Schwarzwaldhochstraße: Hoffen auf Pistenbetrieb

Schwarzwaldhochstraße (waa) – Viel Schnee und keine Schließungen: Das sind die Hoffnungen der Pistenbetreiber an der Schwarzwaldhochstraße. Die Vorbereitungen für die kommende Saison laufen schon.

Erste Vorbereitungen: Michael Schnurr und Ernst Hermann (von links) machen das Seibelseckle fit für die kommende Wintersaison. Foto: Bernhard Margull

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Erste Vorbereitungen: Michael Schnurr und Ernst Hermann (von links) machen das Seibelseckle fit für die kommende Wintersaison. Foto: Bernhard Margull

Statt üppigem Schnee gab es für die Skiliftbetreiber an der Schwarzwaldhochstraße in den vergangenen Jahren oft nur vereinzelt weiße Stellen. Zu den Launen des Winters gesellt sich nun auch noch die Angst vor coronabedingten Schließungen durch die Behörden. Und dennoch: Die Skiliftbetreiber sind für die bevorstehende Saison vorsichtig optimistisch.

Oft schon fühlten sich Skiliftbetreiber vom Wetter im Stich gelassen. Wenn Markus Huber von der Waldgenossenschaft Seebach, die die Lifte am Seibelseckle betreibt, vom Wetter des vergangenen Winters erzählt, gerät er jedoch ins Schwärmen. „Das Wetter und der Schnee waren einfach ein Traum. Im letzten Winter hatten wir Schnee über Weihnachten, wie es sich ein Liftbetreiber nur erträumen kann, Corona machte uns allerdings einen Strich durch die Rechnung.“ Nur dank einer Sondergenehmigung für Rennläufer und die stundenweise Vermietung des Lifts an Familien habe der Verlust, der durch die laufenden Kosten entstanden war, zumindest minimiert werden können, so Huber.

Kein Liftbetrieb im vergangenen Jahr

Laut Tino Rettig, Tourismuschef für Bühl, Bühlertal und Ottersweier war die vergangene Wintersportsaison entlang der Schwarzwaldhochstraße „in vollem Umfang von der Corona-Pandemie geprägt. Es gab richtig tolle Schneetage, leider ohne Liftbetrieb“, so Rettig. Umso mehr Andrang habe jedoch auf den Loipen, den Schneeschuh-Trails und auf den Winterwanderwegen geherrscht. Diese seien durch die mangelnden alternativen Freizeitaktivitäten und ohne den Liftbetrieb an vielen Tagen hoffnungslos überlastet gewesen, so Rettig.

Die Folge: Nicht nur überlastete Zufahrtswege bis hin zur Sperrung, Chaos rund um die Parkplätze und entlang der B500, sondern auch genervte Einwohner angesichts des Verkehrs. Staus und rücksichtsloses Parken haben nicht nur zu massiven Problemen auf den Rettungswegen geführt – auch liegen gebliebener Müll habe entsprechende Folgen für die Umwelt gehabt, betont der Tourismuschef.

Auch für Andreas Kern vom Freizeitzentrum am Mehliskopf war die vergangene Saison ein herber Schlag. In den vergangenen Jahren habe man immer wieder mit Warmwetterfronten zu kämpfen gehabt. Der vergangene Winter sei dann endlich wieder kälter gewesen. „Letztes Jahr war der Schnee dann da. Das war wie ein Sechser im Lotto – und wir durften aber nicht aufmachen.“

Bereits seit 52 Jahren besteht der Betrieb am Mehliskopf. Im Jahr 2000 hat Kern ihn von seinem Vater übernommen. Aufgrund des wechselhaften Wetters setzt der Betreiber statt der Wintersaison, aus der er eigenen Angaben nach oft nur mit Verlusten kommt, schon seit einigen Jahren auf ein Ganzjahresgeschäft. Neben einer Bob-Bahn gibt es am Mehliskopf daher auch einen Kletterpark. Man müsse schon mit Herzblut dabei sein, denn reich werde man als Skiliftbetreiber nicht, so Kern.

Am Liftbetrieb in Unterstmatt fanden in den vergangenen Tagen bereits die TÜV-Abnahmen statt. Foto: Bernhard Margull

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Am Liftbetrieb in Unterstmatt fanden in den vergangenen Tagen bereits die TÜV-Abnahmen statt. Foto: Bernhard Margull

Schliffkopf-Hotelier Heiko Fahrner, der den Liftbetrieb in Unterstmatt verantwortet, resümiert die vergangene Saison ähnlich frustriert. Er habe „keine Einnahmen, nur Kosten“ zu verzeichnen gehabt. In der kommenden Saison wünscht sich Fahrner daher einen „schneereichen Winter ohne behördliche Schließung“.

Am Seibelseckle ist man vorsichtig optimistisch und setzt in erster Linie auf die steigende Impfquote. Durch die Impfungen hofft Huber, dass „ein uneingeschränkter Skilauf möglich ist“. Ähnlich sehen es auch Kern vom Mehliskopf und Nina Trayer, Geschäftsführerin vom Ausflugszentrum Ruhestein. Beide Betreiber rechnen zwar mit einer 2G- oder 3G-Regelung, die sich durch eine gute Impfquote jedoch weniger gravierend auf den Betrieb auswirken könnte. Am Mehliskopf folgt man der Devise: „Abwarten und dann handeln. Es ist, wie es ist, und wir machen weiter“, so Kern.

Ab November stehen Schneekanonen bereit

Tourismuschef Rettig hofft auf „klare und nachvollziehbare Regelungen bezüglich der Corona-Beschränkungen, die frühzeitig kommuniziert werden. Am besten wäre natürlich, wenn für die Wintersportaktivitäten im Freien keine Beschränkungen mehr bestehen würden“, meint er. Unabhängig von der Corona-Situation und in Erinnerung ans Verkehrschaos der vergangenen Saison erhofft er sich außerdem „mehr Rücksicht aller untereinander und gegenüber der Natur“.

Am Seibelseckle bereite man sich wie in jedem Jahr vor, erklärt Huber. Zudem werde es zum Schutz der Mitarbeiter ab diesem Jahr jedoch auch Drehkreuze am Lifteingang geben. Dadurch kommen die Mitarbeiter beim Entwerten der Liftkarten nicht mehr länger in Körperkontakt mit den Skifahrern. Am Ausflugszentrum Ruhestein steckt die Familie mit Betreiben des Sessellifts noch im Sommerbetrieb. Dieser wird im Winter zum Schlepplift umfunktioniert und bringt die Wintersportler bequem auf die Hochebene.

Auch am Mehliskopf läuft noch der Betrieb von Kletterpark, Bob-Bahn und Gastronomie. Ab November werden dann die Raupen und Kanonen gerichtet. Anfang Dezember müsse man mit den Vorbereitungen fertig sein, betont Kern. In Unterstmatt fanden am 18. Oktober bereits die TÜV-Abnahmen statt, Anfang November werden die Lifte dann aufgebügelt, so Schliffkopf-Hotelier Fahrner.

Ihr Autor

BT-Volontärin Alena Wacker

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Erstellt:
26. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
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