„Schwarzwaldkunst“ entstaubt den Bollenhut

Iffezheim (schx) – Der Iffezheimer Kunstmaler Bernhard Hauns will mit seiner Reihe „Crazy Blackforest Art“ die Schwarzwald-Tradition entstauben. Ein Spiel mit Klischees.

Der Iffezheimer Bernhard Hauns im Kreise einiger seiner Kreationen. Foto: Xenia Schlögl

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Der Iffezheimer Bernhard Hauns im Kreise einiger seiner Kreationen. Foto: Xenia Schlögl

Die schmollende Strickliesl mit pinkfarbenen Haaren und pinkfarbenem Bollenhut aus Strickwolle ist das Cover-Schwarzwaldmädel der „Crazy-Blackforest-Art“-Reihe, ihr Schöpfer ist der freischaffende Kunstmaler Bernhard Hauns aus Iffezheim. In der Kunstrichtung Pop-Art gemalt sind ihre „Schwestern“ mit einem Baseballschläger oder mit einem Kruzifix über der Schulter zu sehen, unterwegs auf einem Motorrad oder frech grinsend die Zunge rausstreckend. „Schwarzwaldmädels reloaded“ bezeichnet Hauns seine provokanten und mit Witz gemalten Acrylwerke.

„Sie sollen sich klar von der eingestaubten Schwarzwald-Tradition abheben.“ Seit 2019 malt der Künstler das berühmte Mädel aus dem Schwarzwald in immer neuen Varianten und spielt verschmitzt mit den Klischees. Es sind starke Frauenfiguren, die selbstbestimmt und unabhängig wirken. Seine plakativen Darstellungen lassen keinen Betrachter kalt, sie erzeugen Emotionen, die von Begeisterung bis Ablehnung gehen. Die farbenfrohen Porträts erinnern an die „Facing/Tradition“-Reihe des Freiburger Fotografen Sebastian Wehrle, der mit seinen Trachtenfotos einen neuen Trend setzte.

„Mein ganzes Herzblut liegt in meinen Bildern“, sagt Hauns, der sein Atelier in einem umgebauten Wirtschaftsraum hat, das auf seinem Grundstück steht. Die in sozialen Medien geposteten Bilder seiner Werke erhalten breiten Zuspruch mit Kommentaren und Likes, sogar Sebastian Wehrle hat bereits ein „Daumen hoch“ angeklickt. Aber Hauns wird auch mit Kritik seitens eines Freiburger Netzwerks konfrontiert, die seine Darstellungen des Schwarzwaldmädels als sexistisch bemängeln. „Meine Kunst bewegt eben die Menschen“, ist seine Antwort. Sein Ziel sei es, die jüngere Generation für die heimische Tradition zu begeistern, wenn auch mit anderen Stilmitteln.

Internationales Kollegenteam im Europa-Park

Die Inspiration zu seiner Reihe erhielt Hauns, als ein Magazin aus Offenburg einen Artikel über ihn und seine Arbeiten veröffentlichte. Inzwischen hat er sogar einige Porträt-Auftragsarbeiten angefertigt: „Frauen, die meine Bilder mögen, sehen sich gerne in der Rolle des Schwarzmädels und lassen sich in dieser Pose malen. Das hat eine gewisse Romantik.“ Für ein Gemälde in der Leinwandgröße 120 auf 90 Zentimeter verlangt Hauns 700 bis 900 Euro, 30 Stunden Arbeit stecken darin. Er verkauft auch günstigere Nachdrucke ab 60 Euro, je nach Größe.

Hauns ist Jahrgang 1962 und wuchs in ländlichen Verhältnissen in Wintersdorf auf. Sein Talent zeigte sich bereits früh in der Schule, denn er konnte auffällig besser zeichnen als die Gleichaltrigen. Auch sein Vater und Urgroßvater teilten die Begabung. Über die Jahre bildete er sich autodidaktisch weiter. Seine Malleidenschaft gab ihm den Raum, seine Gefühle und Gedanken auszudrücken. Als Hauns die Schule verließ, begann er eine Ausbildung zum Schreiner bei der Firma Krupp und Kreutz in Rastatt, wo er viel über das Restaurieren lernte. Nach 32 Jahren musste er nach einer Herzoperation den Beruf aufgeben und kam über einen privaten Kontakt als Kunst- und Illusionsmaler zum Malerteam des Europa-Parks Rust, das sich mit mehr als 25 Mitarbeitern um ein 95 Hektar großes Areal kümmert, etwa die Größe von 90 Fußballfeldern.

Ob große oder kleine Ausbesserungsarbeiten, der Bau einer russischen Raumstation, die Illusion einer Märchenlandschaft oder die detailgetreue Nachbildung eines historischen Schiffs – in dem badischen Freizeitpark sind viele Gewerke permanent im Einsatz. Neben feinen und anspruchsvollen Malerarbeiten gehören großflächige Illusionswandbilder zum beruflichen Alltag von Bernhard Hauns. Sein Kollegenteam ist international, die Handwerker und Künstler kommen aus der ganzen Welt. Hauns schätzt diese Zusammenarbeit. Er habe den einen oder anderen Kniff gelernt, darunter die Fresko-Technik, die die italienischen Mitarbeiter ihm zeigten.

Ein Bewunderer der „großen Meister“

Die berühmte „Angst vor der weißen Leinwand“ kennt er nicht. Er habe noch so viele Pläne, noch so viele verschiedene Mal- und Kunsttechniken auszuprobieren, dafür reiche ein Menschenleben nicht, sagt der Künstler. Unterstützung erhält er von seiner dänischen Frau Tove und seinen erwachsenen Töchtern, die das zeichnerische Talent des Vaters geerbt haben.

Hauns ist ein großer Bewunderer der großen Meister wie Michelangelo und Jan Vermeer. Seine Version der „Dame mit dem Hermelin“ von da Vinci offenbart eine weitere Facette seines künstlerischen Könnens. Den inzwischen berühmten Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi, der 2011 zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, hält er für herausragend. „Beltracchi beherrscht das Wissen und die Expertise von Hunderten Jahren Kunstgeschichte, inhaltlich wie handwerklich“, erklärt Hauns, „und jeder Maler versucht, die großen Meister zu kopieren, das juckt jedem in den Fingern – aber man sollte schon seinen eigenen Namen unter das Gemälde setzen!“ Er lässt seine Gedanken schweifen: „Manchmal überlege ich mir, was aus mir geworden wäre, hätte ich die Möglichkeit gehabt, eine Kunsthochschule zu besuchen.“

Auftragsarbeiten und Skulpturen

In der Region hat Hauns einen guten Namen. Für das „Rantastic“ in Haueneberstein war er verantwortlich für die Gestaltung der Weihnachts- und Ostermärkte, übernahm unter anderem Auftragsarbeiten für Außen- und Innenverschönerungen an Gebäuden. Ein besonderer Clou ist die von ihm kreierte Figur des Holzmichels, die als Werbebemalung auf Lkws quer durch Deutschland fährt.

Dass in der Karlstraße in Iffezheim ein Künstler wohnt, ist leicht erkennbar. An der Fassade seines Hauses hängt eine ausgefallene Fischplastik, und passend zum Renndorfcharakter reckt sich links neben dem Hoftor eine drei Meter hohe Pferdeholzskulptur in die Höhe, die er mit der Kettensäge herausgearbeitet und mit aufwendigen Metallelementen und Schnitzereien versehen hat. Auf dem Pferderücken ist ein alter Traktorsitz befestigt. Steampunk heißt diese Kunstrichtung, die für Aufsehen sorgt. Bernhard Hauns’ Traum wäre eine Vernissage, um die Bandbreite seines künstlerischen Schaffens den Menschen sichtbar zu machen.

Vorerst plant er in seinem Hof einen Tag der offenen Tür, wenn es pandemiebedingt wieder möglich ist. Wer nicht so lange warten möchte, findet ihn auf Facebook unter Bernhard Hauns und Crazy Blackforest Art.

Die berühmte „Angst vor der weißen Leinwand“ kennt Bernhard Hauns nicht. Foto: Xenia Schlögl

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Die berühmte „Angst vor der weißen Leinwand“ kennt Bernhard Hauns nicht. Foto: Xenia Schlögl

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Erstellt:
7. Juni 2021, 18:06 Uhr
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