uhr
Lesedauer:
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