Schweden wollen Baden Board übernehmen

Gernsbach (uj) – Der schwedische Papierhersteller Fiskeby Board will die Firma Baden Board in Gernsbach übernehmen. Noch ist der Verkauf nicht unter Dach und Fach.

Baden Board steht vor dem Verkauf an den schwedischen Papierhersteller Fiskeby Board. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Baden Board steht vor dem Verkauf an den schwedischen Papierhersteller Fiskeby Board. Foto: Veronika Gareus-Kugel

Fiskeby Board will mit der Übernahme nach eigenen Angaben seine Position im Bereich recycelter Faserplatten stärken. Auf seiner Homepage (www.fiskeby.com) verkündet der schwedische Papierhersteller die anstehende Übernahme: „Fiskeby hat sich vorbehaltlich der Zustimmung des Bundeskartellamtes für den Erwerb der Baden Board GmbH in Gernsbach, Deutschland, entschieden. Baden Board ist ein etablierter Hersteller von 100 Prozent Recyclingfaserkarton und Anbieter von Verpackungslösungen. Dank der Akquisition wird Fiskeby seine Produktionskapazität nahezu verdoppeln und sein Produktportfolio erweitern. Gemeinsam wird unsere Präsenz in Zentraleuropa deutlich gestärkt.“ Der Europäische Wirtschaftsdienst (EUWID) mit Sitz in Gernsbach schreibt, dass zu der Transaktion keine finanziellen Angaben gemacht wurden.

Fiskeby wurde 1637 in Norrköping als einer der ersten Papierhersteller Europas gegründet. Heute ist er nach eigenen Angaben das einzige Unternehmen in Skandinavien, das Verpackungskarton aus 100 Prozent Recyclingfasern herstellt: „Unser Produkt heißt Multiboard.“

Unternehmen mehrfach verkauft

Der traditionsreiche Murgtäler Karton- und Verpackungsmittelhersteller war 2018 von Smurfit Kappa an die Münchener Livia Gruppe veräußert worden, die sich nur ein Jahr später wieder davon trennte und das Unternehmen an die deutsch-tschechische Marperger Group (Pilsen) weiter verkaufte. Baden Board hatte sich bis Oktober 2020 unter einem Schutzschirmverfahren (Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung) befunden, in das es sich im November 2019 freiwillig begeben hatte. Ziel war es gewesen, sich von hohen bilanzierten Schulden zu befreien, die die Gesellschaft in der Vergangenheit aufgebaut hatte.

Nachdem der von der Baden Board GmbH vorgelegte Schuldenbereinigungsplan im Oktober 2020 durch die Gläubigerversammlung und das zuständige Amtsgericht Baden-Baden einstimmig angenommen worden war, hatte Robert Ferstl, Geschäftsführender Gesellschafter der Baden Board, erklärt: „Für die Zustimmung zu diesen Einschnitten möchte ich mich bei allen Gläubigern bedanken, insbesondere, aber nicht zuletzt bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die unter anderem mit Verzicht auf Gehalt und einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit zu dieser Entlastung beitragen.“

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sah das Unternehmen auf einem guten Weg. Dazu beigetragen habe der ausgehandelte Ergänzungstarifvertrag, der eine Laufzeit bis Ende 2024 habe. Mit der Reduzierung des Bruttojahresentgelts um etwa zehn Prozent sei die „Schmerzgrenze absolut erreicht“, hatte Gewerkschafter Dirk Schmitz-Steinert seinerzeit erklärt.

Schweden sollen einen guten Ruf haben

Mittlerweile sieht die IG BCE den geplanten Verkauf des Unternehmens als „letzte Chance“, wie Gewerkschaftssekretär Frank Hessler, stellvertretender Landesbezirksleiter, gegenüber dem BT betonte. Ob die Veräußerung schon vollzogen sei, wisse man nicht. Das schwedische Unternehmen soll einen guten Ruf haben, hat Hessler in Erfahrung gebracht. Mit dem potenziellen Käufer sei ein neuer Ergänzungstarifvertrag ausgehandelt worden. Zu Vertragsdetails wollte sich der Gewerkschafter gestern nicht äußern.

Fiskeby Board AB ist laut Homepage ein unabhängiges Unternehmen mit der gesamten Produktion in Fiskeby, Norrköping. Vertriebsbüros befinden sich in Schweden und in mehreren Ländern in Europa. Mit Fiskeby Holding LLC, USA, hat man „einen starken Eigentümer unter der Leitung der Familie Coors“. Die Inhaberfamilie betreibt unter anderem auch CoorsTek und Coors Brewery.

Fiskeby hat rund 275 Mitarbeiter, Baden Board in Gernsbach nach Gewerkschaftsangaben aktuell etwa 280.

Ihr Autor

BT-Redakteur Ulrich Jahn

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Erstellt:
21. August 2021, 07:43 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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